Rote Geranien in leuchthellorangefarbenen Töpfen säumen den lindgrünen Teppich vor dem denkmalgeschützten Säulenportal des Londoner Goethe-Instituts. Sie dienen als Vorboten der aufeinanderprallenden Farben im Treppenhaus, die Teil einer Installation sind, mit der das Institut zugleich sein fünfzigjähriges Bestehen und die Wiedereröffnung des Hauses nach einjähriger Renovierung feiert.
„I Can’t Stop the Dancing Chicken“ nennt die Künstlerin Gloria Zein dieses Auftragswerk. Die Wandmalerei sei von Goethe und anderen Farbtheoretikern inspiriert und setze sich wie die durch das ganze Haus, einschließlich der als moderner Lesesalon umgestalteten Bibliothek, gestreuten skulpturalen Fragmente mit Selbstbild, Identität und der Funktion des Hauses auseinander.
Harter Kampf in Großbritannien
Trotz der Erklärung erschließen sich Sinn und Inhalt dieser Symbolik nicht. Vielmehr ist das Projekt als das jüngste in einer Reihe von Versuchen zu sehen, das Goethe-Institut als Mittler von deutscher Sprache und Kultur in Britannien zu positionieren. Zu den selbsterklärten Zielen des Londoner Instituts zählen die Aktualisierung des Deutschland-Bildes, die Darbietung zeitgenössischer deutscher Kultur und die Verankerung der deutschen Sprache und Kultur im britischen Bildungssystem.
Ein harter Kampf in einem Land, in dem Fremdsprachen seit 2004 nach dem vierzehnten Lebensjahr kein Pflichtfach mehr sind - mit dem Ergebnis, dass der Deutschunterricht, wie auch Französisch und Spanisch, dramatisch zurückgegangen ist und weiter abnimmt.
„Pessimismus, wenn nicht gar Fatalismus“
Im letzten Jahr haben knapp 61.000 Kinder ein GCSE - dem der mittleren Reife entsprechenden Abschluss - in Deutsch belegt, mehr als fünfzig Prozent weniger als vor zehn Jahren, und klägliche 5166 Schüler haben Deutsch als Abiturfach absolviert. Das Londoner Goethe-Institut stellte bei Deutschlehrern unlängst einen „eindeutigen Pessimismus, wenn nicht gar Fatalismus“ über diesen Zustand fest.
Das Goethe-Institut setzt derweil seine Feiern am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür fort. Es lockt mit der Rockband Silbermond, mit Musik des Gitarristen der ehemaligen Post-Punkband The Rakes und Schlagzeugworkshops: Rockmusik, poppige Farben und kuschelige Leseecken als Antwort auf den Rückwärtstrend des Deutschunterrichts?
Verarmung
Günter Herrmann (gludwig)
- 19.05.2012, 16:28 Uhr
Vergebliche Liebesmüh?
Helmut Heckner (hecknerh)
- 19.05.2012, 08:18 Uhr