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Gastgeber Putin : O mein Alphatier

Mit seinen öffentlichkeitswirksamen Pass-Offerten an Gerard Dépardieu und Brigitte Bardot zeigt Wladimir Putin, dass er nicht nur politische Tiere zu bändigen und zu täuschen weiß.

          Der russische Präsident Putin hat, so viel kann man nach dem Blitzbesuch seines frischgebackenen Staatsangehörigen Gérard Depardieu sagen, den französischen Filmstar und dessen Kollegin Brigitte Bardot an die Wand gespielt. Depardieu, der zum Dank für seine drehbuchgerechte Huldigung an Freund Putin und dessen „große Demokratie“ einen russischen Pass ausgehändigt bekam, fuhr sogleich nach Saransk, Hauptstadt der für ihre vielen Strafkolonien bekannten Republik Mordowien, wo ihm die Honneurs eines Staatsgastes gemacht wurden. Der Republikchef Wladimir Wolkow lud den Präsidentenprotegée ein, sich eine beliebige Wohnung in Saransk oder ein Flussgrundstück außerhalb auszusuchen, wo man ihm gern ein Haus errichten werde.

          Der auch in Russland vergötterte Filmheld träumt seinerseits davon, den kosakischen Revolutionär und Bauernkriegsführer unter Katharina der Großen, Jemeljan Pugatschow, vor der Kamera zu verkörpern, dessen einziges russisches Denkmal in Saransk er in Augenschein nahm. Depardieu empfahl sich noch als „Weltkulturminister“, bevor er nach Zürich weiterzog.

          Magie des Alphatiers

          Kein Regisseur hätte sich etwas Besseres ausdenken können als die wundersame Landung des prominenten Putin-Freundes zum orthodoxen Weihnachtsfest auf russischer Erde, um die öffentliche Aufmerksamkeit vom skandalösen Adoptionsverbot russischer Waisenkinder durch amerikanische Familien abzulenken, das Putin zu Silvester unterzeichnete. Der ebenso skandalöse Umstand, dass viele rechtschaffene russische Bürger oder deren Angehörige im Gegensatz zum Star aus Frankreich keinen Pass bekommen können, schafft es, wohl weil es sich um einen Dauerzustand handelt, nicht in die Schlagzeilen.

          Die Ex-Filmgöttin Brigitte Bardot, die nun Depardieus Beispiel folgen und ebenfalls die russische Staatsbürgerschaft beantragen will, sollten zwei tuberkulosekranke Elefanten in Lyon eingeschläfert werden, beweist, wie wirksam Putins oft verspottete Auftritte als Raubtierbändiger und Vogelführer sind. Frau Bardot behauptet, Putin habe mehr für die Natur getan als alle Präsidenten Frankreichs zusammengenommen, was sie daraus schließt, dass er ihr nie eine Bitte abschlug. Die Magie des Politalphatiers hat sie blind dafür gemacht, dass Putins geliebte Tigerin und der Schneeleopard artwidrig eingesperrt und unter Drogen gesetzt wurden, dass beim Flugexperiment mit ihm zwei Kraniche umkamen und dass er, was kein Hollande wagen würde, routinemäßig seine in Sibirien aussterbende Tierarten jagenden Bonzen deckt.

          Quelle: F.A.Z.

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