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Plagiatoren in Spanien War die Guttenberg-Affäre denn zu gar nichts gut?

20.06.2011 ·  Naturwissenschaftler der Universität Vigo in Nordwestspanien haben sich kräftig aus fremden Publikationen bedient. Obwohl die Sache längst aufflog, wird die Aufklärung verschleppt: Streifzug durch ein korruptes System.

Von Paul Ingendaay
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Als die Guttenberg-Plagiatsaffäre mit dem Rücktritt des Verteidigungsministers ihren kathartischen Höhepunkt gefunden hatte, waren in spanischen Medien aufschlussreiche Kommentare zu hören. Es machte großen Eindruck, wie konsequent die akademischen Institutionen in Deutschland die Qualitätskriterien für wissenschaftliche Forschung verteidigt hatten. Ein Sonderlob ging an Karl-Theodor zu Guttenberg, der nicht einmal als beliebtester Politiker des Landes über dem Gesetz stehe und durch seinen Rücktritt zugegeben habe, Fehler gemacht zu haben. Dieses Kompliment, das gewiss keine Nähe zum tatsächlichen Hergang verrät, hat zwei spanische Subtexte. Zum einen, dass eine plagiierte Doktorarbeit ein Kavaliersdelikt sei. Und zum anderen, dass solche Affären in Spanien völlig anders verlaufen würden. Oder um es mit einem gern benutzten Sprichwort zu sagen: „Aquí no dimite ni Dios.“ (Hier tritt nicht einmal Gott zurück.)

Letzten Monat verschaffte uns ein Hochschullehrer - nennen wir ihn Juan Hernández - Informationen über ein Wissenschaftsplagiat am Lehrstuhl für physikalische Chemie der Universität Vigo in der nordwestspanischen Region Galicien. Jeweils sechs Autoren, darunter ein ehemaliger Vizerektor und ein ehemaliger Dekan, hatten in zwei Fachaufsätzen die Publikationen chinesischer Forscher von der Universität Hunan teils wörtlich übernommen. Die Doppelung war bei der amerikanischen Fachzeitschrift zwar aufgeflogen, worauf die Artikel gesperrt wurden. Doch die Universität, so der Dozent, ziehe keine Konsequenzen daraus, und die Täter befänden sich weiterhin in Amt und Würden.

Juan Hernández bat um strikte Anonymität. Er spreche nicht nur für sich selbst, sondern für eine Gruppe von Wissenschaftlern, die den Vorgängen ohnmächtig zusehe, weil die institutionelle Macht in den Händen der Plagiatoren und ihrer Freunde liege. Damit begann ein Austausch, der in fünf Wochen mehr als hundertfünfzig E-Mails, lange Telefonate und seitens Juan Hernández rund achtzig Seiten Kommentar hervorgebracht hat. In dieser Zeit erreichten uns rund fünfzig PDF-Dateien mit Aufsätzen, Zeitungsausschnitten und sonstigen Belegen. Wir sollten wissen, so Hernández, in welchem Ambiente sich die Dinge zutrügen: An der Universität Vigo spielten sich geradezu surreale Szenen ab, und dass sich niemand darüber aufrege, zeige nur, wie verkommen der Wissenschaftsbetrieb sei.

Täuschung? Hochgradige Schlamperei?

Die Aussagen von Hernández und anderen Forschern, die er als Zeugen beibrachte, halten jeder faktischen Prüfung stand. Beleg Nummer eins findet sich auf der Internetseite des amerikanischen „Journal of Chemical & Engineering Data“ (Jahrgang 2010, Nummer 55, Seiten 5340 bis 5346 sowie 5388 bis 5393), wo die beiden Aufsätze der spanischen Wissenschaftler jeweils mit der rot gesetzten Warnung versehen sind, sie seien am 11. Januar 2011 zurückgezogen worden. Begründung: „duplicate publication“. Genauer: „Bedeutende Teile“ der Arbeit seien „bereits von anderen Verfassern veröffentlicht worden“.

Es geht bei der physikalischen Chemie um Testreihen und Zahlen - einer der beiden Aufsätze ist überschrieben: „Vorhersage des Brechungsindex von Vinylpolymeren mit Hilfe künstlicher neuronaler Netzwerke“ -, doch die Artikel enthalten auch englischen Fließtext, und dort wird schon der aufmerksame Laie fündig. In beiden Artikeln ist der abstract fast vollständig wörtlich von den Chinesen übernommen, danach folgen mehrere weitgehend identische Absätze. Dass die chinesischen Beiträge den spanischen als Modell dienten, steht also außer Frage. Beide Artikel der Spanier wurden 2010, also lange nach den Originalpublikationen von Xinliang Yu, Bing Yi und Xueye Wang (2007) sowie Wanqiang Liu und Chenzhong Cao (2009), veröffentlicht. Es gibt noch weitere Ungereimtheiten. Zum einen, dass beide Aufsätze aus Vigo exakt dieselben Fußnoten acht bis dreizehn anführen, zum anderen, dass der Name des mutmaßlich plagiierten Wissenschaftlers Liu im Haupttext falsch geschrieben wird (“Lin“) und in der Bibliographie nicht mehr auftaucht.

Täuschung? Hochgradige Schlamperei? Das wäre zu untersuchen. Da die Aufsätze der jeweils sechs spanischen Forscher (fünf von ihnen firmieren als Autoren für beide Artikel, die sechste Person wechselt) schon im Januar mit dem Bann aus Amerika belegt wurden, fragten wir uns, wie die Universität Vigo mit der peinlichen Angelegenheit umgehe. Die Antwort war niederschmetternd: gar nicht. Zwar tagte am 29. März, fast drei Monate nach der Enthüllung, der Universitätsrat. In dieser Sitzung forderte Luis Muñoz, einer der zehn anwesenden Dekane, die galicischen Wissenschaftsbehörden zu verständigen, die Vorgänge lückenlos aufzuklären, die Untersuchungsergebnisse öffentlich zu machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch nichts davon ist bis heute geschehen. Mehr: Im Sitzungsprotokoll (das online mysteriöserweise nicht zugänglich ist) finden sich Muñoz' explosive Sätze gut versteckt auf der allerletzten Seite des Anhangs.

Auf dem Campus im Darth-Vader-Kostüm

Wir baten die unter Verdacht stehenden Wissenschaftler um eine Stellungnahme. Die Reaktion war sonderbar. Die Stipendiaten, Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter unter den Autoren schwiegen. Die Professoren Juan Carlos Mejuto und Juan Francisco Gálvez dagegen sandten Selbstrechtfertigungen, in denen sie „eine Menge Irrtümer“ eingestanden, den Begriff „Plagiat“ aber energisch zurückwiesen. Das Malheur, so die beiden Professoren, erkläre sich damit, dass „aus Versehen“ eine „frühe Version“ der Artikel abgeschickt worden sei. Impliziert war damit: in beiden Fällen und durch jeweils sechs Autoren, von denen niemand den katastrophalen Irrtum bemerkt haben will. Zum Schluss wurde uns unverhüllt geraten, uns um wichtigere Themen zu kümmern.

Juan Carlos Mejuto war von 2003 bis Juli 2009 Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften auf dem Campus von Ourense, einem der drei Sitze der Universität von Vigo, und wurde unmittelbar danach zum „catedrático“ berufen, was einer C-4-Professur entspricht. Man hört bizarre Dinge über diesen Mann. Etwa, er laufe an der Uni in Shorts, T-Shirt und Latschen umher, sei ein Freund sexueller Anspielungen und, wie man sich erzählt, auf dem Campus schon einmal im Darth-Vader-Kostüm aus „Krieg der Sterne“ aufgetreten. Ourense ist so klein, dass die Lokalpresse über solche Eskapaden berichtet. Ein Youtube-Video zeigt Mejuto, wie er in derber Sprache vor einer Reihe gequält lächelnder Kollegen über den Zustand der Universität schwadroniert.

Für Verwunderung könnte sorgen, dass sein Schüler Pedro Araújo Nespereira, der erst im Dezember 2008, mit rund fünfzig Jahren, seinen Doktortitel erwarb, schon ein halbes Jahr später zum C-3-Professor aufstieg und Mejuto kaum zehn Tage später als Dekan beerbte. Laut Lebenslauf hat Araújo bis heute - stets im Team mit seinem Doktorvater und anderen - nur drei Aufsätze publiziert sowie seine Dissertation vorgelegt. Diese Arbeit ist in der Universitätsbibliothek von Ourense nicht zu finden. Man muss sie sich auf anderem Weg besorgen. Die schmale, reich bebilderte Schrift heißt „Geologische Merkmale der Thermalquellen der Provinz Ourense“.

Eine höfliche Umschreibung für Plagiat

Das alles war nicht unser Thema, als wir den Betroffenen schrieben. Diese jedoch verrieten Anzeichen von Nervosität. Bis zum Abend hatten wir von Mejuto und Gálvez zusammen sieben lange E-Mails erhalten. Mejuto bestand auf der Unterscheidung zwischen „plagiarism“ und „duplicate publication“ und setzte einen Link zur Society for Industrial and Applied Mathematics (Siam) hinzu. Doch dieser Fachverband definiert „duplicate publication“ als „Selbstplagiat“, wovon im vorliegenden Fall nie die Rede war.

Wir fragten Markus Fitzek, Professor für Strahlenforschung an der School of Medicine an der Indiana University in Bloomington, Indiana. Fitzek, ein erfahrener Gutachter, kam zu dem Ergebnis, bei den Aufsätzen aus Ourense handele es sich „von Sprache, Gedankenaufbau und Konstruktion der gesamten Arbeit“ her um ein Plagiat. Zur Vorsicht riet Kurt Kremer, Professor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, der die Arbeiten aufgrund seiner Arbeitsbelastung allerdings nicht im Einzelnen prüfen konnte. Die „teilweise Übereinstimmung von Textstellen und einzelner Details“, so Kremer, reiche noch nicht aus, von einem „inhaltlichen Plagiat“ zu sprechen.

Doch die Alarmglocken schrillen überall. Hoher Publikationsdruck und die Verführungskraft einer Datenvermehrung per Tastenklick verlangen der Wissenschaft ab, ständig über die Sauberkeit der Arbeit zu wachen. „They did a bad bad thing“, überschrieb die Fachzeitschrift „Nature Chemistry“ ihr Editorial der Mai-Ausgabe und rief angesichts der jüngst aufgeflogenen Plagiate von Jan Hendrik Schön und Pattium Chiranjeevi zu gewissenhafterer Prüfung durch Herausgeber und Peer Reviewer auf.

In der Praxis erweist sich das als schwierig, weil kein Gutachter sämtliche Quellen verifiziert. „Oft wird später als Entschuldigung vorgebracht“, so Markus Fitzek, „die Arbeit habe doch den Peer Review passiert.“ Ein Professor für Physik an einer spanischen Universität, der namentlich nicht genannt werden will, sieht den Fall ebenso eindeutig. Die Formulierung des Chefredakteurs, Teile der Arbeit seien „bereits von anderen Verfassern veröffentlicht worden“, sei „mehr als ausreichend für den, der zwischen den Zeilen zu lesen“ verstehe: eine höfliche Umschreibung für Plagiat. Das „Journal of Chemical & Engineering Data“ jedenfalls unterstrich seine dezente Rhetorik mit einer markanten Geste und belegte die spanischen Forscher in der Zeitschrift mit einem zweijährigen Publikationsverbot.

Absoluter Mangel an Koordination

Wir schrieben an Luis Muñoz, den ehemaligen Dekan der Fakultät für Chemie, der am 29. März lückenlose Aufklärung gefordert hatte, und baten ihn um eine neue Stellungnahme. Er räumte ein, möglicherweise habe sich die Aufarbeitung ungebührlich in die Länge gezogen. Doch am 13. Mai - vier Monate nach Zurückweisung der Artikel, sechs Wochen nach Muñoz' eigenem Tadel und zufällig am selben Tag, als unsere schriftlichen Fragen die mutmaßlichen Plagiatoren erreichten - sei ein Untersuchungsausschuss einberufen worden. Jedes Verhalten sei zu verdammen, so Muñoz, das die American Chemical Society (ACS) als „unvereinbar mit der wissenschaftlichen Ethik“ bezeichnet habe.

Tatsächlich steht in deren „Ethischen Leitlinien“ ein Satz, der jede Debatte sofort beenden müsste: „Authors should not engage in plagiarism - verbatim or near-verbatim copying, or very close paraphrasing, of text or results from another's work.“ Die ACS bewertet also nicht Handlungsabsichten, sondern definiert Taten. Nach dieser Definition sind Unachtsamkeit und Schlamperei im Veröffentlichungsbetrieb moralisch nicht besser als bewusster Ideenklau. Als Entschuldigung haben sie jedenfalls ausgedient.

In Ourense ist diese Botschaft immer noch nicht angekommen. Denn in dem Versuch, den Begriff „Plagiat“ zurückzuweisen, diskreditieren die Professoren Mejuto und Gálvez ihre eigene wissenschaftliche Reputation. In einem Schreiben Mejutos etwa lautet die Entschuldigung, auch „die Beherrschung des Englischen“ habe ein Problem dargestellt. Soll das heißen, man dürfe mangelnden Sprachkenntnissen, für die man sich schämen sollte, durch Plagiieren abhelfen? Sein Kollege Gálvez spricht - ebenfalls im apologetischen Ton - von einer „Kette von Fehlern“ und einem „absoluten Mangel an Koordination“. Die Aufsätze hätten „weder Hand noch Fuß“. Dann aber wäre zu fragen: Wie war es möglich, dass sie in diesem Zustand veröffentlicht wurden?

Die Selbstbezichtigung, die als moralische Verteidigung gemeint ist, erreicht am 19. Mai ihren vorläufigen Höhepunkt. An diesem Tag schickt uns Mejuto den Entwurf einer langen Erklärung, die er auch dem Untersuchungsausschuss zusenden wolle. Darin nimmt er alle Schuld an dem Vorfall auf sich - abermals, ohne sich zum „Plagiat“ zu bekennen -, spricht seine Kollegen Juan Francisco Gálvez und Olalla Nieto-Faza - beide Mitglieder des Senats - von jeder Mitverantwortung frei, da sie als Informatiker nur Daten betreut hätten, und beklagt abermals, ein Opfer von Lynchjustiz geworden zu sein. Auch seine Studenten Gonzalo Astray, Antonio Cid und Juan Ángel Ferreiro Lage (die in beiden Aufsätzen als Autoren firmieren) sowie Óscar Moldes (in einem) hätten nichts mit der Endredaktion zu tun gehabt.

Die jungen Forscher sind unsichtbar

So einfach sollte man es den Mejuto-Schülern aber nicht machen. Da sie als Verfasser auftreten und jeden Kollektivaufsatz dem eigenen Veröffentlichungskonto gutschreiben, wird man sie am Ergebnis messen dürfen. Der frisch promovierte Antonio Cid zum Beispiel ist an der Fakultät der Naturwissenschaften Mitglied des „Ausschusses für Qualitätssicherung“. Bisher ist er trotz seiner Mitautorschaft an den skandalösen Artikeln nicht von seiner Aufgabe entbunden worden. Zusammen mit Juan Ángel Ferreiro Lage ist er außerdem Associate Editor einer „internationalen Zeitschrift“ mit dem Titel „Electronic Journal of Environmental, Agricultural and Food Chemistry“, die - wo sonst - an der Universität von Vigo in Ourense erscheint. Ebenso pikant ist die Situation von Gonzalo Astray, der am 27. Mai zur Verteidigung seiner von Mejuto betreuten Doktorarbeit antrat und den Titel auch erwarb - mit einem Thema, das dem des inkriminierten Aufsatzes stark ähnelt. Wir fragten die Vizerektorin für Forschung schriftlich, ob dies der korrekte Umgang mit dem Plagiatsverdacht sei, der auf den Autoren lastet. Doch wir erhielten keine Antwort.

Was sind die nachprüfbaren wissenschaftlichen Meriten dieser Forscher? Die Mejuto-Boys haben in Ourense studiert, steigen in Ourense auf und erhalten in Ourense Subventionen, um in Ourense zu forschen. Immer hübsch zu Hause bleiben, die Subventionen können sich sehen lassen. Gonzalo Astray zum Beispiel erhielt für ein Projekt zwischen 2007 und 2010 zusammen mit einem Kollegen 120.000 Euro; der beaufsichtigende Professor war Juan Carlos Mejuto. Nur jetzt, wo es Ärger mit den von ihnen mitverantworteten Aufsätzen gibt, sind die jungen Forscher unsichtbar.

Der beste Beleg dafür, dass die Fakultät auf die Aufrechterhaltung wissenschaftlicher Genauigkeitsstandards pfeift, ist ein Schreiben von Juan Carlos Parajó an den Rektor. Parajó ist ordentlicher Professor für Chemieingenieurwesen und redet die Bedeutung des Vorfalls klein. Wörtliches Kopieren von fremden Textpassagen, schreibt er, komme doch häufig vor; die Zeitschrift sei so unbedeutend, dass Mejuto gar nichts gewinne, wenn er dort fälsche. „Jeder Versuch, diesen Berufsirrtum zu kriminalisieren“, so Parajó, bedeute, man sei „päpstlicher als der Papst“. Alles nicht so schlimm. Im Übrigen, so erinnert der Professor, habe es die Universität in früheren Fällen mit „Ethik und Legalität“ auch nicht genau genommen, es gebe viel ärgere Vergehen als das Delikt Mejutos. Überhaupt seien manche Professoren faul, während Mejuto zehn Aufsätze pro Jahr publiziere. Die Heuchelei, so Parajó, sei „so offensichtlich, dass sie Heiterkeit auslösen würde, wenn das Thema nicht so ernst wäre“.

Harmonische Vereinigung der Plagiatoren

Ja, das Thema ist ernst, aber in einem ganz anderen Sinn, als dieser tolerante Professor meint. Ernst ist, dass die Universität von Vigo mehr als fünf Monate nach der Zurückweisung der Aufsätze nichts getan hat, um den Fall von unabhängigen Gutachtern bewerten zu lassen; das müsste eine Frage der Ehre sein. Sporadisch sind im Regionalblatt „La Voz de Galicia“ Kommentare dazu erschienen, einer von ihnen ein scharfer persönlicher Angriff auf Mejuto, den sichtbarsten Kopf der Gruppe. Ein Leserbrief in „El País“ vom 9. Juni spricht es mit brutaler Offenheit aus: Die spanischen Universitäten seien eine Brutstätte von Korruption, Klientelismus und Günstlingspolitik. Doch es sei sehr schwierig, mit diesem System aufzuräumen, denn während die einen unzählige Stunden auf Studium und Forschung verwendet hätten, „haben die anderen ihr Leben damit verbracht, Freundschaftsbande mit den Mächtigen zu knüpfen, sich hochzuhangeln und ein weites, unendliches Netz zu spinnen“.

Ja, das Thema ist ernst. Ernst sind die Verschleierung, das Taktieren und das gleichgültige Einverständnis damit, dass die Kriterien wissenschaftlicher Arbeit auf den Hund kommen. Ernst ist es, dass einer der unter Verdacht stehenden Autoren, Juan Francisco Gálvez, die zurückgewiesenen Aufsätze noch immer in seinem Lebenslauf führt und dass sich ein weiterer Autor auf einem gerade zu Ende gegangenen Kongress in Ourense als „Dr.“ Gonzalo Astray ankündigen ließ, obwohl er den Titel erst siebzehn Tage nach seinem Vortrag erwarb. Der Kongress, der fast sämtliche Verdächtigen des Plagiatsfalls unter Federführung von Juan Carlos Mejuto harmonisch vereinte, hieß übrigens „Die Chemie und die neuen Generationen“. Wenn so in Ourense die Zukunft der Naturwissenschaft aussieht, ist das Schlimmste zu befürchten.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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