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Französische Studentenproteste : Im Hörsaal wird geprügelt

Gegen jede Form der Auslese: Studenten demonstrieren an der Sorbonne für das Recht auf das Studium ihrer Wahl. Bild: EPA

Die Studentenproteste gegen die gesetzliche Neuregelung des Hochschulzugangs in Frankreich radikalisieren sich. Doch die Meinungen über Macrons Reform gehen durchaus auseinander.

          An die Regelungen des Hochschulzugangs hat in Frankreich im letzten halben Jahrhundert niemand Hand anzulegen gewagt. Emmanuel Macron wusste also, was er tat, als er im Wahlkampf versprach, auch dieses heiße Eisen anzupacken. Seine Regierung gab sich danach alle Mühe, um den Einschnitt zu kaschieren. Statt von Reform sprach man lieber von Transformation. Besonders ein Wort war tabu: Selektion, so das Mantra der Regierung, werde die Reform nicht bringen, die man Mitte Februar beschloss. Danach blieb es erst einmal ruhig.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Was überraschend war, denn die nach Bildungsministerin Frédérique Vidal benannte Loi Vidal ist eine kleine Revolution für ein Land, in dem bisher das Bac, das Abitur, das Maß aller Dinge für die Studienwahl war. Mit dem kommenden Wintersemester wird sich das drastisch ändern. In den Studiengängen, in denen die Nachfrage das Angebot übersteigt, bekommen die Universitäten erstmals das Recht, auf der Grundlage von Motivationsschreiben, Lehrerempfehlungen und den Schulnoten der letzten beiden Jahre relativ frei nach Profil und Eignung auszuwählen.

          In Frankreich, das keinen Numerus clausus kennt, wird das als Tabubruch wahrgenommen. Dass es bei der Studienwahl wie bei der Vergabe der Studienplätze Probleme und Defizite gibt, kann aber niemand bestreiten. Die französischen Universitäten kämpfen mit dem Zustrom geburtenstarker Jahrgänge und der allgemeinen Ausweitung des Hochschulzugangs. In stark nachgefragten Fächern wie Medizin und Jura wurden die Studienplätze vergangenes Jahr per Los vergeben. Gegen das aktuelle System sprach besonders die sehr hohe Abbrecherquote von sechzig Prozent nach dem ersten Jahr. An ihr macht sich bemerkbar, dass die Abiturnote kaum noch eine Aussage über die Studienfähigkeit macht.

          Größerer Wettbewerb zwischen den Universitäten

          Es habe bisher eine Selektion durch Scheitern gegeben, sagen daher die Befürworter der Reform, der positiv anzurechnen ist, dass sie den Losentscheid überflüssig macht und Studenten dazu bringt, besser über ihre Studienwahl nachzudenken. Auch prestigereichen Universitäten und beliebten Studiengängen, die sich die Besten auswählen können, kommt das Gesetz entgegen. Es verstärkt den Wettbewerb zwischen den Universitäten in dem, abgesehen von den Elitehochschulen, wenig differenzierten französischen Hochschulsystem.

          Das gefällt nicht jedem. Der größte Studentenverband Unef befürchtet die Errichtung neuer Aufstiegsschranken im ohnehin schon elitären französischen Bildungssystem. Gerade in stark nachgefragten Fächern wie Medizin würden die Universitäten das Recht auf Auslese nutzen. Würde man angesichts der unklaren Kriterien dann nicht doch auf den prestigereichen Namen der Schule oder die ethnische Herkunft schauen? Und wer könnte Eltern davon abhalten, das Motivationsschreiben ihrer Kinder zu verfassen?

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