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Freundschaft mit einem Präsidenten : Was Barack mir so schreibt

  • -Aktualisiert am

Erwartungsvoller Freund: Barack Obama Bild: AFP

Der amerikanische Präsident ist eine treue Seele. Wer einmal auf seiner E-Mail-Liste ist, erhält laufend Post. Doch wieso fragt Obama immer nach Geld?

          Vor zwei Tagen meldete sich wieder einmal Barack Obama bei mir und hinterließ eine Nachricht in meiner Mailbox. Anders als der deutsche Präsident rief der amerikanische nicht plötzlich an, und es ging ihm auch nicht um irgendeinen Artikel über sein Weißes Haus, der nicht gedruckt werden sollte. Er schrieb mir einfach eine E-Mail und fragte, ob ich seiner Frau zum Geburtstag gratulieren möchte.

          Ich bin Barack Obama zum ersten Mal begegnet, als er vor vier Jahren in Berlin vor der Siegessäule sprach. Damals war er nur Kandidat, und obwohl keiner der zweihunderttausend Menschen, die mit mir auf ihn warteten, ihn zum Präsidenten wählen konnte, denn wir waren ja keine Amerikaner, fühlten wir uns alle doch sehr angesprochen. Ich sehe mich noch rechts neben dieser Bühne stehen, ein Hubschrauber kreiste in der Luft, ein leichter Wind kam auf, als Barack Obama auf einmal wie aus dem Nichts erschien. Er ging ein paar Schritte auf das Pult zu, groß, schlank, alterslos, und dann hielt er keine Rede sondern erzählte eine Geschichte. Sie handelte davon, dass wir alle verschieden seien und das auch bleiben sollten, aber dass es Dinge gebe, die uns alle angingen und die wir nur gemeinsam lösen könnten. „This is our moment“, sagte er, und wir riefen „Yes, we can.“

          Später schrieb ich einen kleinen Text darüber, dass wir alle nach der Rede das Gefühl gehabt hätten, über Wasser gehen zu können, und dass einige von uns gleich in der Spree damit anfangen wollten. Es sollte ironisch gemeint sein, aber als ich es jetzt noch einmal las, klang es überhaupt nicht danach.

          Eine schmeichelhafte Bitte

          Ich habe nie herausgefunden, ob es an diesem Text lag, dass ich wenige Tage später eine „special invitation“ in ein Camp bekam, in dem ich zwei Tage lang für den kommenden Wahlkampf trainiert werden sollte. Leute wie ich, hieß es, hätten die Kampagne erst so weit gebracht. Nun sollte ich Taktiken lernen, um weitere Freiwillige zu finden, die dann mit mir zusammen in den umkämpften Staaten eingesetzt würden. Abgesehen davon, dass ich zu dieser Zeit beruflich stark eingespannt war und allein des Jetlags wegen eine zweitägige Reise nach Amerika sinnlos fand, hielt ich das Ganze für ein Versehen. Ich hatte dem Team von Barack Obama meine E-Mail-Adresse lediglich angegeben, um mich für die Rede zu akkreditieren, und nicht damit gerechnet, noch einmal von ihm zu hören. Also beantwortete ich die Einladung nicht und dachte, damit habe sich die Sache erledigt.

          Umso überraschter war ich, als sich wenig später Barack Obama persönlich bei mir meldete und mich einigermaßen unumwunden um eine Spende bat. Der Wahlkampf sei in die entscheidende und leider auch schmutzige Phase eingetreten, schrieb er, gerade habe ihn John McCain, sein republikanischer Widersacher, mit Paris Hilton und Britney Spears verglichen, und ich sollte den Republikanern mit meiner Spende beweisen, dass es einen Preis habe, solche Gerüchte in die Welt zu setzen.

          Es war die erste Mail, in der mich Barack Obama offen um Geld anhaute, und selbst wenn ich inzwischen weiß, dass andere Präsidenten sich fünfhunderttausend Euro geben lassen, fragte ich mich doch, wie es um seine Kampagne bestellt sein musste, wenn es dabei auf meine fünf Dollar ankam. Aber das sagte ich ihm nicht, denn natürlich war ich geschmeichelt.

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