Home
http://www.faz.net/-gqz-vvuy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gedenkstätte Bernauer Straße Das Erinnern, das Erklären und Erzählen erleichtern

16.12.2007 ·  Gegen die Bernauer Straße in Berlin als authentischen Erinnerungsort für die Weltenteilung des Kalten Krieges haben sich lange viele gewehrt. Dabei ist sie lebensschicksalsbeladen wie keine sonst. Sie war das Niemandsland der Weltgeschichte, ortlos und unbewohnbar.

Von Regina Mönch
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Gegen die Bernauer Straße in Berlin als authentischen Erinnerungsort für die Weltenteilung des Kalten Krieges haben sich lange viele gewehrt. Wichtige Menschen und solche, die sich nur dafür hielten, Busunternehmer und Politiker, nicht zu vergessen die deutsche Provinz, die auch geschichtspolitische Emotionen gern auf föderales Einheitsniveau zwingt. Und schließlich schienen sogenannte ungeklärte Eigentumsverhältnisse eine großzügige Gestaltung zu verhindern.

Die unter Ulbricht einst enteigneten Haus- und Grundstücksbesitzer der Bernauer Straße sollten ihren Besitz vom Rechtsnachfolger der DDR, der Bundesrepublik Deutschland, zurückkaufen, einige auch von der Stadt Berlin. Nicht eben nobel, aber irgendwie erträglich, ist auch dieses Problem nun fast gelöst. Aber nicht darum ist die Bernauer Straße, im Unterschied zu anderen Orten der achtundzwanzig Jahre lang durchtrennten und ummauerten Stadt, wirklich authentisch. Sie ist lebensschicksalsbeladen wie keine sonst. Alle Welt kennt den dort über den frischen Stacheldrahtverhau in die Freiheit springenden Soldaten Schumann, die Bilder der aus den Fenstern der östlichen Häuser der Bernauer Straße ins Westberliner Feuerwehrtuch fallenden Menschen, die Fluchttunnelgeschichten und vielleicht auch die im Staub der Sprengungswolken versinkende Versöhnungskirche.

Die Topographie der Mauerzeit imaginieren

Dass die monströse Mauer, von ein paar Resten abgesehen, dann ebenfalls geschleift worden ist, haben viele, auch Berliner, immer wieder bedauert. Es macht das Erinnern, das Erklären und Erzählen so kompliziert. Trotz dieser Bedenken zieht es seit Jahren Hunderttausende in die Bernauer Straße, zur Besichtigung von Gedenkstätte und Ausstellungshaus, das einst der Versöhnungskirchengemeinde gehörte. Wie es weitergehen könnte, zeigt jetzt der Siegerentwurf der Berliner Architekten, Ausstellungsmacher und Landschaftsgestalter Winkelmüller, Sinai, Faust und Fuchs.

Sie wollen fast die gesamte Straße zu einem Erinnerungsort gestalten, der mit diskreten, meist stählernen Markierungen, den Mauerresten und einem weiteren Informationspavillon den früheren Todesstreifen zwischen Nordbahnhof und Brunnenstraße umfasst. Es sollen die Fundamente weggesprengter Häuser sichtbar gemacht werden, die Reste der Fluchttunnel, um die Topographie der Mauerzeit zu imaginieren, in der die Bernauer Straße das Niemandsland der Weltgeschichte war, ortlos und unbewohnbar.

Quelle: F.A.Z., 17.12.2007, Nr. 293 / Seite 33
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

Jüngste Beiträge

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr 2