http://www.faz.net/-gqz-8l7do

Frauenzeitschriften : Es kann nicht genug Problemzonen geben

Was für ein Bikinityp sind Sie, und in welche Richtung feilen Sie ihre Fingernägel? Probleme, die in der Welt der Frauenzeitschriften anscheinend ziemlich dringlich sind. Bild: dpa

Was wollen Frauen? Der Zeitschriftenmarkt gibt darauf eine klare Antwort: Karriere, den besten Sex und lustige bunte Bommeln.

          Ein paar Teile verziertes Porzellan, Klebknete und Porzellanmalstift – schon ist sie fertig, die hübsche neue Etagère. Da kann man dann etwas hineinlegen. Die Zeitschrift „Freundin“ empfiehlt zum Beispiel Schmuck, was sonst. Beim Versuch, das aktuelle Frauenbild über sechs willkürlich ausgewählte Frauenzeitschriften zu erkennen, ergibt sich ein interessanter Befund: Die Dame von Welt ist heute zugleich Bastelfee, Supermodel, Sexgöttin, Karrierefrau und Kuratorin ihrer persönlichen Umgebung. Sie ist blitzgescheit und gerät über kleine rosa Glitzerdinger aller Art aus dem Häuschen. Man kann den Frauenzeitschriften also zumindest nicht vorwerfen, ihrer Zielgruppe zu wenige Facetten zuzuschreiben.

          Deshalb bäckt Deutschlands älteste Frauenzeitschrift „Freundin“, die 1948 auf den Markt kam, auch erst einmal lustige Bauernhofkekse, ehe wenige Seiten später Business-Mode angepriesen wird. Die „Jolie“ dagegen schlägt kleine bunte „DIY-Pompons“ zum Selbermachen vor, die anschließend an Kettchen, Schuhen und Taschen hängen sollen, auf dass Frauen aussehen mögen wie Fünfjährige oder Pennywise, der Clown. Aber wer Frauenzeitschriften auf die Basteltipps reduziert, tut ihnen Unrecht. Schließlich trauen sie uns auch zu, dass wir uns für das Schicksal der Jesidin Nadia Murad interessieren. Um ganz sicher zu gehen, stellt „Grazia“ neben ihr kleines Foto ein sechsmal so großes Bild ihrer Anwältin: Amal Clooney.

          Einen Körper ohne Problem gibt es nicht

          Die „Myself“ haut der Leserin ohne solchen Puderzucker drei erfolgreiche Wissenschaftlerinnen um die Ohren, eine Ökonomin, eine Mathematikerin in der Krebsforschung und eine Nanowissenschaftlerin. Nichts daran ist rosa oder glitzert. Die „Myself“ verteidigt ihren Ruf als Frauenmagazin mit Sinn und Verstand in der Septemberausgabe an allen Fronten: Auf vier Seiten stellt sie die Schriftstellerfamilie von Schirach vor, eine Immunologin wird zur Sexualität in der arabischen Welt befragt, und dann geht es um sieben Firmengründerinnen und ihre Geschäftsideen. Da wirkt die „Freundin“ mit ihrer Berichterstattung über sechs sozial engagierte Frauen schon deutlich behäbiger. Sogar die „Cosmopolitan“ gibt seitenweise Karrieretipps.

          Die eine mit den Kindern zu Hause, die andere mit dem Rollkoffer unterwegs: Wie kann man eine dermaßen heterogene Leserschaft ansprechen?
          Die eine mit den Kindern zu Hause, die andere mit dem Rollkoffer unterwegs: Wie kann man eine dermaßen heterogene Leserschaft ansprechen? : Bild: Frank Röth

          Alles kein Grund, den Intellekt einer Frau für entscheidend zu halten. Viel wichtiger ist Resilienz. Das liegt an Beiträgen wie der Bikini-Beratung in der „Brigitte“. „Welche Form ist die beste für welche Proportion? Wir haben vorsortiert.“ Vier Figurtypen werden benannt, die offenbar alle irgendwie kaschiert und optimiert werden müssen: hier wenig Busen und kaum Taille, da kräftige Oberschenkel, dort ein Bauchansatz, da schmale Hüften. Bikinis für einen nicht als Problem empfundenen Körperbau sucht man vergebens, sodass man sich einer Mängelliste zuordnen muss, nach dem Motto: Eine Frau ohne Komplexe hat nur noch nicht genau genug hingeschaut.

          Neue Disziplinen im Bettsport

          Zum Glück liefert die „Jolie“ praktische Lösungsvorschläge: Wir sollen uns die perfekte Figur für den Strand einfach mit Selbstbräuner aufsprühen. „Schmale Taille, schlanke Beine, sexy Dekolleté“ lassen sich so angeblich erlangen, aber der faszinierendste Tipp ist der für einen straffen Po: „Folgen Sie der Pobackenform mit einer dunklen Nuance. Das pusht Ihren Po zum Knack-Exemplar.“ Wahrscheinlicher ist, dass am Ende verliebte Streifenhörnchen der vermeintlichen Artgenossin zum Strand folgen. Kein einziger der zahlreichen Artikel über Selbstbräuner kommt ohne den Tipp aus, vorher ein Peeling zu machen. Dann ist das angeblich kein Problem. (Spoiler: Alles Lüge.) Diese Empfehlung dürfte in den letzten zehn Jahren etwa so oft abgedruckt worden sein wie der absolute Frauenzeitschriftsklassiker: Nägel nicht mit der Nagelschere schneiden, sondern feilen, und zwar immer von außen nach innen! Das käut die „Cosmopolitan“ aktuell wieder und zitiert sogar eine Fußpflegerin, das verleiht der Sache natürlich eine ganz neue Dringlichkeit.

          Weitere Themen

          Der Dax wird weiblicher

          Frauen im Vorstand : Der Dax wird weiblicher

          Der öffentliche Druck zeigt Wirkung: Der Anteil der Frauen in den Vorstandsgremien ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, zeigt eine neue Erhebung. Und was ist mit den Gehältern?

          Emma Stone im Tennis-Geschlechterkampf Video-Seite öffnen

          „Battle of Sexes“ : Emma Stone im Tennis-Geschlechterkampf

          Anfang der 1970er Jahre macht Billie Jean King im Damentennis keine andere was vor. Doch der Tennisstar will mehr: gleiches Geld für Frauen wie Männer in ihrem Sport. Bobby Riggs, Ex-Champion der Männer und Parade-Macho, bietet King ein ganz besonderes Spiel an.

          Als erste Frau am Ruder Video-Seite öffnen

          Videoserie „Frankfurt & ich“ : Als erste Frau am Ruder

          Marie Nauheimer ist in fünfter Generation am Ruder der Primus-Linie, sie lenkt das Frankfurter Schifffahrtsunternehmen gemeinsam mit ihrem Vater Anton. Wir haben sie für die Serie „Frankfurt & ich“ mit der Kamera begleitet.

          Topmeldungen

          Berthold Albrechts Witwe Babette kämpft im Rechtsstreit bei Aldi Nord um ihren Einfluss (Bild aus dem Jahr 2015)

          Gerichtsverfahren : Machtkampf bei Aldi Nord geht weiter

          Vor Gericht streiten die Firmenerben von Aldi Nord weiter um ihren Einfluss auf die Führung des Discounters. Wie steht es um die Entscheidung im Machtkampf der Nachfahren von Theo Albrecht?

          Schwierige Regierungsbildung : Die Verantwortung der SPD

          Die Sozialdemokraten stehen vor einem entscheidenden Wendepunkt. Solange Jamaika möglich war, sprach nichts gegen konsequente Opposition. Doch jetzt sieht die Lage anders aus. Ein Kommentar.

          Kampf um CSU-Spitze : Seehofer und der verdrehte Kalender

          Einigen in der CSU reißt langsam der Geduldsfaden. Doch Vorsitzender und Ministerpräsident Horst Seehofer bestimmt immer noch selbst, wann was entschieden wird. Ein Beraterkreis soll helfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.