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Die deutsche Romantik Schöne Kontroversen über das schlechthin Interessante

Die ehrwürdige „Stiftung für Romantikforschung“ versammelte sich zu einer letzten Tagung. Nun wird der Stab an eine jüngere Generation der Forscher übergeben. Die Themen gehen nicht aus.

© Goethe-Museum Frankfurt Vergrößern Schon Kitsch oder noch Romantik? „Weidengebüsch bei tiefstehender Sonne“ von Caspar David Friedrich.

Vor zwanzig Jahren riefen Dagmar von Wietersheim, ihr Doktorvater, der Germanist Alexander von Bormann und seine Kollegen Gerhart von Graevenitz, Walter Hinderer, Gerhard Neumann und Günter Oesterle die „Stiftung für Romantikforschung“ ins Leben. Seitdem hat die Stiftung die Erforschung der Romantik unermüdlich vorangetrieben: durch mindestens einmal jährlich an verschiedenen Orten veranstaltete Symposien, durch eine große Zahl von Publikationen - soeben erschien etwa der Sammelband „Auftakte und Nachklänge romantischer Musik“ - und nicht zuletzt durch die Vergabe von Druckkostenzuschüssen, Stipendien und Preisen an Nachwuchsforscher. Der Ertrag dieser Aktivitäten ist mehr als beachtlich.

Jetzt stellt die Stiftung ihre Arbeit ein. Um diesen Abschluss und zugleich das zwanzigjährige Jubiläum gebührend zu begehen, hatte sie unter dem Titel „Romantik kontrovers“ noch einmal zu einer Tagung eingeladen, die auf dem bei München gelegenen Gut Sonnenhausen stattfand. Viele waren der Einladung gefolgt: Entsprechend war die Stimmung bei aller spürbaren Wehmut von Anfang an ausgelassen und heiter, ähnlich wie bei einem Klassentreffen, einer besonderen Klasse allerdings, der Schüler verschiedener Disziplinen, Generationen und Nationalitäten angehören, die die Liebe zu ihrem Gegenstand eint.

Romantische Gerldverachtung

„Romantik kontrovers“: Dieses Thema war gut gewählt. Man konnte eine bloße Rückschau auf das Geleistete vermeiden und gleichzeitig einen Wunsch des verstorbenen Mitgründers von Bormann erfüllen, der sich als letztes Tagungsthema eine kritische Perspektive auf die Epoche gewünscht hatte. Für den Anlass hatte man sich zudem eine spezielle Form ausgedacht: einen Debattenparcours, dessen von Heine inspirierte Grundidee es war, sich von der Kontroversen-Kultur der Romantik anstecken zu lassen und bei der Behandlung des Gegenstandes selbst kontrovers zu verfahren, und zwar kontroverser als im gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb üblich. Jede der sechs Sektionen war gegliedert: Auf ein einleitendes Referat folgte das Koreferat eines (mit den Thesen seines Vorredners vertrauten) Respondenten. Daran schlossen sich dreißig Minuten Diskussion mit dem Plenum an, den Abschluss bildete das Referat eines Konkludenten, der die Thesen beider Vorredner kannte.

Das Experiment glückte gleich bei der ersten Sektion zur strittigen Geldtheorie der Romantik, denn die Disputanten waren sich, wie erhofft, uneinig, und dies schon bei der Frage, ob Jochen Hörisch (Mannheim) zwei oder drei Thesen formuliert habe. Während Hörisch, den der Moderator ironisch den „Finanzminister der Germanistik“ nannte, das paradoxe Verhältnis der Romantik zum Geld, diesem „unromantischen Medium schlechthin“, auf die Formel einer „achtungsvollen Geldverachtung“ brachte und diese, mit Ausblicken unter anderem auf Brecht und Adorno, bei Chamisso, Novalis und Brentano untersuchte, forderte der Respondent Maximilian Bergengruen (Genf) bei grundsätzlicher Zustimmung zu Hörischs Thesen ein anderes methodisches Vorgehen: Bei einer solchen Fragestellung müsste die diskursive Umgebung der romantischen Geld-Texte stärker einbezogen werden. In seinem Beitrag wurde die eminente Belesenheit von Novalis und Tieck in der nationalökonomischen Theorie der Zeit denn auch klar erkennbar.

Nach einer sehr lebendigen Diskussion übte dann der Konkludent Harald Neumeyer (Erlangen) Fundamentalkritik an beiden Vorrednern, indem er Hörisch mangelnde philologische Präzision vorwarf und ihm wie auch Bergengruen vorhielt, einschlägige Forschungsliteratur nicht berücksichtigt zu haben. Von Anfang an wurde auf dieser Tagung also auch eine Methodendiskussion geführt.

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