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Zum Tode Yehuda Elkanas Geistesunternehmer

Aller Unmenschlichkeit der Geschichte zum Trotz bewahrte er sich eine anthropologische Perspektive auf die Wissenschaft. Zum Tod des Physikers, Wissenschaftsphilosophen und Wissenschaftshistorikers Yehuda Elkana.

© picture alliance/Sueddeutsche Vergrößern Yehuda Elkana (1934 - 2012)

Geboren 1934 im ungarischen Teil von Jugoslawien. 1944 deportiert. Den Öfen und den Todesmärschen entkommen, in einer Scheune in der Umgebung von Wien. Herangewachsen im Kibbuz. Akademisch geprägt durch die Vereinigten Staaten, von amerikanischen Lehrern wie Stephen Toulmin und Freunden wie Robert Merton und Harriet Zuckerman. Physiker, Wissenschaftsphilosoph und Wissenschaftshistoriker, mit einem anthropologischen Blick auf die Wissenschaft. Ernst Cassirer, der Autor, über den er gearbeitet hat. Immer dabei, die Welt von Grund auf zu ändern, die Ungleichheit zu bekämpfen, die Grundausbildung der Studenten von den Scheuklappen der Disziplinen zu befreien.

Unbedingter Verteidiger des originellen Forschers, des concerned scholar, der Besten, unabhängig von Disziplin, Herkunft und Stellung; das Argument zählt, nicht wer es sagt. Treuer Freund und scharfer Kritiker. Von Kindheit an begleitet von Musik und Musikern. Intellektueller Unternehmer, im Van Leer Institute in Jerusalem, am Wissenschaftskolleg in Berlin, am Feyerabend-Lehrstuhl (zusammen mit Helga Nowotny), mit dem Collegium Helveticum in Zürich. Und dann wieder in Budapest, als Präsident der Central European University mit Studenten aus allen Teilen des ehemaligen Ostblocks, einer wahrhaft kosmopolitischen Institution. Eine Existenz an allen erdenklichen Orten der Welt und voller Widersprüche. Ein Vorbild für die Existenz des Intellektuellen im einundzwanzigsten Jahrhundert? Eine jüdische Existenz des zwanzigsten Jahrhunderts?

Solche Charakterisierungen hätte Yehuda Elkana weit von sich gewiesen. In Israel gehörte er zu den schärfsten Kritikern der jüdischen Erinnerungspolitik. Er hat sich schon immer für die Sache der Palästinenser eingesetzt. Außerhalb hielt er Israel die Treue. Israel war sein Land. Das Leben in Berlin hat er genossen. Gestorben ist er am 21. September 2012, umgeben von seiner Familie, zu Hause, in Jerusalem.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.09.2012, 16:07 Uhr

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