“Wollen Sie wissen, wie es mir hier ergangen ist? Ich habe natürlich versucht, mir hier Verbindungen und einen bescheidenen Namen zu machen, ich habe es mindestens ein dutzendmal versucht, aber ich war ein schlechter literary agent meiner selbst. Ich habe mich an Dramaturgen, Regisseure, Übersetzer, an Zeitungen, Iwrith-Verleger und englische M. East-Verleger gewendet. Ich bekam nie eine Absage. Aber auch nie eine Zusage, sondern einfach überhaupt keine Antwort. Kurz, es gibt nur etwas, was trost- und hoffnungsloser ist als das Dasein eines überholten Schriftstellers, und das ist, hier sein literarischer Agent zu sein.“
Leo Perutz zog dieses bittere Fazit in einem Brief an Hugo und Annie Lifczis vom 14. Mai 1945. Dabei galt er vor 1933 als einer der „meistgelesenen Erzähler deutscher Sprache“, wie Friedrich Torberg schrieb. Mit Kurzprosa und Romanen war der 1882 in Prag geborene und in Wien aufgewachsene Perutz bekannt geworden.
Ein privater Schriftsteller
Seine Bücher erschienen vor allem bei Langen und Ullstein und erregten als Fortsetzungsromane in deutschen Zeitungen Aufsehen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war Deutschland als Absatzmarkt für die Werke eines jüdischen Autors verschlossen: „Deutschland für mich eine Katastrophe“, „Deutschland für mich tot“ - so resümierte er die Lage in seinen Notizbüchern.
Bis kurz nach der Annexion war Perutz in Österreich geblieben, wo seine Werke im Zsolnay Verlag erschienen. Palästina als neuer Heimat stand er 1937 noch skeptisch gegenüber. Fast trotzig notierte er: „Ich habe keinen Gusto auf Scholet und keine Lust Ivrisch zu lernen.“
Im Juli 1938 wanderte er dann doch über Italien nach Palästina aus. Zumindest bis zur Gründung des Staates Israel schien es, als habe er dort eine neue Heimat gefunden. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit seinem Brotberuf als Versicherungsmathematiker. Währenddessen wurde der weiterhin produktiv tätige Schriftsteller zur privaten Existenz. Der Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“ konnte zwar noch zu Perutz’ Lebzeiten erscheinen. Zum Erfolg wurde das Buch aber erst viel später. Fast hellseherisch hatte Perutz 1949 seine „Auferstehung in 40 Jahren“ vorausgesagt. Und so kam es denn auch: Es ist vor allem seinem unermüdlichen Herausgeber und Biographen Hans-Harald Müller zu verdanken, dass Perutz heute alles andere als ein Geheimtipp ist.
Vor einem Jahr hat die Schriftstellerin Herta Müller die Bundeskanzlerin dazu aufgefordert, ein Museum des Exils zu gründen. „Menschen fallen aus Deutschland“, so überschrieb die Nobelpreisträgerin ihren offenen Brief, in dem sie an die Exilanten erinnerte, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
Der Appell traf auch im Deutschen Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek und im Deutschen Literaturarchiv Marbach auf offene Ohren.
Anlässlich der Ausstellung „Fremd bin ich den Menschen dort“, die vom 30. August bis 20. Oktober in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt gezeigt werden wird, gibt das Deutsche Literaturarchiv dort in der Veranstaltungsreihe „Zeitkapsel“ Einblick in seine seit 1955 gesammelten Exilbestände.
Vorab präsentieren wir in den kommenden Wochen zehn Fundstücke, die das Schicksal der Emigration aus Deutschland besonders eindringlich veranschaulichen.