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Universität in Gefahr : Durch „Flachschulreife“ mehr Gerechtigkeit

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Die Welt als Reformwille und Kommissionsvorstellung: virtuelle Simulationen von Bauten Henry van de Veldes an der Bauhaus-Universität Weimar Bild: dpa

Unterfinanziert, überverwaltet, mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert: Die Zukunft der Universität als Ort besonderer Intelligenz ist bedroht. Ein Gastbeitrag.

          Der gegenwärtige Zustand und Entwicklungstrend an deutschen Universitäten regt nach 45 Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit an vier deutschen und einer Schweizer Hochschule zu einer Rück- und Vorausschau an. Nach dem Studium in Münster und den beiden juristischen Examina war ich zunächst ein Jahr an der Sozialakademie in Dortmund, dann drei Jahre im Bereich zentrale Personalwesen von Daimler-Benz tätig, davon zwei Jahre als Vorstandsassistent. Danach habilitierte ich mich 1967 als universitärer Seiteneinsteiger in Münster für Zivilrecht und Rechtstheorie.

          1967 kam ich zunächst als Lehrstuhlvertreter, dann als Professor für Zivilrecht und Rechtssoziologie an die Freie Universität Berlin (FU). Die nächsten vier Jahre verbrachte ich im Zentrum der sogenannten Studentenrevolte. Ich folgte 1971 einem Ruf an die junge Universität Konstanz und war dann ab 1974 an der Gründung einer Juristischen Fakultät mit einem besonderen Studienmodell beteiligt.

          Meine Gesamtsicht der universitären Entwicklung als Hochschullehrer in den 43 Jahren, in denen ich Lehrveranstaltungen gehalten habe (in Münster, Freiburg, Berlin, Konstanz und daneben zehn Jahre in St. Gallen und mehr als zwanzig Jahre in der deutschen Richterakademie), beruht auf einer Reihe von prägenden Erfahrungen. Was ich dazu berichte, sind subjektive Erlebnisse und Eindrücke, keine objektiven Wahrheiten, vielleicht nur der letzte Stand meiner möglichen Irrtümer.

          I. Ideologisierung

          Der Versuch, die Universitäten als politische Kampfinstrumente für eine ersehnte „andere Republik“ im Sinne eines Neomarxismus umzuformen, fand in Berlin, Frankfurt, Bremen, Marburg, Heidelberg und anderswo auch in Teilen der Hochschullehrerschaft ein lebhaftes Echo. Hinzu kamen Karriere-Organisationen wie die „Bundesassistentenkonferenz“. Assistenten und Privatdozenten als erste Universitätspräsidenten in der deutschen Geschichte, etwa in Berlin, Hamburg und Bremen, waren erste Etappensiege. Dieses Experiment scheiterte bald.

          II. Demokratisierung?

          Alle Gruppen (Professoren, Assistenten, Studierende, Sekretärinnen, Verwaltung) waren in dieser Sicht das „Universitätsvolk“. Alle Gruppen sollten an allen universitären Entscheidungen beteiligt sein. Leitbild war die „Drittelparität“ oder auch „Viertelparität“ in allen Entscheidungsgremien, auch in Berufungs- und Prüfungsfragen. Auch dieser Spuk war zu Ende, als das BVerfG 1973 die Drittelparität als verfassungswidrig verwarf. Das führt bei den Vermeintlich Entscheidungen unausweichlich zu der Frage: Wer ist das Volk?

          III. Maximierung

          Seit den sechziger Jahren wuchs die Zahl der Studierenden in Deutschland rapide und stetig an - ausgelöst durch die Alarmrufe des Heidelberger Philosophen Picht. In der Folge vervielfachten sich die Zahlen der Studierenden in Deutschland. Im Wintersemester 2010/11 waren rund 2 218 000 Studentinnen und Studenten an einer deutschen Hochschule immatrikuliert. Eine zweite Bildungskatastrophe hatte unbemerkt ihren Lauf genommen. Konstanz zeigt das beispielhaft: Geplant als Klein-Uni für dreitausend, gebaut für sechstausend Studierende, hat die Uni seit längerem etwa zehntausend Studierende zu versorgen. Viele Studiengänge sind „Numerus-clausus-Fächer“, ohne dass die Gesamtausstattung für Lehre und Forschung angemessen erweitert worden wäre.

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