23.04.2012 · Friedrich Kittlers Buch „Aufschreibesysteme“ gilt heute als Klassiker der Medientheorie. 1982 aber wurde seine Wissenschaftlichkeit bezweifelt. Jetzt liegen die Habilitationsakten im „Fall Kittler“ offen.
Von Jürgen KaubeRichtlinien für Lesermeinungen
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Ich habe bei Kittler vor seiner Habilitation studiert. Es war schwierig bis unmöglich, mit F.A. Kittler eine Diskussion zu führen, da er Argumenten gewöhnlich mit einem enormen Schwall an Assoziationen aus seinen übervollen Zettelkästen zu entgegnen pflegte. Diese Art Gesang vermittelte dem Lernenden jedoch eine polyphone Erkenntnis: Dass er selbst singen muss. Es muss ja nicht alles wie ein Duett oder Chor klingen.
Für "Aufschreibsysteme" ist die Informatik zuständig, nicht die Literaturwissenschaft
Schreiben ist nicht Aufschreiben.
.
Aufschreiben ist Informationsverarbeitung und nicht Literatur, und
Aufschreibesysteme daher ein Fall für die Informatik.
Bei den Mathematikern wäre Kittler sicher mit Handkuß
habilitiert worden. (Räusper).
Archäologie der Geisteswissenschaften
Die elegant-knappe Vorteilsempfehlung am Ende des Artikels kann ich kaum
nachvollziehen. Die Geisteswissenschaften stehen längst nicht mehr
unter dem alten Stein der Weisen, den es mit abgestimmten Paradigmen
gemeinsam zu stemmen gilt.
Bologna ist angesagt: Stimmt das?, ist passé! Braucht man das,
kann ich das in einem Berufsfeld anwenden?!, ist die neue Ausrichtung.
Kittler ist ein Klassiker, heißt deshalb: längst schon
vorbei, ausgraben und wundern, analysieren, ordnen, etc. Die
Schüler muss man von der Archäologie aber trennen, sonst macht
das keinen Sinn...
Sinn!
Gutachten sind nicht verläßlich
Gutachten geben nicht unbedingt die wahre Meinung des Gutachters wider. Viele Promotionen und Habilitationen sind Ergebnisse eines Kuhhandels zwischen den Gutachtern. Die Gutachten werden dann so geschrieben, daß es paßt, weil die ja irgendwann dem Betroffenen zugänglich werden. Ein wirklich transparentes Verfahren gibt es nicht, weil man nicht für Anonymität sorgen kann. Es ist aber schon bedenklich, daß viele bahnbrechende Arbeiten erst abgelehnt oder nur schlecht beurteilt wurden.
Gauger und Schramm waren bei Trost
Das zu wissen tut auch nach Jahrzehnten noch gut.
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Überhaupt sollten alle Gutachten gleich mitveröffentlicht
werden. Dann könnte man sich den übrigen Evaluationszirkus sparen.