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Wissenschaftlicher Zitatindex Lasst Euch nicht erpressen!

Der „Impact Factor“ zeigt an, wie oft Aufsätze zitiert werden. Doch Zeitschriften blasen damit ihre Bedeutung auf und Wissenschaftler mogeln sich in Rankings nach oben.

© AFP Vergrößern Treibstoff auf dem Weg nach oben: die erpresserischen Zitatpraktiken mancher Wissenschaftsorgane fördern manche Karriere über die Maßen

Es klingt zunächst nach einer objektiven Methode, um die Bedeutung von wissenschaftlichen Zeitschriften zu ermitteln. Der „Impact Factor“ zeigt an, wie oft Aufsätze aus einer Zeitschrift in den zwei Folgejahren zitiert werden, relativ zur Gesamtzahl der Aufsätze. Je mehr, desto größer der Einfluss der Zeitschrift. Erfunden hat den Impact Factor in den sechziger Jahren das Institute for Scientific Information, das heute zu Thomson, einem der großen Medienkonzerne der Welt, gehört.

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Obwohl von Kritikern als zu grob abgetan, ist der Impact Factor in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Naturwissenschaften und der Medizin, aber auch in anderen Disziplinen, zur zentralen Einflussgröße geworden. Die unter dem Druck „publish or perish“ stehenden Wissenschaftler achten genau darauf. Wer Aufsätze in Top-Zeitschriften mit hohem Impact Factor vorweisen kann, hat bessere Berufungs- oder Beförderungschancen. Bibliotheken wählen aus der Flut der wissenschaftlichen Zeitschriften diejenigen mit hohem Impact Factor aus.

„Erzwungene Zitationen“

Doch das vermeintlich objektive Maß kann manipuliert werden. Jetzt hat erstmals eine Umfrage unter 6670 Wissenschaftlern belegt, wie verbreitet „erzwungene Zitationen“ sind. Die Herausgeber von Zeitschriften drängen Autoren, Literatur aus ihrem Journal zu zitieren. Wer sich dem Wunsch nicht fügt, dessen Artikel wird nicht gedruckt. 175 von 832 Journalen, also gut ein Fünftel, wurden als Manipulatoren identifiziert, vor allem Zeitschriften für Betriebswirtschaft, aber auch Soziologie, Psychologie und Ökonomie. Am schlimmsten treibt es demnach das „Journal of Business Research“, das neunundvierzigmal als Zitate-Erpresser genannt wurde, gefolgt vom „Journal of Retailing“ (43), „Marketing Science“ (29), „Journal of Banking of Finance“ (29) und „Information and Management“ (19). Das ergab die Umfrage von Allen W. Wilhite und Eric A. Fong vom College of Business Administration der Universität von Alabama, die Anfang Februar in „Science“ erschien.

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Obwohl 86 Prozent der befragten Wissenschaftler erzwungene Zitationen nicht in Ordnung finden, gab doch eine Mehrheit von 57 Prozent zu, dass sie überflüssige Literaturangaben einfügen, wenn die Herausgeber der Zeitschriften darauf dringen. Und die Zitate-Erpresser suchen sich offenbar gezielt Opfer in schwächerer akademischer Position aus, eher die Nachwuchswissenschaftler als etablierte Größen des Faches. Festangestellte Professoren können es sich leisten, einen Aufsatz zurückzuziehen, während Doktoranden oder Assistenzprofessoren dringend auf die Veröffentlichung angewiesen sind. Die Tendenz zu manipulativen Praktiken scheint insgesamt zuzunehmen, denn auch die Herausgeber der Zeitschriften stehen unter zunehmendem Wettbewerbsdruck. „Wenn nichts getan wird, wird sich die Situation wahrscheinlich verschlechtern“, warnen Wilhite und Fong.

Ein besonders krasses Beispiel von Manipulation - durch Eigenzitationen - hat Douglas N. Arnold, damals Präsident der Society for Industrial and Applied Mathematics (SIAM), vor gut einem Jahr öffentlich aufgedeckt: den Fall der drittklassigen Mathematik-Zeitschrift „International Journal of Nonlinear Sciences and Numerical Simulations“ (IJNSNS). Die Täter waren Herausgeber Ji-Juan He, der an der Donghua-Universität in Schanghai lehrt, sein Mitherausgeber Mohamed El Naschie, ein umstrittener ägyptischer Physiker und Ingenieur, sowie D. D. Ganji, der an einer iranischen Universität lehrt. Wie Arnold zeigte, hatte allein He in 243 Fällen seine eigene Zeitschrift zitiert, Ganji steuerte 114 Zitate bei, El Naschie 58 weitere. Durch diese Zitat-Lawine in der eigenen und dreißig anderen Zeitschriften, in deren Herausgebergremien sie saßen, inflationierten sie den Impact Factor des IJNSNS im Jahr 2008 auf einen sagenhaften Wert von über acht. Das lag weit vor den führenden Mathematik-Journalen „Communications on Pure and Applied Mathematics“ und „SIAM Review“, deren Impact-Factoren bei knapp vier und drei lagen.

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