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Plagiatsfall Margarita Mathiopoulos : Wieder ein böses Ende für eine Dissertation?

  • -Aktualisiert am

Abschreiben bis in die Fußnote hinein: Margarita Mathiopoulos Bild: dpa

Der lange Streit um die Arbeit von Margarita Mathiopoulos ging im Trubel um prominentere Plagiatsfälle fast unter. Dabei ist der Betrugsfall noch tiefer in das akademische System verstrickt.

          Der Verfasser war 1994 um ein Gutachten zu einer Bewerbung von Margarita Mathiopoulos auf eine Honorarprofessur an der Technischen Universität Braunschweig gebeten worden und bei seinen Recherchen auf Plagiate in ihrer Bonner Dissertation von 1986 gestoßen. Er hat damals eine kleine Dokumentation darüber an seinen Auftraggeber geschickt und von einer Ernennung abgeraten. Die Bewerberin bekam Stelle und Titel trotzdem. Damals gingen Spekulationen durch die Presse, dass sie auch deshalb zur Honorarprofessorin ernannt werden sollte, weil sie als Sprecherin der Nord LB Sponsorengelder für das 250-jährige Jubiläum der TU Braunschweig versprochen hatte.

          Als im Zusammenhang mit neuen, öffentlichen Plagiatsvorwürfen gegen Frau Mathiopoulos die Bonner Universität im Juni 2011 zunächst signalisierte, dass sie sich nicht damit auseinandersetzen wollte, hat er sich in den Diskussionsprozess eingeschaltet. Mitte Oktober will die Philosophische Fakultät der Universität Bonn erneut eine Stellungnahme zur Dissertation von Margarita Mathiopoulos („Amerika: Das Experiment des Fortschritts - Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa“) abgeben. Ich gehe davon aus, dass sie der Autorin dieses Mal den Doktortitel aberkennt; zu erdrückend sind die Beweise der kollaborativen Plagiatsprüfer im Internet. Bis zum 21. August hatte VroniPlag insgesamt 468 Plagiate ganz unterschiedlicher Länge gefunden, also mehr oder weniger wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken; und die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.

          Ein großes Blendwerk

          Frau Mathiopoulos hat Plagiatsvorwürfe immer heftig bestritten, allenfalls „bedauerliche Flüchtigkeitsfehler“ beim Zitieren eingeräumt. Laut VroniPlag enthält die Dissertation aber immerhin 327 Verschleierungen, also umformulierte Texte, die weder als Paraphrase noch als Zitat kenntlich gemacht wurden, und damit Plagiate auch im engen Sinne. Frau Mathiopoulos schreibt aber nicht nur Texte ab, sondern sie übernimmt auch Fußnoten aus ihren Vorlagen, das heißt, sie gibt das, was andere gelesen und erforscht haben, als etwas aus, das sie selbst gelesen und erforscht hat. Ich empfehle den vielen Kolleginnen und Kollegen, die diese Arbeit hoch gelobt oder ihre Autorin sogar ausdrücklich gegen Plagiatsvorwürfe in Schutz genommen haben, das wenigstens einmal exemplarisch nachzuvollziehen; zum Beispiel anhand der Fußnoten 414 bis 421 in dem Buch von Hans-Christoph Schröder, Die amerikanische Revolution - Eine Einführung, München 1982, und der Fußnoten 10 bis 18 zu Kapitel V auf S. 358-359 bei Frau Mathiopoulos.

          Im Lichte dieser Befunde, die Seite für Seite im Internet öffentlich zugänglich sind, kann sich niemand mehr herausreden: „Amerika - Das Experiment des Fortschritts“ ist ein interessantes, wenn auch problematisches Buch; eine Dissertation aber ist es sicher nicht, denn die setzt einen eigenständigen Forschungsprozess voraus. Von dem, was an dieser Arbeit eigenständig ist, ist nur wenig Forschung, und von dem, was an ihr Forschung ist, ist nur wenig eigenständig.

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