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Fotografie Wie Joseph Beuys den Dingen lauscht

14.06.2005 ·  Die Fotografin Barbara Klemm zeigt die Stars des Kunstbetriebs nicht glamourös, sondern mit dem wachen Blick der Journalistin.

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Barbara Klemm hat kein Porträtatelier. Damit ist etwas Wichtiges gesagt; denn es bedeutet, daß niemand zu ihr kommt, um sich fotografieren zu lassen. Es ist umgekehrt: Barbara Klemm geht zu den Menschen. Sie will das Bild. Sie will es, weil sie einen Auftrag bekommen hat; meist von dieser Zeitung, für die sie fünfunddreißig Jahre lang als Redaktionsfotografin gearbeitet hat. Und sie will es, weil sie neugierig ist - vor allem auf Menschen. Ihnen gilt stets ihr Interesse, auch in ihren Reportagebildern, denen man nur deshalb nicht ansieht, daß sie oft ebenfalls Porträts sind, weil man die abgebildeten Personen nicht kennt.

Auf den Aufnahmen ihres Fotobands "Künstlerporträts" hingegen, dem drei Abbildungen dieser Beilage entnommen sind, versammelt sich die Prominenz der Kunstwelt: Menschen, die man auf Bildern schon hundert Mal gesehen hat, nicht selten glamourös inszeniert, eben als Stars des Kunstbetriebs. Barbara Klemm geht einen anderen Weg. Sie porträtiert sie mit dem wachen Blick der Journalistin. Gerade so, wie sie sonst die Feinheiten des Weltenlaufs analysiert, enthält sie sich auch hier der Regieanweisung, beobachtet Mimik und Gestik und bindet die Künstler ein in ihre Umgebung, mit der sie im Idealfall zu einer vollkommenen Komposition verschmelzen. Daß die Fotografin anwesend ist, bemerken die Abgebildeten meist gar nicht.

Joseph Beuys, so erweckt es den Eindruck, lauschte beim Einrichten seiner Installation 1982 im Gropiusbau in Berlin eher dem, was ihm seine Gerätschaften zuflüsterten, als dem leisen Schnappen des Kameraverschlusses. Es ist ein stiller und dennoch energiegeladener Moment, den Barbara Klemm hier eingefangen hat: die Ruhe vor dem Blitzschlag. Diesen Augenblick zu erkennen, ist die große Kunst der Barbara Klemm.

Quelle: FAZ, 14. Juni 2005, Kunstmarkt extra, F. L.
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