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Gegen das Griechenland-Bashing Die griechische Utopie

Auf das Griechenland-Bashing muss mit der Vernunft von Griechen geantwortet werden. Eine Diskussion mit griechischen Unternehmern, die versuchen, was einst die Nachkriegsdeutschen taten. Sie glauben an eine neue und soziale Version ihres Landes.

© F1online Vergrößern Kunst im Bau: Vor den eingerüsteten Propyläen der Athener Akropolis fällt der Blick auf den Parthenon, der in einigen Jahren vollständig restauriert sein soll.

Unsere wichtigste Frage lautet natürlich: Hilft die Krise in irgendeiner Weise bei der Umstrukturierung dieses Landes? Hat sie auch positive Auswirkungen? Oder ist sie in der augenblicklichen Phase, 2013, nur schlecht, und es gibt gar nichts, was helfen könnte?

Achilles V. Constantakopoulos: Griechenland erlebt gerade das sechste Jahr in Folge eine Rezession, und die Menschen leiden. Ich verstehe den Gedanken, dass es auch positive Auswirkungen gibt. Die wichtigste liegt darin, dass wir nun zweimal nachdenken, bevor dasselbe wie in der Vergangenheit machen. Ich sehe Veränderungen in der Gesetzgebung und in der Mentalität, und wenn Sie mich vor sechs Jahren gefragt hätten, ob ich mir das in Griechenland vorstellen könnte, hätte ich wahrscheinlich „nein“ gesagt.

Welche Veränderungen meinen Sie?

Constantakopoulos: Zum Beispiel die Flexibilität im Arbeitsrecht, deutlich weniger Beschränkungen im Baurecht und bei Baugenehmigungen, aber zugleich die Einführung adäquaterer Umweltstrukturen, die das Wesen der Dinge betreffen und nicht einfach die Entwicklung anhalten. Die andere positive Auswirkung ist der Mentalitätswandel. Ich bin auf dem Lande aufgewachsen, wo Profit als etwas Schlechtes galt. Man musste sich rechtfertigen, wenn man ein erfolgreicher Geschäftsmann war.

(English version of „Die griechische Utopie“)

Jetzt hat diese Mentalität sich verändert. Die Menschen begreifen, dass Unternehmen rentabel sein müssen und dass die Interessen der Unternehmer mit denen des Staates übereinstimmen. Ich sehe mehr Vertrauen zwischen öffentlichem und dem privatem Sektor. Deshalb bin ich etwas optimistischer. Das Gefühl von Stabilität wächst, und ich glaube, wir haben die Talsohle erreicht, es geht wieder aufwärts. Seit Jahren habe ich nicht mehr so viel Interesse bei internationalen Unternehmen und Investoren erlebt, die viel Geld für Studien, Forschung, Beratung und dergleichen ausgeben. Wenn jedes griechische Unternehmen ein oder zwei weitere Beschäftigte einstellte, wären wir aus der Sache heraus.

Vielleicht erzählen Sie uns ein wenig über Ihr Unternehmen.

Constantakopoulos: Costa Navarino ist ein neues Reiseziel im Mittelmeerraum. Wir wollten ein nachhaltiges, erstklassiges Touristengebiet in einem unentdeckten, aber leicht erreichbaren Teil der Welt schaffen und ihm einen Platz auf der Weltkarte sichern. Unser Ansatz folgt einem neuen Modell im Tourismus, das auf ganzheitlichen Erfahrungen, Nachhaltigkeit, Qualität, Authentizität und engen Synergien mit den lokalen Gemeinden basiert. Costa Navarino umfasst eine Reihe unterschiedlicher Einrichtungen mit einem breiten Spektrum ganzjähriger Aktivitäten für Erwachsene und Kinder, wie man dies im Mittelmeergebiet sonst nirgendwo findet.

Achilles V. Constantakopoulos © Elisseos Kontis/AcePhotography Vergrößern Achilles V. Constantakopoulos, Jahrgang 1971, absolvierte die Hotelfachschule in Lausanne; er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1995 leitet er die Temes S. A., die für den Bau und die Entwicklung des touristischen Großprojekts Costa Navarino auf dem Peloponnes verantwortlich ist.

In Zusammenarbeit mit örtlichen Produzenten haben wir auch Nahrungserzeugnisse, Oliven und Weine, entwickelt, die das gastronomische Erbe der Region repräsentieren. In Costa Navarino befindet sich außerdem eine in Zusammenarbeit mit der Universität Stockholm und der Akademie von Athen betriebene Umweltbeobachtungsstation, die Fragen des Klimas und der Umwelt im Mittelmeerraum erforscht. Zugleich haben wir die Navarino Natura Hall geschaffen als interaktives Umweltausstellungszentrum für die messenische Natur.

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