http://www.faz.net/-gqz-shvd

: Carl Schmitt und der 30. Januar 1933

  • Aktualisiert am

Im Bericht über die Tagung des Deutschen Literaturarchivs Marbach zur Edition der Tagebücher Carl Schmitts (F.A.Z. vom 15. März) wies Patrick Bahners auf die sich widersprechenden Aussagen der Referenten Christian Meier und Wolfgang Schuller zum 30.

          Im Bericht über die Tagung des Deutschen Literaturarchivs Marbach zur Edition der Tagebücher Carl Schmitts (F.A.Z. vom 15. März) wies Patrick Bahners auf die sich widersprechenden Aussagen der Referenten Christian Meier und Wolfgang Schuller zum 30. Januar 1933 hin - Schmitt habe nach dessen eigener Aussage den Fackelzug der SA-Männer gesehen, so Meier, während nach Schuller aufgrund der Tagebuchnotizen Schmitt erkrankt zu Hause gewesen sei. Die inzwischen vorliegenden Transkriptionen der Tagebucheintragungen belegen die Erkrankung, zwei Tage später könnte Carl Schmitt allerdings bei einem mitternächtlichen Gang von seiner Wohnung im Tiergartenviertel die

          die ganze Woche über feiernden

          SAMänner gesehen haben, als er den Pressechef des gestürzten Reichskanzlers Schleicher begleitete. Gerd Giesler

          Aus dem Tagebuch

          30. 1. Dann zum Cafe Kutscher, wo ich hörte, daß Hitler Reichskanzler und Papen Vizekanzler geworden ist. Zu Hause gleich zu Bett. Schrecklicher Zustand. Abends kam Wilhelm Stapel, trank an meinem Bett eine Flasche Rheinwein. Wir sprachen überPreußen. (Hindenburg für ihn kein Preuße.) Sehr sympathischer, lieber Kerl, er ging gegen elf Uhr. Schlief bald ein.

          31.1. War noch erkältet. Telefonierte Handelshochschule und sagte meine Vorlesung ab. Wurde allmählich munterer, konnte nichts arbeiten, lächerlicher Zustand, las Zeitungen, aufgeregt. Wut über den dummen, lächerlichen Hitler. So verging der Tag. Abends kam Michael, erzählte von dem Sturz Schleichers, von Marcks und Ott. Trank eine Flasche Burgunder und ging um 11. Sehr angeregt. Er war bei Brüning, der sich angeblich respektvoll über mich geäußert hat. Quatsch.

          2.2. Todmüde, spät auf, 11 Uhr. Um 12 Uhr Zeitung gekauft, dann kam Hermens, erst langweilig und lächerlich, dann interessanter, aber Zentrum und katholischer Westfale. Jedenfalls wieder eine interessante Unterhaltung. Nach dem Essen wieder geschlafen. Im Seminar nicht viel getan. Herumgeschwätzt über die kommende Wahl am 5.3. Zu Hause waren Popitz und Frau, Sogemeier und Frau, und Marcks. Leider konnte seine Frau nicht kommen. Schönes Essen, guter Wein, schöne Unterhaltung. Ich war müde, konnte eigentlich kaum noch einem Gespräch folgen. Um 12 Uhr gingen sie. Wir begleiteten Marcks, der sehr deprimiert ist über das Ende der letzten deutschen Legende und die politische Passivität Hindenburgs.

          Weitere Themen

          Angeklagter trinkt Gift vor laufender Kamera Video-Seite öffnen

          UN-Kriegsverbrechertribunal : Angeklagter trinkt Gift vor laufender Kamera

          Das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien sprach am Mittwoch sein letztes Urteil. Einer der Angeklagten, der 72-jährige Slobodan Praljak protestierte erst lautstark gegen das Urteil, dann trank er aus einer kleinen Flasche. Einige Zeit nach dem Vorfall meldete das kroatische Staatsfernsehen, dass Praljak gestorben sei.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Neue Regierung : Österreichs Wirtschaft frohlockt

          Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ könnte den Standort Österreich in die Top-Liga zurückführen, glauben österreichische Geschäftsleute. Die Volkswirte sehen das allerdings deutlich skeptischer.

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.
          Wie ungerecht ist eine Tradition, die Jesus begründet hat? Das Thema Frauenweihe könnte auch diese Messdienerin einst beschäftigen.

          Frauen in der Kirche : Ran an die Priesterinnenweihe!

          Wer weiß, ob und wann sich ein Papst dazu durchringt, weibliche Priester zu weihen? Christiane Florin plädiert deswegen jetzt für einen „Weiberaufstand“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.