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Freiburger Deklaration : Islam anders

Schwimmunterricht mit Ganzkörper-Badeanzug in Freiburg Bild: dpa

Die Freiburger Deklaration setzt sich für ein liberales Islamverständnis und gegen die gezielte Desintegration ein. Der Gegenwind war absehbar.

          Sie träumen von einer neuen Aufklärung, aus der eine muslimische Gemeinschaft wachsen könnte, die sich entschieden als Teil der europäischen Gesellschaft sieht, die deren Freiheitswerte schätzt und verteidigt, genauso wie die Gleichberechtigung und das Recht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Glaube wird von ihnen als eine persönliche Angelegenheit gesehen; es müsse zudem möglich sein, religiöse Dogmen skeptisch zu hinterfragen und moderne, historisch-kritische Lesarten des Korans zu entwickeln. Islamkritik dürfe nicht länger als Islamophobie denunziert, stattdessen müsse innerislamische Kritik gestärkt werden, um Muslime in die Lage zu versetzen, sich von desintegrierenden religiösen Vorschriften zu befreien.

          Das sind Auszüge aus der „Freiburger Deklaration“, die seit wenigen Tagen auch im Netz steht. Es ist zwar nicht der erste Aufruf liberaler Muslime, die ein anderes Islamverständnis verbindet als das der orthodoxen und fundamentalistischen Moscheeverbände, mit denen der Staat so gern und nahezu ausschließlich redet. Doch ist dieser Aufruf besonders, weil er gemeinsam von Progressiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz getragen wird, ausbaufähig also auch in Nachbarländern mit großen muslimischen Gemeinschaften. Ihn haben Islamwissenschaftler, Theologen, Lehrer, Soziologen, Ärzte und Psychologen unterzeichnet, Menschenrechtler und Vertreter von inklusiven, nicht mehr nach Geschlechtern getrennten Moscheen, um nur einige zu nennen. Sie sind sich einig darin, dass Polygamie, eine gewalttätige Erziehung und die Verheiratung Minderjähriger abzulehnen sind, genauso wie eine Religionspädagogik, die Kindern Angst vor Gott macht. Darum unterstützen sie muslimische Projekte und Gruppen, die Gewaltverherrlichung und Geschlechtertrennung den Kampf angesagt haben.

          Um die einseitigen und bisher wenig erfolgreichen Verhandlungen des Staates mit den immer gleichen Verbänden zu überwinden, schlagen die Unterzeichner vor, einen Rat zu bilden, in dem neben den Konservativen auch Vertreter eines reformierten, liberalen Islams sitzen. Was sich so vernünftig wie hoffnungsvoll anhört, hat natürlich sogleich Widerstand provoziert. Besonders schrill tönt der „Liberal-Islamische Bund“. Seine prominenteste Vertreterin, die Lehrerin Lamya Kaddor, hat gerade eine uneingelöste „Bringschuld“ der deutschen Gesellschaft gegenüber ihren Einwanderern ausgemacht. Ihr Verein betont darum, er habe ein ganz anderes Verständnis von Liberalität. Die Freiburger Deklaration werde nicht unterzeichnet, denn sie schließe sich auch „marginalisierenden Diskursen der Mehrheitsgesellschaft unreflektiert“ an. Lamya Kaddors Liberale fürchten um ihr bewährtes Geschäftsmodell der vormundschaftlichen Opferstilisierung.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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