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Streit um neuen DFFB-Direktor : Ein Mann nach dem Geschmack der Filmindustrie

  • -Aktualisiert am

Umstritten: Ralph Schwingel wird von der Studentenschaft als neuer Direktor abgelehnt. Bild: dpa

Die Deutsche Film- und Fernsehakademie düpiert bei der Wahl ihres neuen Direktors ihre Studenten. Die autokratische Entscheidung für den Filmproduzenten Ralph Schwingel dient wirtschaftlichen Interessen. Die Filmkultur hat das Nachsehen.

          „Keinen Direktor ohne uns!“ Mit dieser Parole sah sich der Filmproduzent Ralph Schwingel am Montagnachmittag im Foyer des Filmhauses am Potsdamer Platz in Berlin konfrontiert. Er war gekommen, um sich der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) als deren künftiger Direktor vorzustellen. Für diese Funktion hat ihn das zuständige Kuratorium vor zwei Wochen „in Aussicht genommen“, was eine durchaus merkwürdige Formulierung ist, um eine Bestellung zu verkünden. Es klang darin schon an, dass Schwingel vor Amtsantritt noch ein bisschen Wahlkampf in eigener Sache machen würde, und zwar nach der schon erfolgten Wahl.

          Die Studenten, die mit dieser Personalie und mehr noch mit dem Auswahlverfahren ganz und gar nicht einverstanden sind, reagierten am Montag mit Boykott und einer Blockade der Aufzüge in den neunten Stock. Das Goodwill-Gespräch fand deshalb auf höchst merkwürdige Weise im Keller des Filmhauses statt, wohin die Interessierten durch die Verliese des Sony Centers in einer beinahe schon konspirativen Atmosphäre geführt werden mussten.

          Zwei Welten prallen aufeinander

          Wie konnte es so weit kommen? Dazu gibt es, wie Schwingel selbst ganz richtig bemerkte, eine „irre lange Vorgeschichte“. Die kürzeste Fassung beginnt damit, dass der 2010 schon damals nach Studentenmeinung „installierte“ Direktor Jan Schütte einen Ruf in die Vereinigten Staaten bekam und 2014 überraschend sein Amt niederlegte. Das neue Berufungsverfahren wurde wesentlich von Björn Böhning gestaltet, dem Chef der Berliner Senatskanzlei. Böhning zog sich dabei den Vorwurf zu, Studenten und Akademieversammlung nicht hinreichend zu berücksichtigen. So galt schließlich die Kamerafrau Sophie Maintigneux, die das Vertrauen größerer Teile der DFFB hatte, beim Kuratorium als chancenlos, während der eine Weile als Kandidat gehandelte österreichische Regisseur Julian Pölsler („Die Wand“) als unverständliche und aus vielen praktischen Gründen unvermittelbare Alternative erscheinen musste.

          Schwingel, Mitinhaber der Wüste Film GmbH und bekannt geworden als Produzent von Filmen wie Fatih Akins „Gegen die Wand“ und zuletzt eher harmlosen „Culture-Clash“-Komödien wie „Einmal Hans mit scharfer Soße“, wirkt nun wie ein Kompromisskandidat. Bei dem Gespräch am Montagnachmittag war von ihm außer integrativen Bemühungen inhaltlich nichts zu vernehmen. Er wirkte, auch abzüglich der chaotischen Umstände, unvorbereitet und naiv.

          Im Hintergrund des Konflikts steht die besondere Kultur der DFFB, die ihre 68er-Wurzeln nicht vollständig preisgeben möchte. Böhning und das Kuratorium scheinen dagegen einen Kurs zu bevorzugen, der die Schule so nahe wie möglich an eine Subventionskultur heranführt, die in Deutschland weitgehend an die Stelle dessen getreten ist, was einmal und gerade für die Gründungsgeneration der DFFB emphatisch „Kino“ hieß. Böhning ließ deutlich erkennen, dass er vor allem ein „filmindustrielles“ Interesse vertritt, den Film primär als Beschäftigungsfaktor sieht (vergleichbar der Chemiebranche, wie er in einer Rede kürzlich meinte), und dass er im Übrigen von einer Akademie das Personal für einen Wirtschaftszweig erwartet - und nicht Künstler, die gern „Widerstand“ rufen. So ließ sich seine Moderation der Berufung deuten.

          Der DFFB betreibt Selbstamputation

          Die Studenten mögen einer DFFB-Mythologie nachhängen, die heute eher nach Selbstaufklärung als nach Selbstbestätigung durch Blockaden verlangt. Konkret haben sie aber alle Gründe, sich übergangen zu fühlen. Schließlich sind sie es, um deren Ausbildung es hier geht. Und es versteht sich von selbst, dass die Auswahlkriterien in diesem Verfahren nicht die eines einseitig filmindustriell besetzten Kuratoriums sein können.

          Nächstes Jahr wird die DFFB fünfzig Jahre alt. Die Stadt Berlin und die deutsche Filmpolitik scheinen kein großes Interesse zu haben, diese Institution in eine Zukunft zu führen, die ihrer symbolischen und historischen Bedeutung entspricht. Angesichts der gut dotierten Töpfe, die sie tagtäglich verwalten, haben sie offenbar das Gefühl für Verluste an künstlerischer Qualität verloren, die natürlich wesentlich schwieriger zu beziffern sind als die Einspielergebnisse von „Fack Ju Göhte“ und Til-Schweiger-Komödien. Eine einseitig filmindustriell motivierte Direktorenwahl der DFFB bedeutet in der derzeitigen Situation des deutschen Films jedoch eine Selbstamputation an einem ihrer wichtigsten Glieder.

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