Home
http://www.faz.net/-gsn-77kzu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Online-Kurse für alle Die Globalisierung der Lehre

Kurse auf akademischem Niveau, zugänglich für jeden: Manche halten Massive Open Online Courses für das Ende, andere für die Befreiung der klassischen Präsenz-Universität. Jetzt bieten die ersten deutschen Hochschulen Kurse beim Stanford-Start-up Coursera an.

© Coursera Vergrößern „Achtung, aufgepasst!“ Diese Kurse beginnen Mitte März auf der Coursera-Plattform

Dreihundertfünfzigtausend Teilnehmer aus hundertzweiundsiebzig Ländern: die Zahlen der von Stanford angebotenen freien Online-Klassen konnten sich schon sehen lassen, bevor Daphne Koller und Andrew Ng, zwei Informatikdozenten der Universität, sie zum Anlass nahmen, die Möglichkeiten des Mediums richtig auszureizen. Sie haben die Software dieser Internetangebote weiterentwickelt und im Herbst 2011 das Unternehmen Coursera gegründet, das Online-Kurse aus aller Welt anbietet.

Fridtjof Küchemann Folgen:      

Zum Start im April 2012 hatte das Start-up 37 Kurse aus fünf Universitäten im Angebot, 16 Millionen Dollar Risikokapital eingeworben und den selbstbewussten Plan, die Welt zu verändern – mit einem Angebot frei zugänglicher Online-Kurse von führenden Universitäten und Dozenten, das Millionen Menschen Zugang zur Hochschulbildung ermöglichen soll. Knapp ein Jahr später haben sich über 2,9 Millionen Teilnehmer für die Kurse eingeschrieben. Im Februar hat der Anbieter die ersten Angebote in chinesischer, spanischer und italienischer Sprache veröffentlicht, und zu den inzwischen über sechzig beteiligten Hochschulen zählen seit neuestem auch zwei deutsche, die Ludwig-Maximilians- und die Technische Universität in München.

Anfänge einer Erfolgsgeschichte

Dort schaut man staunend auf die Zahlen: Über zehntausend Interessenten haben sich zum Beispiel bislang für den Kurs „Competitive Strategy“ des BWL-Professors Tobias Kretschmer angemeldet, obwohl die sechs Einheiten erst im Juli beginnen. Insgesamt haben die vier Kurse der LMU schon jetzt über 19.600 Teilnehmer. Eine Resonanz, über die sich der Dozent der LMU wie auch der Initiator der Coursera-Partnerschaft, Universitätspräsident Bernd Huber, freuen. „Es ist eine spannende technologische Entwicklung“, fasst Huber sein Interesse an Coursera im Gespräch mit der F.A.Z. zusammen, „es ist ein ganz neues pädagogisches Konzept, und es führt zu einer Demokratisierung des Bildungsangebots, das jetzt ein globales Angebot wird.“ Außerdem ist es erklärtes Ziel für diese Kooperation, die Münchner Universität weltweit bekannter und auch als Studienort interessanter zu machen.

Im Video-Angebot von Youtube finden sich schon lange ganze Vorlesungen. Seit bald sechs Jahren bietet Apple mit dem Bereich „iTunes U“ seiner iTunes-Plattform Universitäten die Möglichkeit, Vorlesungen nebst ergänzendem Lehrmaterial zum kostenlosen Herunterladen zu veröffentlichen. Und der Kurs „Connectivism and Connective Knowledge“ von George Siemens und Stephen Downes, im Herbst 2008 ins Netz gestellt, gilt als weltweit erster Massive Open Online Course. Er steht am Anfang der Erfolgsgeschichte eines Formats, das in der akademischen Welt unter dem Akronym MOOC diskutiert wird.

Es geht um die Masse und jeden einzelnen

Neu war damals das Versprechen des gemeinsamen Lernens, das zugleich Thema des Kurses war: Der verbindliche Zeitrahmen von vierzehn Wochen machte es den über 2200 Teilnehmern möglich, die Inhalte und ihre Lernerfahrungen im Internet zu diskutieren. Lernziele oder Prüfungen waren nicht vorgesehen.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Online-Shopping Computer am Mittwoch kaufen, Schuhe am Donnerstag

Warten kann sich manchmal auszahlen, denn die Preise in Online-Shops schwanken mitunter im 24-Stunden-Takt. Wer selbst nicht ständig auf den Refresh-Button drücken will, bekommt Hilfe – von Spottster. Mehr Von Klara Keutel

18.02.2015, 10:28 Uhr | Finanzen
Facebook Datenschützer kritisieren neue Nutzungsrichtlinie

Die neuen Datenrichtlinien bei Facebook werfen Fragen auf. Seit Freitag gelten die neuen Bestimmungen der Online-Plattform. Aber was bedeuten sie für die Nutzer? Mehr

31.01.2015, 10:59 Uhr | Wirtschaft
Bundeswehr-Universität Keiner weiß, wie der Landser tickt

Studenten der Bundeswehr schreiben in einem Sammelband ihre Gedanken über die Gesellschaft nieder. Es ist die Abrechnung mit einer dekadenten Bevölkerung, für die sie sich im Grunde zu schade sind. Mehr Von Gerald Wagner

26.02.2015, 21:19 Uhr | Feuilleton
Operation Onymos Online-Drogenhandel aufgeflogen

Bei der Operation Onymos sind internationale Ermittler gegen illegale Plattformen für Rauschgifthandel im Internet vorgegangen. Im sogenannten Darknet sind einige Drogen beschlagnahmt worden. Mehr

11.11.2014, 16:52 Uhr | Gesellschaft
Bildungsdaten Treibstoff für die Helikoptereltern

Die Entwicklung und die Leistung unserer Kinder wird dokumentiert wie nie zuvor. Von der Krippe bis zum Abitur fallen Daten an, die oft schlecht geschützt, aber heiß begehrt sind. Auch von den Eltern. Mehr Von Fridtjof Küchemann

28.02.2015, 12:24 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.03.2013, 00:01 Uhr

Und Strafen

Von Jürg Altwegg

Wen kümmern schon die Zustände im Gefängnis? Der Philosoph Michel Foucault scheint heute einflussreicher denn je – den Wärtern und Direktoren dieser besagten „Unterbringungsanstalten“ wird die Lektüre von „Überwachen und Strafen“ empfohlen. Mehr 2