Das muss man schon hinkriegen: mit Haarspangen links und rechts über den Ohren noch männlich zu wirken. Vermutlich der Einzige, der das schafft, ist der italienische Torwart Gianluigi Buffon, der freilich auch sonst virile Tugenden pflegt wie beispielsweise das Zocken. Überhaupt ist das mit der Haartracht bei dieser Europameisterschaft so eine spezielle Sache, dominiert vom Gummiband, damit das Auge klar und rein blicken könne. Vorbildlich hierin ganz das deutsche Mittelfeld, die Herren Khedira und Özil mit weißen Bändern, bräutlich nachgerade. Der italienische Kollege Riccardo Montolivo trägt eher das kleine Schwarze im Haar.
Echthaarergänzung und Ponymähne
Grundsätzlich scheint das Motto zu lauten: Einen schönen Fußballer kann nichts entstellen. Entsprechend durfte schon vor einiger Zeit eine allem Anschein nach von der Hautpflegeindustrie beauftragte Dame für die Zeitung „Die Welt“ in den vollen Schopf unseres Trainerheros greifen, um zu klären, ob der echt sei. Ist er, und Joachim Löw fettet ihn dankenswerterweise nicht auch noch mit der notorischen Familiencreme ein. Fürs Ölige im Haar ist ein anderer bei uns zuständig, vorn in den Spitzen. Und bei den portugiesischen Sportsfreunden hat es einer zur Kunstform erhoben, ein rechtes Betonköpfchen hat sich Ronaldo inzwischen erarbeitet. Dagegen lassen Andrea Pirlo und auch der Grieche Giorgos Samaras den Wind im offenen Haar spielen, was zumindest dem Italiener bislang nicht die Sicht verdarb. Die armen Engländer hingegen waren offenbar fast geschlossen unter den Kurzhaarschneider gekommen, wenn nicht gleich den Terriertrimmer. Nur Rooney fiel durch Echthaarergänzung auf. Was die gestresste Mimik naturgemäß noch hervorhob. Im Ganzen zieht sich dieser Kadettenlook allerdings durch alle Altersklassen und Mannschaften, mal der Mode zuliebe, mal mangels Masse, was einen wie den Spanier Andrés Iniesta - Obacht! - womöglich nur noch stromlinienförmiger macht.
Jedenfalls wird es am Donnerstagabend lustig: auf der Seite der Azzurri der Wildeste von allen, Mario Balotelli, der blondierte Irokese, gegen den tadellosen Fassonschnitt unseres wohlgescheitelten Manuel Neuer und gegenüber Gomez, unser pomadisierter Super-Mario, eben gegen den Rundschnitt mit den Haarspangen. Diese würde unser großer Trainer mit der Ponymähne aus dem südlichen Baden garantiert „Klämmerle“ nennen. Alles besser als Klammern.