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Fotofälschung : Augen zu und durch

Fotofälscher am Werk: Franco neben Hitler Bild: AP/Efe

Am 23. Oktober 1940 kam es zum einzigen Treffen zwischen Hitler und Franco. Nun stellt sich heraus: Zwei bekannte Fotos dieser Begegnung waren gefälscht - Francos Gesicht war ausgetauscht worden.

          Die spanische Nachrichtenagentur Efe hat bekanntgegeben, daß zwei ihrer am weitesten verbreiteten historischen Fotos erheblich retuschiert beziehungsweise montiert wurden. Beide zeigen das einzige Treffen von Hitler und Franco am 23. Oktober 1940 auf dem Bahnhof des Städtchens Hendaye nahe der französisch-spanischen Grenze. Beim ersten verwandelten die Retuscheure der staatlichen Nachrichtenagentur das runde, eher tumb wirkende Gesicht des Caudillo, den die Kamera mit geschlossenen Augen erwischte, entsprechend spanischer Propagandaabsicht durch einfaches Überkleben in das klar nach vorn blickende Antlitz eines echten Diktators. Die rechte Hand, deren Finger auf dem Originalfoto krampfhaft ausgestreckt scheinen, wurde durch Beschneiden dem militärisch-kontrollierten Gesamtausdruck angepaßt. Als dritte Maßnahme erhöhte Efe die Lichtwerte in der rechten Bildhälfte, so daß sich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den kleineren der beiden Diktatoren richtet.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Die Mühe ist begreiflich, denn über die Begegnung zwischen Hitler und Franco kursieren in Spanien bis heute zahlreiche Deutungen, die das politische Interesse der Deuter widerspiegeln. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus ließ Franco, der den Spanischen Bürgerkrieg unter anderem mit der militärischen Hilfe Deutschlands und Italiens gewonnen hatte, verbreiten, bei der neunstündigen Begegnung mit Hitler habe er den deutschen Forderungen eisern widerstanden und sich trotz verbaler Drohungen seines mächtigen Gegenübers nicht in den Zweiten Weltkrieg ziehen lassen. Bis heute geben Geschichtsrevisionisten die spanische Neutralität, also die Ruhepause für ein vom Bürgerkrieg geschundenes Land, als große strategische Leistung Francos aus. Sie bildete das Fundament für die internationale Rehabilitierung in den fünfziger Jahren und die nahtlose Eingliederung Spaniens ins westliche Lager.

          Ein mißglücktes Treffen

          Mehr spricht allerdings für die Schilderung, die der britische Historiker Paul Preston in seiner Franco-Biographie gegeben hat. Danach handelte es sich um ein mißglücktes Treffen zweier Staatsmänner, die jeweils für das Anliegen des Gegenübers keinerlei Interesse aufbrachten und lediglich mit den angestrebten Erfolgen nach Hause fahren wollten. Schon Admiral Canaris hatte Hitler gewarnt, statt eines Helden werde er „ein Würstchen“ antreffen. Selbst die achtminütige Verspätung, mit der Francos Zug vom nahe gelegenen San Sebastián in Hendaye einrollte, wo Hitlers Sonderzug „Erika“ wartete, wurde zum Gegenstand von Irritationen.

          Das Originalfoto: Franco marschiert mit geschlossenen Lidern

          Hitler, so Preston, wollte durch Treffen mit Laval (am 22. Oktober), Franco (23. Oktober) und Pétain (24. Oktober) sondieren, was ihn die Kollaboration der Vichy-Regierung und des franquistischen Spanien kosten werde. Militärisch durfte er von Francos Regime wenig erwarten. In keinem Fall dachte er daran, spanischen Forderungen nach nordafrikanischem Territorium nachzugeben.

          Beiderseitige Verstimmung, persönliche Antipathie und der Hang zum Monolog machten aus der Begegnung einen fruchtlosen Austausch, von dem Hitlers gemurmelter Kommentar überliefert ist: „Mit diesem Kerl ist nichts zu machen.“ Dazu paßt die zweite Bildmanipulation, die Efe jetzt eingeräumt hat: Ein soeben aufgefundenes Originalnegativ zeigt den leeren Bahnsteig von Hendaye, in den die lachenden Figuren Hitlers und Francos hineinmontiert wurden. Allerdings, so Efe spitzfindig, handele es sich nicht um eine Fälschung, da das Treffen ja wirklich stattgefunden habe.

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