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Theologie Islamische Lehre an Universitäten

 ·  Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Aufbau neuer Institute für Islamische Studien. Zwei Universitäten haben diesen Weg schon eingeschlagen. Zündstoff aber enthält der Vorschlag für die Beiräte.

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Islamische Theologie oder - wie es der Wissenschaftsrat in seinem jüngsten Gutachten empfiehlt - „Islamische Studien“ als bekenntnisgebundene Forschung und Lehre sind an deutschen Universitäten eine Rarität. Eigentlich gibt es bisher nur zwei staatliche Universitäten (von etwa achtzig), die sich vorwagten: Münster und Frankfurt. Warum das so ist, hat viel mit Trägheit, Ignoranz und der Diskursroutine zu tun, die sich immer wieder in der Frage erschöpfte, dass es keine einheitliche Glaubensgemeinschaft der Muslime gibt, die das verfassungsrechtlich verbriefte Recht der Mitsprache wahrnehmen könnte.

Die klaren Empfehlungen des Wissenschaftsrates dazu (Deutsche Unis sollen Imame ausbilden) sind darum ein kühner Schritt nach vorn. Danach sollen an „zwei bis drei“ staatlichen Universitäten „institutionell starke Einheiten für Islamische Studien“ aufgebaut werden. Gemeint sind damit nicht nur die Voraussetzungen, um Imame und islamische Religionslehrer auszubilden, sondern auch die Theologie. Sie ist für das Studium der evangelischen und katholischen Religionslehrer ein selbstverständliches Fundament. Würde man sie den islamischen Religionslehrern vorenthalten, wie es bisher aus Mangel an Möglichkeiten vielerorts geschieht, provozierte man im Prinzip eine zweitklassige Ausbildung, die den akademischen Standards nicht entspricht. Neuen Zündstoff jedoch enthält der Vorschlag des Wissenschaftsrates, den umstrittenen „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) als seiner Ansicht nach besten Anwalt muslimischer Interessen in Deutschland den künftigen islamischen Forschungszentren für die Beiräte anzudienen.

Auch radikale Vereine gehören dazu

Einmal abgesehen davon, dass die darin versammelten Dachverbände nach Schätzungen der Islamkonferenz und empirischer Studien nur etwa fünfzehn Prozent der deutschen Muslime vertreten, gehören halt auch radikale bis islamistische Vereine dazu. Etwa der Islamrat, dessen größter Mitgliedsverband die radikale Milli Görüs ist; gegen einige ihrer führenden Funktionäre wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Erschleichung öffentlicher Fördermittel für islamistische Ziele ermittelt. Ebenfalls nicht einzuordnen sind nach dem Wissenschaftsrat-Gutachten einige private Institute, die Imame jetzt ausbilden. Man erwähnt nur, dass deren Finanzierung „nicht immer klar erkennbar“ sei.

Im Falle des im Gutachten angeführten „Institut Européen des Sciences Humaines“ im französischen Chateau-Chinon, auf das die Milli Görüs ihre Stipendiaten gern schickt, hätte ein Blick auf die Website des Institutes genügt. Die Lehranstalt für den Scharia-Islam wird mit Geld aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien unterstützt. Der wissenschaftliche Rat des Institutes wird von Yusuf al Quaradawi angeführt, einem führenden Kopf der Muslimbrüder, der Selbstmordattentate gutheißt und die Scharia über jedes säkulare Recht stellt. Gleichwohl wäre eine Imamausbildung an deutschen Universitäten eine begrüßenswerte Konkurrenz für diese klandestinen Lehranstalten, deren Absolventen hierzulande leider auch mit öffentlichen Subventionen unterstützt werden.

Die Universität Münster hat den jetzt vom Wissenschaftsrat empfohlenen Weg bereits vor sechs Jahren aus eigener Kraft eingeschlagen, doch die skandalöse Einmischung des KRM, der auf die Beschneidung der Freiheit der Wissenschaft zielte, hätte das Projekt fast zum Scheitern gebracht. Seit nunmehr drei Jahren sucht die Universität nach einem geeigneten Kandidaten für den zweiten, den religionspädagogischen Lehrstuhl seines „Centrums für religiöse Studien“. Im Herbst 2009 endlich hat sich die Berufungskommission der Universität für zwei Kandidaten entschieden; einer soll schließlich gemeinsam mit dem Islamtheologen Sven M. Kalisch den Studiengang ausbauen. Das Rektorat bestätigte die Vorschläge ebenfalls, doch statt sie nun wie üblich dem Senat zu übergeben, wurden sie an das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf weitergeleitet und schmoren dort seitdem. Inzwischen ist die Zeit, den Studenten das Studium bei diesem dringend erwarteten Professor noch zum Sommersemester zu ermöglichen, verstrichen.

Bizarres Vorgehen

Nach Angaben des Düsseldorfer Ministeriums habe man das Gutachten des Wissenschaftsrates zum Stand der Theologien an deutschen Hochschulen abwarten wollen. Warum, bleibt ein Geheimnis, nötig wäre dies nicht gewesen. Der zuständige Minister will zudem das Einverständnis der KRM-Verbände zu den Vorschlägen der Universität noch vor deren Senatsabstimmung einholen. Ein einigermaßen bizarres Vorgehen, zumal es die gleichen Verbände sind, die zum Boykott gegen den Theologen Kalisch aufgerufen haben. Doch ohne theologisches Fundament, also ohne Kalisch, würde der künftige Professor für islamische Religionspädagogik nur eine zweitklassige Lehrerausbildung anbieten können. Die Universität versichert, das „Paket“ aus Düsseldorf, wenn es denn einmal in Münster eintreffen sollte, ganz unabhängig im akademischen Senat beurteilen zu wollen.

An der Frankfurter Goethe-Universität leitet seit vergangenem Jahr der Theologe Ömer Özsoy das neue „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam“. Seine Stiftungsprofessur, finanziert von der türkischen Religionsbehörde Diyanet, wurde gerade um drei Jahre verlängert. Eine weitere Stiftungsprofessur wurde in Ankara in Aussicht gestellt. Es steht zu hoffen, dass das hessische Kultusministerium dieses großartige Projekt alsbald auf sichere, gänzlich autonome Beine stellt. Der Forschungsschwerpunkt an Özsoys Institut ist die Hermeneutik, die in der islamischen Welt beargwöhnte rationale, historisch-kritische Methode ist selbstverständlich. Hier zeigt sich die ungeheure Chance, die dem Projekt innewohnt: Im geschützten Raum autonomer Universitäten vermögen islamische Theologen Neuland zu betreten, wofür nicht wenige ihrer Kollegen in der islamischen Welt, die vorangingen, mit Berufsverbot bestraft oder, schlimmer noch, zu Apostaten erklärt wurden.

Ein Bachelor-Studium der islamischen Theologie soll in Frankfurt das Fundament für die Master-Ausbildung von Religionslehrern und Imamen legen. Dafür ist hier ein solides Konzept entwickelt worden. Ungewohnt für Wissenschaftler wie Özsoy ist die Vorstellung, sich mit Fachfremden in einem Beirat, wie ihn der Wissenschaftsrat empfiehlt, auf Lehrpläne und Studienziele einigen zu müssen. Aber man werde auch dieses Neuland, neu jedenfalls für die Wissenschaft vom Islam, mutig betreten.

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Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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