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Vertrauen in Roboter : Lassen Sie sich von seinem Lächeln nicht täuschen!

  • -Aktualisiert am

Wo sitzt der Mensch? Der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro und sein humanoides Replikat in der Berliner Ausstellung. Bild: Yves Gellie

Viele Menschen vertrauen Robotern blind, auch wenn sie ihnen absurde Anweisungen geben. Denn die Maschine muss es ja wissen! Oder?

          Wenn ein Roboter Sie bitten würde, eine Kanne Orangensaft an die Zimmerpflanze zu gießen, würden Sie es tun? Wahrscheinlich ja. Jedenfalls wenn Sie reagieren wie die Versuchspersonen, mit deren Hilfe Kerstin Dautenhahn und ihr Team von der englischen Universität Hertfordshire einem erstaunlichen Phänomen auf der Spur sind. „Overtrust“ nennen es die Forscher, ein übertriebenes Vertrauen, das die meisten Menschen Robotern entgegenbringen.

          Die Roboter, denen man am Arbeitsplatz, in der Schule, im Krankenhaus, im öffentlichen Raum und auch im eigenen Haus begegnen kann, werden immer zahlreicher. Weltweit arbeiten Forscher daran, diese Roboter so zu gestalten, dass wir sie gerne um uns haben. HRI, Human Robot Interaction, nennt sich ihre Disziplin, eine experimentelle Wissenschaft zwischen Ethnologie, Psychologie und Informatik, die sich von der teilnehmenden Beobachtung bis zur Konversationsanalyse verschiedenster Methoden bedient. Hier wird akribisch vermessen, wie Mensch und Maschine einander anschauen, wie sie aufeinander zugehen oder ausweichen und wie sie kommunizieren.

          Menschen begegnen Robotern naiv

          Dabei kam zum Beispiel heraus, dass Menschen Roboter mit ausdrucksvollen Gesichtern bevorzugen, auch wenn diese beim Omelettbacken weniger effizient arbeiten. Sie sind sogar bereit zu lügen, um die „Gefühle“ der Maschine nicht zu verletzen. Es zeigte sich, dass es Menschen egal ist, ob Roboter ethnische Merkmale aufweisen, aber nicht, ob sie unhöflich sind; und dass es Menschen erregt, humanoide Roboter, also solche, die der menschlichen Gestalt nachempfunden sind, an intimen Stellen zu berühren.

          Der wichtigste Helfer der Roboterbauer ist allerdings nach wie vor unsere ausgeprägte Bereitschaft, allem, was sich in halbwegs menschenartigem Tempo bewegt, eine menschliche Psychologie überzustülpen. Eine Abkürzung, die Roboter in den allermeisten Fällen überschätzt. „Egal, wo auf der Welt, wenn wir Menschen begegnen oder auch Hunden oder Kühen, können wir bestimmte Annahmen über ihr Verhalten machen und ihre Verhaltensweisen deuten“, sagt KI-Forscherin Kerstin Dautenhahn. Bei Robotern sei das anders, denn wir wissen nicht, was wir da vor uns haben und welches Verhalten wir erwarten können. Dennoch begegnen die meisten Menschen Robotern aufgeschlossen und positiv. Und etwas naiv.

          In einer neuen Studie des Teams um Alan R. Wagner vom Georgia Institute of Technology geleitete ein Roboter die Versuchspersonen in einen Raum, in dem sie Aufgaben bearbeiten sollten. Dabei blieb er schon mal stehen oder drehte sich um sich selbst. Während die Probanden grübelten, füllten die Forscher die Flure des Gebäudes mit künstlichem Qualm und lösten den Feueralarm aus. Der Roboter, an dem nun in roter Schrift „Emergency Guide Robot“ leuchtete, erbot sich als Führer („Overtrust of Robots in Ermergency Evacuation Scenarios“ 11th ACM/IEEE International Conference on Human-Robot Interaction, 2016).

          Orangensaft für die Topfpflanze

          Die Probanden hätten das Gebäude einfach auf dem Weg verlassen können, auf dem sie gekommen waren. Doch sie folgten dem Roboter, auch wenn dieser im Kreis herum fuhr oder sie in einen dunklen Abstellraum ohne erkennbare Tür führte. Die Autoren folgern: Overtrust könnte bei Drohnen und autonomen Fahrzeugen zu einem ernsten Problem werden und müsse bei der Gestaltung der Maschinen berücksichtigt werden.

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