22.06.2009 · Auf dem Augustinerplatz in Freiburg steht neuerdings ein drei Meter hoher, siebzehntausend Euro teurer Obelisk, der ab 23 Uhr sanft rötlich gefärbt zur Ruhe mahnt. Schon in der ersten Nacht feierten johlende Jugendliche die neue Partybeleuchtung.
Von Martin HalterWenn Sonntagsredner den Rechtsstaat als Säule der Toleranz preisen, leuchtet das unmittelbar ein. Ohne Pfeiler und Säulen stürzt das schönste Tempelfries in sich zusammen. Und so hat jetzt auch Freiburg eine „Säule der Toleranz“. Sie steht auf dem Augustinerplatz, in lauen Sommernächten zum Leidwesen der Anwohner ein Brennpunkt jenes „mediterranen Flairs“, auf das die Stadt sonst so stolz ist, und heißt so, weil sie Ruhestörer und Kampftrinker nicht mit Verboten und Polizeiknüppeln, sondern durch einen stillen Wink zur Ruhe anhält.
Gegen 23 Uhr nämlich verfärbt sich der drei Meter hohe, siebzehntausend Euro teure Obelisk sanft von Grün in Rot: ein „optischer Zapfenstreich“ (Badische Zeitung), der auch die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat widerspiegelt. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Beruhigung des Platzes erfüllte sich damit freilich nicht. Bei der Einweihung kam es zu Exzessen der Intoleranz: Bierflaschen zerschellten auf dem Kopfsteinpflaster; ein Betrunkener zerrte den Sozialbürgermeister an der Krawatte und ging mit bloßen Fäusten auf die Säule los.
Bildersturm schon in der ersten Nacht
Johlende Jugendliche feierten die prima Partybeleuchtung und warfen sich in Gebets- oder auch Polizeigewahrsamshaltung vor dem Götzen des städtischen Konzepts „Toleranz und Kommunikation“ zu Boden. Gegen Mitternacht versuchte der harte revolutionäre Kern, die Spaßbremse abzufackeln und mit Seilen zu Fall zu bringen. Das Mahnmal der Freiburger Toleranz hielt dem Bildersturm stand, aber es ist schon nach der ersten Nacht nur noch ein trauriger Schandpfahl. Der Eckpfosten jener präventiven „Gute-Nacht-sage-Kultur“, die CDU-Gemeinderäte schon vor Jahren für den Augustinerplatz forderten, wackelt bedenklich.
In England, wo die Gute-Nacht-sage-Kultur traditionell weniger mediterranes Flair hat, werden herumlungernde Jugendliche mit der akustischen Teenagerfalle „Mosquito“ und neuerdings auch mit einem optischen Jugendzerstreuer, der die Pickel renitenter Minderjähriger rosarot ausleuchtet, gnadenlos vergrämt. In Freiburg muss es auch bei der Heimleuchtung der Platzbesetzerszene sanft und umweltfreundlich zugehen, und da ist es gut zu wissen, dass die Säule nicht mehr Energie als eine Straßenlaterne verbraucht. Vielleicht sollten die Freiburger sie zur solarbetriebenen Pickelleuchte aufrüsten oder, ökologisch noch besser, zur Kerze abrüsten. Man hätte mit einem Schlag einen Platz des Himmlischen Friedens.
So einfach ist es nicht mit Freiburg:
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 22.06.2009, 20:58 Uhr
Toleranz für Alkis allzumal
Hans Meier (HansMeier555)
- 24.06.2009, 00:09 Uhr