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Plagiat : Möge, wer nicht zitiert, vermisst werden und vergessen

  • -Aktualisiert am

Lese, was dasteht, und nicht vergessen, woher man es hat: Die Talmud-Tora-Schule im Frankfurter Westend Bild: Rafael Herlich

„Sag es im Namen dessen, der das Zitierte erkundet hat“ - auch die Antike und das Mittelalter kannten das Problem des Plagiats und halfen sich mit Bannsprüchen.

          Die aktuellen (vermeintlichen) Plagiatsfälle zwingen uns, über den Nachweis von Zitaten in allen Universitätsdisziplinen nachzudenken und möglicherweise umzudenken. Erst seit dem 18. Jahrhundert - durch das britische „Statute of Anne“ von 1710 - ist ein Buch als Objekt des Urheberrechtes geschützt, das später auf alle Produkte ausgeweitet wurde, auf die ein Urheberanspruch geltend gemacht werden kann.

          Darf man aber grenzenlos und straffrei zitieren, wenn man den Autor angibt? Nicht bedingungslos. In den deutschen Ländern wird das Urheberrecht durch verschiedene Gesetze und Novellen geregelt, wobei die Länge des erlaubten Zitats, wenn es als solches gekennzeichnet ist, nicht ausdrücklich thematisiert wird.

          In den Vereinigten Staaten diskutiert man den Umfang eines Zitates (fair use rule is short quotes), der eine ausdrückliche Genehmigung durch den Verlag erfordert. Das Urheberrecht besteht in der Regel in einem finanziellen Anspruch, der in den Geisteswissenschaften vom Verleger geltend gemacht wird. Der Verfasser bekommt bestenfalls Tantiemen und in Deutschland eine Entschädigung durch die VG Wort.

          Protos Heuretes

          Alt ist das Urheberrecht also nicht. Von der Antike bis in die Frühe Neuzeit ging man mit Texten frei um, obwohl gleichzeitig das Recht des Erfinders sehr geschätzt wurde. Die antike Literatur kennt kein Copyright, obschon sie sehr gern eins gehabt hätte, hätte sie gewusst, wie dieses Recht einzuklagen gewesen wäre. Die antiken Autoren beschwerten sich jedoch, wenn ein „Räuber“ ihre eigenen Werke weiterverkaufte. Schon der römische Dichter Martial klagte darüber, dass es Menschenräuber gebe, die seine eigenen Epigramme wie Sklaven gestohlen und weiterverkauft hätten, Sklavenhändler, Menschenräuber, plagiarius eben.

          Beschwerden gab es auch, wenn kein Plagiat vorlag, wie im Falle der antiken und mittelalterlichen Proteste von Juden und Christen gegen den „Raub der Wissenschaften“. Bekannt sind ihre Klagen, dass die Griechen und die Römer erst recht nicht alles selbst erfunden, sondern sich des Öfteren der Fälschung und der Hehlerei schuldig gemacht hätten. Dazu kann auf den Topos des Protos Heuretes (“Erster Erfinder“) verwiesen werden, der in jüdischen und christlichen Texten so aufgefasst wird: Weder die Buchstaben des Alphabets, geschweige denn die Technik, Kunst und Staatsverfassung hätte die Griechen neu erfunden, sondern reichlich und genussvoll von anderen Völkern (vor allem aus der Tora) abgeschrieben und als eigene Entwicklung betrachtet.

          Die Grenzen zwischen Kommentar und Zitat dürfen nicht verwischen
          Die Grenzen zwischen Kommentar und Zitat dürfen nicht verwischen : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Die literarische Dynamik des „Ersten Erfinders“ ist eine apologetische Antwort auf die Vorherrschaft der Griechen in einer Zeit, in der die hellenistische Kultur und das aufkommende Römische Reich beinahe eine Monopolstellung innehatte, die die angrenzenden, unterjochten Kulturen beunruhigte. Angesichts der eindringenden Macht der griechischen Philosophie, Literatur und vor allem der neuaufkommenden Wissenschaften (Medizin, Mathematik und so weiter) fühlten sie sich überflüssig, der eigenen Tradition und Kultur beraubt. Daher ihre Klage über Erfindungen, die keine waren.

          Verschleierung als Schutz vor Plagiaten

          Es wäre jedoch naiv, zu glauben, dass die antiken Gelehrten und Autoren nur die Suche nach der Wahrheit vor Augen hatten, ohne auf das Menschliche, das Wirtschaftliche Wert zu legen. Nun, mit bestimmten Texten lässt sich der eigene Ruhm pflegen, durch andere auch der Geldbeutel. Die Schrift oder die Wissensquelle wird daher zum ökonomischen Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Wohl deshalb hat man schon in der Antike und im Mittelalter alle möglichen Taktiken angewendet, um ökonomischen Schaden abzuwenden.

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