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Uni Stuttgart Exzellenz nach Masterplan

14.06.2009 ·  Die Exzellenzinitiative wird zumeist als Segen für die deutsche universitäre Forschung beschrieben. Doch es ist ein gemischter Segen; dafür gibt es viele Beispiele. Das jüngste stammt aus Stuttgart.

Von Jürgen Kaube
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Die Exzellenzinitiative - finanziert vom Staat, durchgeführt vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft - wird zumeist als Segen für die deutsche universitäre Forschung beschrieben. Dass sie ein gemischter Segen ist, dafür gibt es viele Beispiele. Das jüngste stammt aus Stuttgart. Dort hat die Universitätsleitung gerade handstreichartig beschlossen, zahlreiche Lehrstühle der Geisteswissenschaften zu kassieren und die freiwerdenden Mittel der „Profilschärfung mit Blick auf die Exzellenzinitziative“ zuzuführen. Im Einzelnen sollen verschwinden: die Abteilungen für Alte Geschichte, Mittlere Geschichte, Frühe Neuzeit sowie der Lehrstuhl für baden-württembergische Landesgeschichte, der in einen für regionale Technikgeschchte umgewandelt werden soll - die Historisierung der schwäbischen Autofabriken setzt offenbar schon ein -, außerdem Romanistik, Anglistik, Amerikanistik sowie das Kunsthistorische Institut. Ähnliche Opfer werden den Volks- und Betriebwirten abverlangt.

Es seien dies, ließ Rektor Wolfram Wessel, ein Straßenbauingenieur, wissen, „Bereiche, die nicht mehr im Zentrum der Universität stehen“. Und das, obwohl die Philosophisch-Historische Fakultät zu den drittmittel- und publikationstärkeren der Universität gehören, woran man neuerlich sieht, dass es Fächern im Zweifel gar nichts nützt, wenn sie in irgendeinem Ranking oder Rating gut abschneiden. Die Lehrerbildung fürs Gynmnasium soll in Stuttgart nach den Plänen des Rektorats durch eine für Gewerbe- und Berufsschullehrer ersetzt werden. Was an Geisteswissenschaften bleibt (Germanistik, Neuere Geschichte, Philosophie und Linguistik), würde mit den Sozialwissenschaften zusammengelegt. Verkündet im Juni, durchzuführen bis September 2009.

„Fit für die Zukunft mit dem Masterplan“

Dies alles teilte der Rektor während einer Pressekonferenz mit, von der die meisten Professoren aus der Zeitung erfuhren. Die Pressemitteilung pflegt wie der Rektor selbst den derzeit herrschenden Phrasenwortschatz: „Fit für die Zukunft mit dem Masterplan“, „sich für den neuen großen Wettbewerb neu aufstellen“, „ein Forschungsprofil mit interdisziplinären Schwepunkten in der erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung“. Gegenwärtig wird überdies „ein Lehrmanifest erarbeitet, das unter dem für die Universität gültigen Leitbild ,Technik, Wissen und Bildung für den Menschen' - nicht etwa für die Tiere oder gegen den Menschen - das Motto ,Exzellente Lehre folgt exzellenter Forschung' verfolgt“.

Dass man jahrzehntelang in die Weiterbildung von Akademikern investiert, nur damit sie es am Ende über sich bringen, solche einen, halten zu Gnaden, Blödsinn zu verzapfen - „erkenntnisorientierte Forschung“! -, ist vom Gesichtspunkt des allgemeinen Steuerzahlers aus betrachtet, niederschmetternd. Doch was kann die Exzellenzinitiative dafür? Nun, es sind dies alles Maßnahmen, mit denen sich das Rektorat auf die zweite große Runde dieses großen Wettbewerbs vorbereiten will. Für die Aussicht, eventuell ein Exzellenz-Cluster durchzubringen, müssen Stellen geopfert werden, weil die Gutachter im Vergabeverfahren schon geschaffene Struktuiren sehen wollen, nicht nur Ankündigungen für den Fall de Zuschlags von Exzellenzmitteln.

Das heißt aber, wie der Dekan der Philosophischen Fakultät, der Germanist Horst Thomé, in einem Brief an den Rektor schreibt, für kurzfristige Ziele - man könnte auch sagen: für bloße Chancen - irreversible Strukturentscheidungen zu treffen. Die Folgen, die so etwas haben kann, mag der Fall der Leipziger Mathematik, die mit ihrem Cluster-Antrag in der ersten Exzellenz-Runde knapp scheiterte, illustrieren. Nach dem Scheitern erfolgte dort ein Exodus zahlreicher Lehstuhlinhaber bis hin zu einem Max-Planck-Direktor in Richtung der erfolgreichen Mathematik-Cluster an anderen Universitäten. Leicht kann es also passieren, dass eine Universität in gleich zwei Ruinen ihrer Masterpläne sitzenbleibt: in denen der geopferten und denen der begünstigten Strukturen.

Die Logik der Exzellenzinitiative lautet insofern: Das Förderinstrumentarium ist auf Natur- und Technikwissenschaften zugeschnitten. Also gibt es auch mehr Anträge und mehr erfolgreiche aus diesem Bereich. Also kommen die Stellen und Sachmittel, die zu ihm hin umverteilt werden, im Zweifel aus den Geisteswissenschaften. In Stuttgart heißt man diese Logik gut. Für Redensarten des Rektors wie die, die Geisteswissenschaften sollten „sich mehr in in Richtung Wissenskulturen entwickeln“, gilt das oben Gesagte.

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