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Frédéric Mitterrand Klingel zum Hof

 ·  Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand, Neffe des ehemaligen Präsidenten François Mitterrand, ist der Dandy und Darling im Kabinett. Der Boulevard feiert seine Stilsicherheit, die Linke verspottet ihn als Zeremonienmeister am Hofe von Sarkozy.

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Wenn der Minister klingelt, möchte er etwas trinken oder essen. Oder beides ein bisschen schneller. Sein Amtssitz ist das Palais Royal. Im „Ehrenhof“ erheben sich die Säulen von Daniel Buren. Sie stammen aus der Zeit von Jack Lang und François Mitterrand und lösten im konservativen Bürgertum einst einen Sturm gegen die Verschandelung höfischer Architektur aus. Im Rückblick erscheint die Entrüstung als letzter Kulturskandal der Gattung „Querelle des anciens et des modernes“. Zwanzig Jahre danach sind die Säulen selbst restaurationsbedürftig. Der neue Herr des Hauses will sie erhalten. Es ist der Neffe des verstorbenen Präsidenten.

Im Frühsommer wurde Frédéric Mitterrand zum Kulturminister ernannt. Es war Sarkozys beste Personalentscheidung. Getestet hatte er ihn als Leiter des französischen Kulturinstituts in Rom, der Villa Medici. Mitterrand überzeugte mit guten Manieren. Genauso stilvoll wie in Rom empfängt er seine Gäste in Paris. Unter dem Esstisch im Ministerium ließ er eine Klingel installieren. So kann er dem Personal klarmachen, wenn es zu lange dauert. Oder der Kaffee fällig ist. Das berichtet „Paris-Match“.

Dandy und Darling

Auch in anderen Illustrierten ist Mitterrand, der im Fernsehen die Hochzeiten und Begräbnisse an europäischen Königshäusern kommentiert hat, permanent präsent. Er hat die Bourgeoisie, die unter seinem Onkel ihre Enteignung und den Kommunismus fürchtete, mit der Kultur und Burens Kunst versöhnt. Als Überläufer entzückt er die bürgerlichen Politiker am rechten Seineufer. Selbst die allzu jungen marokkanischen Strichjungen, mit denen er in seiner Autobiographie kokettiert, werden ihm nicht übelgenommen. Mitterrand ist der Darling im Kabinett. Er sei beliebter schon, als Jack Lang es je war, schreiben die Magazine. Die gespaltene Linke verspottet den abtrünnigen Neffen ihrer letzten Vaterfigur als Zeremonienmeister am Hofe von Sarkozy.

Der leicht dekadente Dandy spielt seine Rolle des Kulturministers ohne ideologische Präferenzen mit spürbarer Lust und erstaunlicher Selbstsicherheit. Auf einem Titelbild raucht er sogar Zigarre! „Um nicht aufstehen zu müssen, wenn Gäste da sind“, denn das wäre unhöflich, rechtfertigt er die Klingel. Auch unter seinem Schreibtisch wollte der Nachfolger von Malraux einen Druckknopf anbringen lassen. Dagegen allerdings rebellierten die Beamten und Bediensteten im Ministerium. „Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter“, begründeten sie ihre Streikdrohung. Aber ein bisschen Monarchie darf schon noch sein.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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