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Funny van Dannen in Hannover Kein Fisch kann umsonst gestorben sein

Diskretion ist diesem Künstler die zweite Natur: Der Liedermacher Funny van Dannen begeistert bei seinem Konzert in Hannover mit Einsicht, wie man sie sich vom Bundespräsidenten wünscht.

© Daniel Pilar Vergrößern Funktionale Kommunikation versus genussreiches Leben im Live-Act

Die Folgekosten der Geilheit sind eines der großen Themen des singenden Dichters Funny van Dannen. Trotzdem kommt in dem Lied über die Ergo-Versicherungsgruppe, das die neue Platte „Fischsuppe“ eröffnet und auch im Konzert im Pavillon in Hannover fast ganz am Anfang steht, die Affäre, die dem Konzern fatale Publicity eintrug, nur als Anspielung vor, die in ein paar Jahren unverständlich werden dürfte. Die Idee, sich um eine Stelle dort zu bewerben, behauptet der Sänger, sei ihm gekommen, als er Ergo-Leute im Fernsehen gesehen und erkannt habe: Die sind „genauso fertig wie du“. Kräftiges Lachen im Saal, wie noch einmal bei der Ankündigung des Ergo-Manns in spe, er müsse sich eine Krawatte besorgen: „Die nehmen nicht jeden.“

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Dass eine Firma, die Prostituierte an verdiente Mitarbeiter verteilt, sich unverdrossen um ein seriöses Image bemüht, ist ein Stoff wie von Funny van Dannen erfunden: eine Riesenpeinlichkeit, die sich beim besten Willen nicht entsorgen lässt, ein prähistorischer Elefant im Raum der bürgerlichen Gesittung. Aber Funny van Dannen malt den Skandal nicht aus. Diskretion ist diesem Künstler zweite Natur. Unternehmen seien auch Menschen, predigt der ehemalige Mormonenbischof Romney, der an die Perfektionierbarkeit der Schöpfung glaubt. Funny van Dannen sieht die Welt hingegen von Unvollkommenheiten bevölkert, und das universale Mitleid, das er den Tieren, den Pflanzen und den unbelebten Dingen zuwendet, wird sogar den kläglichen Kreaturen zuteil, die im Dax verzeichnet sind.

Er dichtet über Gruppendynamik

Häme spart er sich, denn schon der Name der Ergo-Versicherungsgruppe gibt genug her für ein tiefdringend komisches Lied. Dass Versicherungen in Gruppen auftreten, ist eine lustige Vorstellung. Wächst dadurch etwa die Sicherheit? Vielleicht schon, man frage Chorsänger und Wandervögel. Was hat Funny von Dannen nicht schon für fabelhafte Lieder über Gruppendynamik gedichtet, über die Entfesselungseffekte des Aufeinanderhockens und den euphorisierenden Sog des Palavers!

Im neuen Programm ist wieder eins dabei, eine Carpe-Diem-Variation. Abstrakta plaudern drauflos, Dinge und Undinge räsonieren um die Wette. Alle Sprecher bleiben befangen in dem Horizont, den ihre Natur ihnen vorzeichnet. Die Gräben etwa rügen Oberflächlichkeiten. Aber obwohl jeder Einzelne auf der Stelle tritt, kommt das Ganze in Bewegung, so dass schließlich das Glück dazwischenrufen kann: „Fang den Pudding!“

Liebe lässt sich nicht rückversichern

Fast schon rührend ist die Plumpheit der auf die Vertragsformulare der Ergo-Versicherungsgruppe gedruckten lateinischen Devise - als müsste den von Angst und Pflichtgefühlen getriebenen Versicherungsnehmern ernsthaft weisgemacht werden, alle Risikoabwägungen summierten sich zu einem großen Also, das keinen anderen Schluss zuließe als die Unterschrift. Versichern und alles Weitere der Versicherung überlassen: Nichts steht dem Denken Funny van Dannens, das durchaus Merksprüche hervorbringt, ferner als diese Losung.

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