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Sonntag, 19. Februar 2012
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Geheimakte von 1924 Adolphe, Jacob Hitler, Journalist

21.11.2009 ·  Zusammen mit dem Testament Napoleons und dem letzten Brief von Marie Antoinette lag sie im „Eisernen Schrank“ des Nationalarchivs. Jetzt gelangte die Akte des französischen Geheimdienstes über Adolf Hitler ans Tageslicht. Kurios: Nur wenige Informationen stimmen.

Von Jürg Altwegg, Genf
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Irgendwann muss „Le Monde“ von der Sache erfahren haben. Gelegentlich ist die Karteikarte auch schon besonderen Besuchern, die bis ins Herzstück der „Archives nationales“ in Paris vordringen konnten, gezeigt worden. Es handelt sich um eine Akte des französischen Geheimdienstes. Sie befindet sich im zwei Meter hohen „Eisernen Schrank“ aus dem Jahre 1791.

In ihm werden das Testament Napoleons und der letzte Brief von Marie Antoinette aufbewahrt. Zusammen mit den Originalen der französischen Verfassungen und der Kupferplatte, mit der die Erklärung der Menschenrechte gedruckt wurde. Wie und wann die Fiche, deren Existenz „Le Monde“ offenbart, hierher gelangte, scheint niemand erklären zu können. Und jetzt, nachdem alles aufflog, wird sie auch nicht in diesem Schrank bleiben: Denn er ist nur prestigeträchtigen Dokumenten vorbehalten, die für Frankreich von historischer Bedeutung sind.

Die kann man Hitler zwar nicht absprechen. Aber seine Karteikarte gehört eher in ein Kuriositäten-Kabinett. Sie stammt aus einem umfangreichen Konvolut von bisher vernachlässigten Dokumenten, die der französische Geheimdienst im besetzten Rheinland anlegte. Er observierte das Aufkommen der Nazis. Die Akte „Adolf Jacob Hitler“ entstand im Jahre 1924. Den zweiten Vornamen erklären Historiker mit den damaligen Gerüchten, Hitler sei jüdischer Abstammung. Diesen sei der federführende Beamte offenbar aufgesessen.

Auch von Konrad Adenauer gibt es eine Fiche

Auch sonst nahm er es nicht so genau. Als Geburtsjahr gab er 1880 an - Hitler war neun Jahre jünger. Und als Geburtsort Passau - doch aus dem österreichischen Braunau zog die Familie nach Deutschland erst, als Hitler drei Jahre alt war. Als Journalist wurde er geführt, weil er im „Völkischen Beobachter“ schrieb. Der „deutsche Mussolini“ wird als „geschickter Demagoge“ bezeichnet. Aber nicht sehr wichtig genommen: Man hält ihn für eine Marionette von Ludendorff. „Kläglich gescheitert“ sei ein Putschversuch am 8. November 1923 in München. Neue Schlüsse zur Geschichte des Nationalsozialismus werden die Historiker aus dieser Karteikarte nicht ziehen können.

Aufschlussreich sind die gesamten Bestände als Dokumente der Besatzungspolitik im Rheinland. Die Franzosen hatten versucht, Agenten in die Naziorganisationen einzuschleusen. Das geht aus einem Bericht an den Außenminister hervor. Von einer Militärschule in Darmstadt ist die Rede. Unterstrichen wird die „Franzosenfeindlichkeit“ Hitlers und seiner Kampfgenossen Goebbels und Göring.

Observiert wurden nicht nur gefährliche Extremisten. Auch von Konrad Adenauer gibt es eine Fiche: „Ordnungsliebender Zentrumspolitiker und Beschützer der Mittelschicht“. Adenauer wird als guter Beamter mit mittelmäßiger Intelligenz und „kühlem Charakter“ charakterisiert, seine Bescheidenheit aber als „falsch“ eingestuft. Frankreich gegenüber sei der spätere Bundeskanzler, der mit de Gaulle die historische Versöhnung einleitete, „extrem feindlich“.

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