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Veröffentlicht: 17.02.2013, 21:21 Uhr

Henri Dunant Die Schreie der Verwundeten

Der Tag von Solferino brachte die Gründung des Roten Kreuzes. Kaum je hatte die Initiative eines Privatmannes solchen Erfolg zu verzeichnen. Ein Versuch über Henri Dunant, den Pionier des Mitleids.

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© dpa Vor 150 Jahren wurde das Rote Kreuz gegründet. Heute sind mehrere Millionen Menschen für die Organisation tätig.

Am 24. Juni 1859 besiegten die Franzosen und Sardinier die Österreicher in der Schlacht von Solferino, die Österreicher verloren zweiundzwanzigtausend, die Franzosen zwölftausend Mann. Henri Dunant hat 1862 in seinem Buch „Un Souvenir de Solférino“ über die Schlacht berichtet: „Auf diesen Seiten schildere ich nichts weiter als meine persönlichen Eindrücke: Man soll hier also weder spezielle Einzelheiten noch strategische Auskünfte suchen, die ihren Platz in anderen Werken haben.“ Henri Dunant ist wie ein Tourist in das Schlachtgeschehen hineingeraten. Französische Veteranen der Schlacht von Solferino werden sich noch lange an ihn als „le Monsieur blanc“ erinnern, der, ganz in Weiß gekleidet, über das Schlachtfeld wanderte. Nachdem er den Aufmarsch der Armeen beschrieben hat, wie es ein Historiker tun würde, ändert sich, kaum dass die Kämpfe begonnen haben, der Ton seines Berichts: „Österreicher und Alliierte bedrängen einander, schlagen sich tot über blutenden Leichnamen, erschlagen einander mit Kolbenhieben, schlagen sich die Schädel ein, schlitzen sich mit dem Säbel oder dem Bajonett den Bauch auf; es gibt kein Pardon mehr, es ist eine Schlächterei, ein Kampf wilder Tiere, die rasen und trunken von Blut sind.“

Es dauert nicht lange, bis die Protagonisten der Erzählung auftauchen, die Verwundeten. Eine Schwadron der Kavallerie nähert sich im Galopp, die Pferde zermalmen mit ihren Hufen die Toten und die Sterbenden, einem Verwundeten wird der Kiefer weggerissen, einem anderen der Kopf zerquetscht, einem dritten die Brust eingedrückt. In das Wiehern der Pferde mischen sich Wutschreie und Klagerufe von Schmerz und Verzweiflung. Die Artillerie bahnt sich einen Weg über Leichen und Verwundete, die am Boden stöhnen: „Da quillt nun das Gehirn hervor, die Glieder werden gebrochen und zermalmt, der Boden saugt sich mit Blut voll, und die Ebene ist übersät von menschlichen Überresten.“ Der Beobachter bringt diese grausamen Details in einen grellen Kontrast zum Prunk des Aufmarsches der Armeen und zum Schlachtgepränge. Doch die heldenhafte Aufführung kann sich nur für Augenblicke gegen die Szenen des Grauens behaupten: „Man tötet sich en gros, man tötet sich en détail“, lautet Dunants illusionsloses Fazit.

Gelegentlich gibt es Zeichen von Mitgefühl

Er macht den Versuch, den Mythos des Heldentums mit seiner Sicht des Geschehens zu verschmelzen, indem er ihn zu einer Todesallegorie steigert: „Der Leutnant de Guiseul, der die Fahne eines Linienregiments trägt, wird mit seinem Bataillon von zehn Mal stärkeren Kräften eingeschlossen; von einem Schuss getroffen, sinkt er zu Boden, indem er das kostbare ihm anvertraute Tuch an seine Brust presst; ein Sergeant bemächtigt sich der Fahne, um sie vor den Händen der Feinde zu retten; der Kopf wird ihm von einem Geschoss weggerissen; ein Kapitän, der die Fahnenstange an sich reißt, tränkt im gleichen Augenblick mit seinem Blut die Fahne, die zerbricht und zerreißt.“

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