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„Mohren-Apotheken“ : Der Name ist die Pointe

Wegen des Namens im Visier der Kommunalen Ausländervertretung: Mohren-Apotheke in Frankfurt Bild: dpa

Der Frankfurter Ausländerbeirat fordert, zwei Apotheken sollten ihren Namen ändern. Der Begriff „Mohr“ habe einen rassistischen Hintergrund. Wo ist der Zusammenhang? Ein Kommentar.

          Der Frankfurter Ausländerbeirat hat gerade darauf hingewiesen, dass der Begriff „Mohr“ einen rassistischen Hintergrund habe. Deshalb solle die Stadt auf die Umbenennung zweier Apotheken hinwirken, die „Mohren“ im Namen tragen. Hinwirken heißt: Druck ausüben. Der Begriff sei nicht mehr zeitgemäß. Außerdem sei ein Logo, so die Antragstellerin, auf dem „Schwarze aus der Kolonialzeit“ dargestellt würden, „mit dicken Lippen und dicken Ohrringen“ nicht normal. Denn Afrikanerinnen liefen nicht so herum. Das Logo fand sich auf der Website einer Apotheke, es ist inzwischen entfernt. Der Anlass und die Argumente aber sind lehrreich.

          Einerseits wird nämlich gesagt, heutige Afrikaner wollten nicht so bezeichnet werden. Dass die Apotheker mitteilen, sie hätten bislang noch keine Beschwerden erhalten, ficht ihre Kritiker dabei nicht an. Andererseits beziehen sie sich auf historische Bilder, die mithin gar nicht beabsichtigen, heutige Afrikaner darzustellen, sondern eben Stereotype älterer Herkunft. Dass ein Frauenkopf mit Turban gegenwärtige rassistische Stereotype verbreite, ist angesichts der tatsächlich kursierenden Rassismen darum selbst eine Phrase. Genauso gut könnte man behaupten, ein Jaguar auf einer Kühlerhaube verbreite die Bereitschaft zu aggressivem Fahren. Die gegenwärtigen Rassismen wiederum sind nur locker mit der Kolonialzeit verbunden, sie treffen auch Leute aus Ländern, die niemals Kolonien waren. Außerdem bezieht sich der Vorwurf auf Worte, die heute gar niemand mehr verwendet. Wann wurde zuletzt jemand in einer Straßenbahn als „Mohr“ beschimpft? Wo also ist der Zusammenhang zwischen rassistischer Niedertracht, denen Mitbürger ferner Abstammung ausgesetzt sind, und Apothekennamen?

          Umgekehrt prallt die begründete Vermutung, dass die dunkle Hautfarbe seit jeher Assoziationen des Unerwünschten auf sich zog, gerade an den Apotheken ab. Denn niemand benennt sein Geschäft, noch dazu eines, das es mit der Gesundheit hat, freiwillig nach etwas Fragwürdigem. Man muss also gar nicht erst die schwarze Geliebte des Hoheliedes, einen der drei Heiligen Könige oder den heiligen Maurus bemühen, um zu einer anderen Einschätzung als der Ausländerbeirat zu kommen. Ob er wohl einschritte, wenn das Schauspiel „Othello“ gäbe? Dass die Bezeichnung „Mohr“ nicht mehr zeitgemäß ist, wie moniert wird, ist ja gerade die Pointe von Markenzeichen, die Tradition mitteilen wollen. Soll dann also der Bezug auf ferne Zeiten überhaupt aus dem öffentlichen Raum getilgt werden, weil es schlimme Zeiten waren?

          Da es gar nichts historisch Harmloses gibt, bliebe nur noch der Weg ins Unhistorische. Aber ist die Kleine Meerjungfrau in Kopenhagen wirklich geeignet, heutige Frauen zu beleidigen? Müssen Demokraten die Stimme erheben, wenn ein Restaurant „Kronenhalle“ heißt? Beleidigt das Hotel „Goldener Hecht“ Vegetarier? Wer einer Logik folgt, für die der eigentliche Sinn eines Wortes oder Bildes stets von seiner maximal niederträchtigsten Interpretation bestimmt wird, wird nicht nur auf Geschichte verzichten müssen. Er und sie werden auch in der Sprachlosigkeit landen. Gegen den Rassismus wird das nicht viel ausrichten. Am Ende werden bloß die Straßen, Häuser und Geschäfte alle „1a“ und „69b2“ heißen, sofern es sich denn bei 1 und 69 um harmlose Zahlen handelt.

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