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Geheimdienst sucht Nachwuchs Falsche Seite

17.01.2012 ·  Den britischen Inlandsgeheimdienst plagen Nachwuchssorgen. Ein Internet-Test soll Abhilfe schaffen. Wer teilnehmen will, muss allerdings zuerst ein anderes Problem lösen.

Von Niklas Maak
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Geheimdienste haben fast immer ein Imageproblem. Wenn sie gut arbeiten, hört man nichts von ihnen, wenn man etwas hört, ist was schiefgegangen. Einen Geheimdienstler, der für seine brillante Arbeit mit Angaben von Gründen öffentlich gelobt wird, gibt es nicht, dieses traurige Schicksal teilt er mit erfolgreichen Kunstfälschern. Den Bundesnachrichtendienst hat man deswegen vor allem als Pleiten-Pech-und-Pannen-Brigade in Erinnerung, deren Mitarbeiter, wie die „Bild“-Zeitung vor kurzem berichtete, „nach Sex-Attacken auf Agentinnen“ mit Hausverbot belegt werden müssen - in einem Haus, dessen geheime Baupläne sie gerade verbummelt haben.

Angesichts solcher Ausfälle wird das Image des Geheimdienstes nicht dadurch besser, dass es im BND-Fanshop, der 2003 von der Behörde selbst eröffnet wurde, neben Blousons mit BND-Logo auch Unterhosen mit dem Aufdruck „Verschlusssache“ zu kaufen gibt. Schuld an der Verwechslung von Observation mit Obsession ist natürlich James Bond, aber selbst in seiner Heimat hat der Geheimdienst nicht nur ein Image-, sondern auch ein Nachwuchsproblem, weswegen man jetzt Interessenten mit einem Test locken will: Auf der Internetseite des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 (nicht zu verwechseln mit der Auslandsabteilung MI6, wo Bond angesiedelt ist) kann jeder, der will, ausprobieren, ob das Geheimdienstlerdasein etwas für ihn wäre.

Eine Aufgabe von „Sam“

Als ich das Testformular anklickte, kam allerdings viermal die Mitteilung „An Error has occurred“ und erst beim vierten Neustart die Aufgabe, die man lösen sollte: Ein „Sam“ teilt in einer Mail mit, dass die Situation im Land Pzenda unübersichtlich werde, zwei pzendanische Geheimdienstler, Andre Flantcolf und seine Frau Dina Flantcolf, hätten überstürzt das Land verlassen, dazu gibt es ein paar Aktenprotokolle. Die Aufgabe lautet, sich per Multiple Choice ein Bild davon zu machen, warum die Flantcolfs so überhastet abgezogen wurden; wer über vier von acht möglichen Punkten bekommt, ist ein potentieller Agent.

Aber wenn auch in Wirklichkeit, denkt man, das Betriebssystem des MI5 so schlecht anspringt, können Andre und Dina Flantcolf aus dem schönen Pzenda auf ihrer Flucht noch ein ausgedehntes Nickerchen machen oder ein paar Bomben zünden, und überhaupt: Wenn das Agentenleben darin besteht, E-Mails zu beantworten und Akten auszuwerten, werden sich alle Aspiranten, die Aston Martin fahren, mit Halle Berry baden und in der Karibik dekorative Löcher ins Martiniglas schießen wollen, lieber bei der Gegenseite bewerben.

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Jahrgang 1972, Redakteur im Feuilleton.

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