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Open Access Eine heimliche technokratische Machtergreifung

Die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen setzen auf „Open Access“, also die Publikation aller wissenschaftlichen Studien im Internet. Doch was als Fortschritt gespriesen wird, läuft auf eine Enteignung der Forscher hinaus.

Niemand, betonen Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Kultusministerkonferenz der Länder, niemand kann leugnen, dass der kostenlose Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen eine gute Sache ist. Und dass Mittel und Wege gefunden werden müssen, die Produkte deutscher wissenschaftlicher Forschung von den Servern der deutschen Universitätsbibliotheken aus „global sichtbar“ und durchs Internet „offen“ zugänglich zu machen. Und dass dabei auch Interessen wie die mittelständischer Wissenschaftsverlage hintanstehen müssen. Und dass angesichts der Herausforderungen globalisierter Wissenschaft die Rechte der Autoren, und sei's nur das Recht, über die Publikationsform ihrer Werke selbst bestimmen zu können, letztlich zu vernachlässigen sind.

Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Es wäre zu wünschen, dass sich Wissenschaftsrat, DFG und die Kultusministerkonferenz der Länder auf ihr eigentliches Geschäft: die Förderung und Ermutigung wissenschaftlicher Initiativen, beschränkten und die Finger von allen Versuchen gelassen hätten, dirigistisch in das komplexe Feld der Publikationsfreiheit und des Urheberrechts einzugreifen. Dem Versuch einer klammheimlichen technokratischen Machtergreifung, die in diesen Bereichen geplant und partiell mit Billigung der unkundigen und hilflosen Opfer, der Wissenschaftler, schon vollzogen ist, muss entgegengetreten werden. Aus kulturellen, aus rechtlichen, aber auch aus finanziellen Gründen.

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Explodierende Kosten

Open Access scheint prima vista unglaublich vielversprechend. Aber ist das wissenschaftliche Publizieren nach diesem Modell wirklich so billig, ja umsonst zu haben, wie seine Herolde die Öffentlichkeit glauben machen wollen? Niemand hat sich bisher der Mühe unterzogen, einmal die gesamtgesellschaftlichen Kosten en détail zu berechnen, obschon sich Ideologen und Mitläufer der Bewegung nicht nur gerne mit dem Lametta der Demokratisierung schmücken, sondern meist auch noch den vergoldeten Taschenrechnerorden am Band mit sich führen. Dort, wo ein zweiter Niemand, der Bibliothekar Uwe Jochum, sich einmal die Mühe gemacht hat, den Dingen auf den Grund zu gehen - in einem Beitrag zur Ökonomie der sogenannten „Nationallizenzen“ (in: „Textkritische Beiträge“, Heft 12, 2008) -, trat Erstaunliches zutage. Nur ein Beispiel: Die Yale-Universität musste im Jahre 2007 die Subventionierung jener Autoren, die auf der dem Open-Access-Modell folgenden medizinischen Informationsplattform „Biomed Central“ publizieren wollten, beenden, weil die Publikationskosten derart in die Höhe zu schießen begannen, dass auch die Finanzkraft von Yale dafür nicht mehr ausreichte.

So hatte Yale im Jahre 2005 noch 4648 Dollar investieren müssen, um interessierten Hochschulangehörigen die Publikation ihrer Arbeiten in „Biomed Central“ zu finanzieren. Im Jahre 2006 waren es dann schon 31.625 Dollar und im Jahr 2007, dem Jahr des Abbruchs, bis zum Juni 29.635 Dollar, mit weiteren 34.965 Dollar an erwarteten Kosten bis Jahresende, zusammen also geschätzte 64.600 Dollar für eine einzige Teildisziplin. Das ist ein Betrag, der den Abonnementkosten von rund vierzehn biomedizinischen Fachzeitschriften entspricht.

Digitale typographische Massengräber

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