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Freizeitgefühle im Büro Sie wollen vor allem Spaß

 ·  Schluss mit lustig: Firmen investieren viel Geld, um Büros in Wohlfühloasen zu verwandeln. Dabei wird eine Kindergartenwelt kultiviert und vom Wesentlichen abgelenkt.

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© ullstein bild Vergrößern Sonderlich entspannt sieht das Ganze eher nicht aus: ein Swimmingpool, wie Google ihn sich vorstellt

Neulich stieß ich auf ein Foto, das eine Frau beim Rutschen zeigte, wobei die Rutsche nicht, wie man annehmen könnte, auf einem Spielplatz stand, sondern in der Züricher Google-Filiale, wo sie die Mitarbeiter dazu einlädt, vom ersten Stock direkt in die Kantine zu rutschen, wohin man sicherlich gerne rutscht, weil das Essen wohl weniger nach Kantine und mehr nach Restaurant schmeckt, schließlich soll sich jeder, der bei Google arbeitet, rundum wohl fühlen, wofür das Unternehmen bekanntermaßen einen erstaunlichen Erfindungsreichtum an den Tag legt.

Das trifft freilich nicht nur auf Google zu, wo ja viele Firmen mittlerweile ganze Horden von Inneneinrichtern damit beauftragen, für das ideale Büroklima zu sorgen. So wird eine Kindergartenwelt kultiviert, in der die Härten des Arbeitstalltags in die Geschenkpackung der Freizeitgesellschaft gehüllt werden.

Mein Büro hat mit alldem nichts zu tun. An der Wand hängen ein paar Bilder, im Regal stehen Bücher, und auf der Fläche neben meinem Computer stapelt sich alles mögliche. Wenn ich es verlasse, um mir einen Kaffee aus der Küche zu holen, komme ich weder an Ruhezonen mit flauschigen Sitzsäcken vorbei noch an Billardtischen, Spielecken oder Massageliegen, neben denen sanft aussehende Frauen stehen und darauf warten, mich in einen Flow-Zustand zu versetzen. Es ist mir auch nicht bekannt, dass auf irgendeinem Stockwerk die Möglichkeit bestünde, sich einer kurzen Lichttherapie zu unterziehen. Genaugenommen ist hier alles sehr praktisch und funktional. Und das ist gut so.

Der Arbeitsplatz ist keine Spaßmaschine, und es wird Zeit, sich diese Tatsache einmal wieder klarzumachen. Dass die Angebotspalette diverser Vergnügungen automatisch die Kreativität steigert und für ein lockeres Miteinander sorgt, leuchtet mir nicht ein. Im Gegensatz zu einem Fließbandarbeiter sollte, wer kreativ tätig ist, eigentlich kein zusätzliches Bespaßungsprogramm benötigen. Außerdem tun sich im schlimmsten Fall nur neue Konfliktfelder auf, beispielsweise beim Tischfußball oder Tischtennis (Verletzungsgefahr). Wie jeder weiß, gibt es gute und eben schlechte Verlierer.

Oder nehmen wir den Ruheraum: Womöglich schläft dort der eine oder andere ein, und wer möchte seine Kollegen schon bei einer intimen Sache wie dem Schlafen zusehen - die peinliche Berührtheit stellt sich ganz unabhängig davon ein, wie gut man einander versteht. Auch die aufgezwungene Verbrüderung, die für viel Geld von Eventagenturen eingefädelt wird und mittlerweile ein gigantisches Geschäftsfeld darstellt - etwa Angeln in irgendwelchen Gewässern, Paintball, Radtouren im Schwarzwald, Kurse im Panzerfahren, Klettern oder Kochen - ist in Wahrheit ja eine Zumutung.

Wie früher bei Klassenfahrten wird man sich an die Menschen halten, die man mag, und die, die man nicht mag, eben meiden. Schwer vorstellbar, dass durch den Ausgelassenheitszwang neue kleine Think Tanks entstehen. Stattdessen passiert vielleicht sogar das Gegenteil: Man könnte auf die Idee kommen, die Aktivität (Paintball) für eine persönliche Abrechnung zu missbrauchen. Der Gedanke liegt auf der Hand, er ist nur so hässlich, dass niemand wagt, ihn auszusprechen.

Beim Betrachten der Porträtserie „Bureaucratics“ des niederländischen Fotografen Jan Banning käme man nicht auf solche Gedanken. Banning fotografierte Beamte in ihren Büros, in Indien etwa, in Liberia, China, Russland oder Bolivien. Es sind beeindruckende Dokumente, die mehr als das persönliche Arbeitsumfeld zeigen, da sie stets auch etwas über das jeweilige Land verraten. Was alle Büros eint, ist, dass es sich um Orte handelt, die eine klare Trennung zum Außen aufweisen. Sie gaukeln einem nicht vor, etwas zu sein, was sie gar nicht sind.

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