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Graduiertenkollegs Bücher? Dass er nicht lacht!

 ·  „Open Access“ ist die Antwort auf alle Fragen von Nachwuchswissenschaftlern - das zumindest behauptete der Stanford-Professor John Willinsky bei einem Beratungsvortrag für Doktoranden in Heidelberg.

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Graduiertenakademien sind innovative Einrichtungen. Doktoranden aller Fachrichtungen sollen dort gleich zu Beginn ihrer Forschungstätigkeit auf eine Zukunft innerhalb des Wissenschaftssystems vorbereitet werden. Vom „career service“ lernt man etwa, dass allzu eigensinnige Forschungsinteressen leicht die Laufbahn stören und es besser ist, sich möglichst schnell an allgemeine Strömungen „anzudocken“.

Eingeladen hatte jetzt die „graduate academy“ der Universität Heidelberg zum Höhepunkt der mit den Mitteln der Exzellenzinitiative ermöglichten „Doktorandenwoche“. Präsentiert wurde die „keynote lecture“ eines eigens „für uns“ eingeflogenen John Willinsky, seines Zeichen Professor für „Social Science“ an der Stanford University. Behauptet wird, man müsse ihn kennen. Die Verantwortlichen des Graduiertenkollegs nennen ihn rühmend einen der „prominentesten Vertreter der Open-Access-Bewegung“.

Erinnerungen an Steve Jobs werden wach

Da ich mit den messianischen Präsentationen von Steve Jobs groß geworden bin und genau dort auch „abgeholt“ werden möchte, beschloss ich, unseren Schlüsselnotenvortrag zu besuchen. Nichts wichtiger für eine Doktorandin, als zu wissen, wie man heutzutage seine Sachen publizieren soll. Und mein amerikanisches Englisch könnte ich auf diesem Wege auch gleich etwas auffrischen.

Die Aula der Neuen Universität in Heidelberg war gut gefüllt - die Verantwortlichen hatten alles auf die „Generation Internet“ zugeschnitten. Gespannt wartete ich gemeinsam mit Doktoranden aller Fachrichtungen  auf den Beginn der Präsentation, während im hinteren Teil eine Catering-Firma bereits wirkliches Brot und wirklichen Wein für den informellen Ausklang des Abends anrichtete. Mit einem Agilität reklamierenden Sprung betrat der von den Veranstaltern als „activist“ eingeführte Professor aus Amerika nun die von indirektem Licht beleuchtete Bühne: ein kleiner Mann in dunklen abgewaschenen Jeans, stylish, stylish, mit weißem hochgekrempelten Hemd, ausschweifenden Armbewegungen und einem Notizzettel in der Hand. Statt hinter das Rednerpult stellte er sich in die Mitte der großen Bühne vor die überdimensionale Leinwand.

Auf ihr war in riesigen Lettern der Titel des Vortrags eingeblendet: „Revolutionizing academic publishing? The open access challenge“. Dann breitete er die Arme aus, und seine ersten Worte riefen gleich sentimentale Steve-Jobs-Erinnerungen in mir hervor: „Our future lies in your hands!“ Genau.

Eine Antwort auf alle Fragen

Sein Ziel war Ansprache und Ertüchtigung zugleich. Uns, die wir mit Aufmerksamkeitsdefizitproblemen und Überforderung schon genug zu kämpfen haben, lieferte er Edutainment vom Feinsten, das, eingedenk des Zeitmangels, auf Argumente locker verzichten konnte. Er gab prima einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Die universelle Antwort auf all unsere Publikationsfragen lautete, so der Professor aus Amerika: Open Access. Mit Finger und Blick in die Ferne deutend, malte er unserer bekanntlich unschlüssigen und orientierungslosen Generation mit bloßen Worten einen leuchtenden Weg in die Zukunft aus. Eine Zukunft, in der Wissen nicht mehr länger zwischen Buchdeckeln „gefangen“ ist, sondern „frei im Netz“ fluktuiert.

Als er, einem Seher gleich, „Imagine!“ ausrief, schweiften meine Gedanken ab, und ich stellte mir vor, wie die Seiten meiner Dissertation über Johann Georg Hamann (Denker, lange tot, Buchstaben- und Buchdruckmensch, war nie in Kalifornien) durchs Netz schwirren und von der „community“ verbessert werden. Könnten doch nur alle, weltweit, „barrierefrei“ Hamann lesen: Die Welt wäre dann wohl tatsächlich ein besserer Ort.

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