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Friedenspreis für Péter Esterházy „Die eigenen Leiden nicht beim Namen genannt“

10.10.2004 ·  Der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete ungarische Romancier Péter Esterházy hat in seiner launigen Dankesrede das spezifisch deutsche Verhältnis von Selbsthaß und Selbstmitleid angesprochen.

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Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche an den ungarischen Romancier Péter Esterházy verliehen worden. An der Veranstaltung nahmen Bundespräsident Horst Köhler, der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Kulturstaatsministerin Christina Weiss und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth teil. Die Laudatio hielt Michael Naumann. Petra Roth rühmte den Ernst, die Heiterkeit, die Respektlosigkeit und die Eleganz von Esterházys Werk. Die Auszeichnung ist mit fünfzehntausend Euro dotiert.

Péter Esterházy wurde vor allem für seinen Roman "Harmonia Caelestis" ausgezeichnet, der die Geschicke seiner weitverzweigten Familie über fünf Jahrhunderte darstellte, und für den Folgeroman "Verbesserte Ausgabe", der die Spitzeltätigkeit seines eigenen Vaters anhand von Dokumenten untersuchte, die dem Schriftsteller erst nach dem Abschluß seiner epischen Familiengeschichte zugänglich geworden waren. So lag es nahe, daß er in der Paulskirche auch über die "Vergangenheitsbewältigung" in den osteuropäischen Ländern und in Ungarn sprach - wo, wie er erklärte, das Wort nicht existiere und in Wörterbüchern umschrieben werde.

„Haß gegen die Deutschen ist Europas Fundament“

In seiner ironischen und launigen Dankesrede erklärte Esterhazy unter anderem: "Die eigenen Missetaten durch die deutschen Missetaten zu verdecken ist eine europäische Gewohnheit. Der Haß gegen die Deutschen ist Europas Fundament in der Nachkriegszeit." Esterházys Rede war gefüllt mit Anspielungen auf die Form der Paulskirchenrede und vergangene Dankreden, vor allem die von Susan Sontag - bei der der Botschafter der Vereinigten Staaten nicht anwesend war - und von Martin Walser. Auschwitz eigne sich nicht als "Moralkeule", hatte Walser bei der Preisverleihung 1998 bemerkt. Esterházy antwortete zur Erheiterung der Anwesenden mit einem Rezept für die Zubereitung von Lammkeulen, ging aber dann auf das spezifisch deutsche Verhältnis von Selbsthaß und Selbstmitleid ein: "Neben der Unwahrheit des Nur-Mörders steht die Unwahrheit des Nur-Opfers."

Stellungnahmen zu aktuellen militärischen Konflikten vermied der Preisträger, abgesehen von einem kurzen Bekenntnis zu Amerika, aber gegen den Irak-Krieg; abweichend vom Redemanuskript appellierte Esterházy allerdings auch gegen die "Atrozitäten", denen Ungarn in der serbischen Region Wojwodina ausgesetzt seien.

Erstmals wurde die Preisverleihung nicht in der ARD übertragen. Die Entscheidung, so hieß es, sei auf der Fernsehprogrammkonferenz am 29. September gefallen. Fritz Pleitgen, der Intendant des Westdeutschen Rundfunks und stellvertretende ARD-Vorsitzende, habe dafür plädiert, das sonntägliche Kinderprogramm mit der "Sendung mit der Maus" und den "Presseclub" vor Programmänderungen zu schützen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2004, Nr. 237 / Seite 1
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