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Urheberrecht und Wissenschaft : Wie man ein Monstrum nährt

Die Reform hat einen zweiten Anlass: Bibliotheken leiden unter der Gebührenlast. Pro Jahr geben deutsche Universitäten eine Milliarde Euro für den Erwerb wissenschaftlicher Publikationen aus, immer weniger handelt es sich dabei um Monografien und immer häufiger um Zeitschriftenlizenzen, die zu horrenden Preisen und mit astronomischen Renditen von bis zu vierzig Prozent von den Monopolverlagen Elsevier, Springer und Wiley verkauft werden. In aufgezwungenen Zeitschriftenpaketen bekommen die Bibliotheken auch das, was sie gar nicht wollen, können sich den Verzicht aber nicht leisten, weil die wichtigsten Fachzeitschriften im Besitz der Großverlage sind. Der Staat zahlt doppelt: Aufsätze, die staatliche finanzierte Wissenschaftler verfassen und lektorieren, werden von den Verlagen ohne nennenswerten Beitrag an den Staat zurückverkauft.

Das ist kein Schicksal. Wären die Bibliotheksetats in den letzten Jahren parallel zu den Forschungsausgaben gestiegen, wäre die Klage nicht so laut. Weiteres Sparpotential ergäbe sich durch die Ausrichtung des Geschriebenen am real Gelesenen. Dafür müssten sich die Wissenschaftsorganisationen bereitfinden, die Wissenschaftler aus der Publikationsspirale der Projektforschung zu befreien.

Fairness, pauschal berechnet

Der Reformentwurf verspricht, Ausfälle fair zu vergüten. Das gewählte Pauschalmodell erscheint bei den heutigen technischen Reproduktionsmöglichkeiten sinnvoll, hat aber den gravierenden Mangel, dass es Autoren und Verlage unabhängig von der Qualität der Werke und ihrem tatsächlichen Gebrauch entlohnt. Die Vergütung durch Stichproben, wie es der Reformentwurf vorsieht, verdient keinen Fairness-Preis.

Geradezu frivol ist es, wenn der Reformentwurf das Pauschalmodell im Vorgriff auf europäische Rechtsänderungen verfügt, die kommen mögen oder nicht. Die gemeinsame Kompensation von Verlagen und Autoren durch die VG Wort wurde letztes Jahr vom Europäischen Gerichtshof verworfen, die Ausschüttung kommt nur noch Autoren zu. Der Reformentwurf schweigt sich darüber aus. Er ist das Eingeständnis, dass man an einem dosierten Übergang, der das Existenzrecht wirtschaftlich handelnder Unternehmen achtet, nicht interessiert ist.

Als Befreiungsschlag wird das Open-Access-Modell gehandelt, das primär die Zeitschriften betrifft. Open Access, das den freien Zugang zu allen staatlich finanzierten Publikationen garantieren soll, ist aber kein Gratisvergnügen. Auch Open-Access-Journale müssen verlegt werden. Nach Stand der Dinge werden dies vorrangig die Großverlage übernehmen, die dieses Geschäftsfeld seit langem entdeckt haben und sich durch die Autorengebühren schadlos halten können, die für jede Open-Access-Publikation zu entrichten ist. An diesen Gebühren sollen auch mittelständische Verlage partizipieren. Das Modell ist aber noch nicht so weit gediehen, dass kurzfristige Ausfälle kompensiert werden könnten.

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