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Pisa-Schulpolitik : Vom Unsinn ewiger Bildungsreformen

Ein Testverfahren, das sich längst verselbständigt hat: Seit 2000 werden Pisa-Studien durchgeführt. Bild: ddp

Die OECD und ihre Pisa-Studien nehmen großen Einfluss auf die nationale Bildungspolitik. Pädagogen nehmen nun in einem offenen Brief kein Blatt vor den Mund, was sie von den Folgen der mittlerweile auf Dauer gestellten Testseligkeit halten.

          Ein offener Brief an Andreas Schleicher macht die Runde. Schleicher ist OECD-Koordinator der Pisa-Studien und eine Art Dauerratgeber an Schulsysteme weltweit. Er wird nun aufgefordert, die Folgen seines Tuns und das der Pisa-Befürworter zur Kenntnis zu nehmen. Die gut einhundertdreißig Erstunterzeichner des Briefes sind Forscher, Lehrer und Schulleiter, Statistiker und Verwaltungsfachleute, von Oxford über Stockholm, Wien und Berlin bis Stanford. Initiator der Aktion ist der an der New Yorker State University lehrende Erziehungswissenschaftler Heinz-Dieter Meyer.

          Und ihre Beschreibung der Pisa-Folgen liest sich so: Die Bildungspolitik starrt gebannt auf jedes Testergebnis und blendet alles andere aus. Für viele zählt nur noch, ob ihr Land sich in den Rangtabellen verbessern konnte. Immer mehr Tests bestimmen das Leben an den Schulen. Alles werde inzwischen getestet und in Rangfolgen gebracht: Schüler, Schulen, Regionen, Nationen, Lehrer, Verwaltungen. Die OECD werde zum „globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung“ - und das, obwohl man wisse, wie wenig verlässlich die Aussagen dieser Tests seien: Man denke nur an das unerklärte Verschwinden Finnlands von der Pisa-Tabellenspitze.

          Herunterfahren der Testmaschinerie

          Dieser „Wettlauf um Testergebnisse“ verändere den Unterricht nicht zum Guten. Tatsächlich ist er mancherorts zu einer Vorbereitung auf Tests der sogenannten empirischen Bildungsforscher verkümmert. Die Klassenzimmer würden dadurch „bildungsärmer“, es nähme der Einsatz von Unterrichtsmodulen zu, die von privaten Firmen auf die Pisa-Welt zugeschnitten werden, überall verbreiteten sich „Multiple-Choice-Testbatterien“. Was von Pisa nicht getestet werde - gestalterische, musische, historische oder moralische Denkfähigkeit -, trete im Unterricht zurück.

          Da die Pisa-Tests alle die Jahre stattfinden, nehme außerdem die Kurzfristigkeit der Bildungspolitik zu. Was nicht messbar sei, verschwinde aus ihrem Blick. Es verenge sich in der Folge von „Pisa“ der Begriff dessen, worum es bei schulischer Erziehung gehe. Dass die OECD als wirtschaftspolitische Organisation vor allem die Arbeitsmarktbefähigung von Schülern im Blick habe, sei verständlich, aber eben in Bezug auf Schulen nicht ausreichend. Das Leben, in das die Schule entlässt, besteht nicht ausschließlich aus Wirtschaft. Die OECD habe insofern gar kein politisches Mandat für Schulen.

          Die Unterzeichner wehren sich gegen den Eindruck, der erweckt wird, als könne Schule - und gar eine nach Pisa-Maßstäben eingerichtete - soziale Ungleichheit beseitigen. Sie fordern eine Besinnungspause und ein Herunterfahren der OECD-Testmaschinerie. Und sie fordern, dass sich die OECD der Kritik an den Tests und ihren Auswertungen stellen solle. Die gesamten Kosten des Testens sollten offengelegt werden. Und es solle Rechenschaft über die Beteiligung privater Firmen am gesamten Verfahren abgelegt werden.

          Widersprüche im System

          In Deutschland haben sich dem Aufruf, der bislang nur im englischen „Guardian“ und im Internet publiziert worden ist, inzwischen schon mehr als vierhundert Unterzeichner angeschlossen. Bemerkenswerterweise kommen sie aus alle Regionen des Bildungssystems, von Grund-, Haupt- und Realschulen genauso wie von Berufsschulen, Gymnasien und Universitäten.

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