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Französische Homoehe Heilige Familie

Das französische Modell zur Homo-Ehe verschreckt das konservative Bürgertum. Manchmal mündet es aber auch in ein überraschendes Bekenntnis zur Familie.

Mit Schlaf- und Hormonkuren sollte er von seiner Homosexualität geheilt werden. Der frühere Kulturminister Jean-Jacques Aillagon hat aus Anlass der französischen Debatten und Demonstrationen für und gegen die „Ehe für alle“ ein erschütterndes Bild seiner Jugend gezeichnet. In seiner Verzweiflung versuchte er es mit einer Scheinehe, der zwei Kinder entsprangen. Seiner Frau ist er noch immer dankbar, dass sie den Mut zur Trennung aufbrachte - beide Familien reagierten mit Entsetzen. Noch in den siebziger Jahren verschrieb ihm ein Arzt Medikamente gegen seine „Krankheit“. Weil er sich so schmerzhaft an diese Epoche erinnert und den Fortschritt seither zu ermessen vermag, hat Aillagon ein gewisses Verständnis für die heftigen Reaktionen gegen die „Ehe für alle“, über die von Montag an im Parlament beraten wird.

Sie ist ein Wahlversprechen der Linken, und die bürgerliche Rechte - der Aillagon angehört - bedauert inzwischen, dass sie mit der rechtlichen Gleichstellung auf halbem Wege stehenblieb. Denn im Zug ihrer berechtigten Einforderung werden neue Vorstellungen und Rechte formuliert, die Frankreichs Gesellschaft erschüttern: Es geht um Adoption und künstliche Fortpflanzung. Die Diskussion ist zum nationalen Psychodrama geworden. „Pädophilie“ befürchtet ein Erzbischof, und „Inzest“, der in Frankreich im Gegensatz zur Zoophilie nicht verboten ist: Das Land beherbergt viele Geschwisterpaare aus Irland. Umgekehrt existieren Kinder von französischen Eltern, die im Ausland eine Leihmutter bezahlt haben, für die Verwaltung schlicht nicht: Sie sind Papierlose. Der als Studentenführer bekannt gewordene Bruno Julliard will weder eine Frau im Ausland engagieren noch zu Hause eine Adoptionsbehörde anlügen. Aber ein Kind. „Ich werde ein ebenso guter Vater sein wie ein Heterosexueller.“ Mit einem zweiten Vater als Partner der Lebensgemeinschaft oder allein.

Die Entwicklung der Gay-Bewegung, die in den militanten Anfängen ihrer Emanzipation die bürgerlichen Normen und Institutionen bekämpfte, mündet in ein überraschendes Bekenntnis zur Familie als Modell mit Zukunft. Wer den Veränderungen gleichwohl nicht so vorbehaltlos zu folgen vermag und den Bedarf an radikalen Reformen eher in anderen Bereichen ausmacht, muss sich vom noch eine Generation älteren Philosophen Michel Serres trösten lassen: Schon Joseph und Maria begründeten ihre Patchwork-Familie mit einer eher unkonventionellen Methode der Fortpflanzung.

Quelle: F.A.Z.

 
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