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Sexismus an Hochschulen : Eine Welle des Verfolgungswahns

  • -Aktualisiert am

Sorgte mit einem Essay für großes Aufsehen: Professorin Laura Kipnis. Bild: Picture-Alliance

Die Feministin Laura Kipnis durchbricht das Schweigen um die Verfahren wegen sexueller Belästigung an amerikanischen Hochschulen – und macht sich rechts wie links unbeliebt. Ausgerechnet die Regierung Trump könnte für faire Rechtsstandards sorgen.

          Für die einen ein schwarzer Tag im Kampf gegen sexuelle Diskriminierung, für die anderen der Triumph der Verfassung über Gesinnungsurteile: Wie erwartet hat das Bildungsministerium der Vereinigten Staaten am 22. September die bisher geltenden Bestimmungen für den Umgang mit sexuellem Fehlverhalten an Universitäten zurückgenommen und durch eine vorläufige Regelung ersetzt. Wie Bildungsministerin Elisabeth DeVos mitteilte, arbeitet ihr Haus an einer neuen Richtlinie, in der die Belange der Beschuldigten besser berücksichtigt werden sollen – im Sinne des Verfassungsgrundsatzes des „Due Process“, des ordentlichen und fairen Verfahrens.

          Was für deutsche Ohren harmlos klingt, wird von den Veteranen der Campus-Kulturkriege als Sieg oder Niederlage gedeutet. Die universitären Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen, die seit 2011 in allen Colleges und Universitäten zum Alltag gehören, waren von Anfang an Gegenstand heftigster Auseinandersetzungen. Die vom Ministerium nun teilweise ergänzten Bestimmungen weisen explizit darauf hin, dass Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung auch Verstöße gegen das Recht der Studenten sind, eine diskriminierungsfreie, chancengleiche Ausbildung zu erhalten. Colleges und Universitäten, die solche Verstöße nicht unterbinden, untersuchen und gegebenenfalls disziplinarisch ahnden, machen sich damit der Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes schuldig und können ihre staatliche Unterstützung verlieren.

          Alle Beteiligten sind zu Stillschweigen verpflichtet

          Entsprechend motiviert sind die höheren Bildungsanstalten, sich in diesem Feld zu profilieren. Dazu gehört nicht nur, Vorwürfen von sexueller Diskriminierung und sexualisierter Gewalt konsequent nachzugehen. Mit zahlreichen anderen Maßnahmen – von Verhaltenskodizes und Sprachregelungen für die Mitarbeiter über die Pflichtteilnahme an Verhaltenstrainings bis zur medial gern skandalisierten Ausweisung von Transgender-Toilettenräumen – demonstrieren die Universitäten ihre Kooperationsbereitschaft. Die sogenannten Title-IX-Verfahren gegen Studenten oder Mitarbeiter bilden den Kern der Auseinandersetzung: Maßregeln gegen Beschuldigte haben gravierende Auswirkungen auf deren weitere Karriere – bis zum Ausschluss aus dem höheren Bildungssystem.

          Title-IX-Verfahren sind keine juristischen Verfahren, sondern nichtöffentlich gefasste Verwaltungsakte. Der Schutz der mutmaßlichen Opfer hat dabei bisher Vorrang vor den Rechten der Beschuldigten – auch wenn das so explizit in den 2011 veröffentlichten Ausführungsbestimmungen gar nicht steht. Beschuldigte erhielten bisher keine schriftliche Formulierung der gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen, sie dürfen sich nur eingeschränkt von einem Anwalt vertreten lassen, und es bestand für sie keine Möglichkeit, die Beschwerdeführenden als Zeuginnen zu befragen. Außerdem sind alle Beteiligten zu Stillschweigen über das Verfahren verpflichtet. Deswegen gibt es auch keine offiziellen Angaben, wie viele Verfahren nach Title IX betrieben werden. Die Fälle, die bekanntwerden, sind meist schon in der nächsten Eskalationsstufe: Das Office of Civil Rights des Bildungsministeriums hat sie an sich gezogen und ermittelt nun gegen die Universität wegen „Mishandling“. Aktuell führt die Behörde 360 solcher Untersuchungen, zum Teil mehrere gegen eine Universität.

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