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Veröffentlicht: 06.06.2006, 13:06 Uhr

Carl Schmitt und der 30. Januar 1933

Im Bericht über die Tagung des Deutschen Literaturarchivs Marbach zur Edition der Tagebücher Carl Schmitts (F.A.Z. vom 15. März) wies Patrick Bahners auf die sich widersprechenden Aussagen der Referenten Christian Meier und Wolfgang Schuller zum 30.

Im Bericht über die Tagung des Deutschen Literaturarchivs Marbach zur Edition der Tagebücher Carl Schmitts (F.A.Z. vom 15. März) wies Patrick Bahners auf die sich widersprechenden Aussagen der Referenten Christian Meier und Wolfgang Schuller zum 30. Januar 1933 hin - Schmitt habe nach dessen eigener Aussage den Fackelzug der SA-Männer gesehen, so Meier, während nach Schuller aufgrund der Tagebuchnotizen Schmitt erkrankt zu Hause gewesen sei. Die inzwischen vorliegenden Transkriptionen der Tagebucheintragungen belegen die Erkrankung, zwei Tage später könnte Carl Schmitt allerdings bei einem mitternächtlichen Gang von seiner Wohnung im Tiergartenviertel die

die ganze Woche über feiernden

SAMänner gesehen haben, als er den Pressechef des gestürzten Reichskanzlers Schleicher begleitete. Gerd Giesler

Aus dem Tagebuch

30. 1. Dann zum Cafe Kutscher, wo ich hörte, daß Hitler Reichskanzler und Papen Vizekanzler geworden ist. Zu Hause gleich zu Bett. Schrecklicher Zustand. Abends kam Wilhelm Stapel, trank an meinem Bett eine Flasche Rheinwein. Wir sprachen überPreußen. (Hindenburg für ihn kein Preuße.) Sehr sympathischer, lieber Kerl, er ging gegen elf Uhr. Schlief bald ein.

31.1. War noch erkältet. Telefonierte Handelshochschule und sagte meine Vorlesung ab. Wurde allmählich munterer, konnte nichts arbeiten, lächerlicher Zustand, las Zeitungen, aufgeregt. Wut über den dummen, lächerlichen Hitler. So verging der Tag. Abends kam Michael, erzählte von dem Sturz Schleichers, von Marcks und Ott. Trank eine Flasche Burgunder und ging um 11. Sehr angeregt. Er war bei Brüning, der sich angeblich respektvoll über mich geäußert hat. Quatsch.

2.2. Todmüde, spät auf, 11 Uhr. Um 12 Uhr Zeitung gekauft, dann kam Hermens, erst langweilig und lächerlich, dann interessanter, aber Zentrum und katholischer Westfale. Jedenfalls wieder eine interessante Unterhaltung. Nach dem Essen wieder geschlafen. Im Seminar nicht viel getan. Herumgeschwätzt über die kommende Wahl am 5.3. Zu Hause waren Popitz und Frau, Sogemeier und Frau, und Marcks. Leider konnte seine Frau nicht kommen. Schönes Essen, guter Wein, schöne Unterhaltung. Ich war müde, konnte eigentlich kaum noch einem Gespräch folgen. Um 12 Uhr gingen sie. Wir begleiteten Marcks, der sehr deprimiert ist über das Ende der letzten deutschen Legende und die politische Passivität Hindenburgs.

Glosse

Alex liest Agatha

Von Andreas Rossmann

Das Aussterben der gemütlichen, kleinen Buchläden geht weiter. Aber manche haben Kunden, die das nicht hinnehmen wollen. Und etwas dagegen tun. Mehr 1 7

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