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Nachruf auf Khaled al-Asaad : Er blieb in Palmyra

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Kämpfte für die bessere Verständlichkeit der Archäologie: Khaled al-Asaad auf einem undatierten Foto. Bild: AFP

Der ehemalige Antikendirektor von Palmyra wurde vom IS ermordet. Dabei galt seine Forschung stets der besonderen Kulturleistung des alten Syrien. Ein Gastbeitrag.

          Die Tötung des jahrzehntelangen ehemaligen Antikendirektors der Oase Palmyra in der Syrischen Wüste durch Schergen des sogenannten „Islamischen Staates“ wurde durch ein grausames Belegphoto illustriert. Die Leiche des 82-Jährigen hängt an den Armen von einem Laternenpfahl, der Kopf mit der charakteristischen französischen Intellektuellenbrille zwischen den Füßen. In schlecht gekritzeltem Arabisch sind ihr die fünf Gründe für die verabscheuungswürdige Tat auf Karton umgehängt und bezeugen die Ignoranz der wohl nicht-syrischen Täter.

          Mit der üblichen Bezeichnung als „Abtrünniger“ vom Islam jener Couleur und als Unterstützer des mit einer despektierlichen Benennung gebrandmarkten Alawiten-Regimes werden drei politische Gründe genannt: Familiäre und andere Beziehungen zum Regime sowie der offizielle Besuch zu Khomeinis Machtergreifung in Teheran 1989. Zwei Gründe betreffen seine wissenschaftliche Arbeit und stehen am Anfang: der Besuch von archäologischen „Kongressen der Ungläubigen als Vertreter Syriens“ – und dass er „Direktor der Idole des antiken Palmyra“ sei.

          In der Tat gehörte der promovierte Archäologe zu den wenigen international anerkannten syrischen Forschern zum Hellenismus, doch hatte er das offizielle Amt schon vor vielen Jahren an seinen Sohn Walid abgegeben. Die idiotische Vorstellung, dass die kürzlich auch in Palmyra zerschlagenen restlichen antiken Porträts die Massen oder gar Gelehrte zu göttlicher Verehrung verführen würden, zeigt die grenzenlose Verunsicherung der Gottestreiter im islamischen Glauben. Aber alles, was aus dem Westen kommt, befördert diese Verunsicherung und fällt daher den neuen Grausamkeiten zum Opfer.

          Er wollte die syrische Kulturgeschichte aufrecht erhalten

          Dabei galt die Forschung al-Asaads gerade einer der besonderen Kulturleistungen des alten Syrien – der Adaption und Umformung in fast allen kulturellen und künstlerischen Bereichen des Hellenismus. Er wurde nicht als Ganzes und im imperialen alexandrinischen Glanz allgemein angenommen, ebenso wenig die römische Variante. Gerade Persönlichkeiten wie die Königin Zenobia von Palmyra stehen im dritten Jahrhundert nach Christus für die mutigen, innovativen Eigenleistungen einer regionalen Kultur und Kunst. Die Stilisierung der Porträts in den Totenkammern und -türmen feiert die Würde des Menschen im Typus, dazu benennt sie das in Familie und Stamm eingebundene Individuum mit eigenen semitischen Beischriften.

          Al-Asaad stammte aus einer palmyrennischen Familie. Er war kein „bequemer“ Kodirektor mehrerer internationaler Grabungsprojekte in Palmyra, wie der langjährige deutsche Ausgräber Andreas Schmidt-Colinet bestätigen kann. Er focht für bessere Verständlichkeit der archäologischen Arbeit und Ausstattungsverbesserungen der arm gehaltenen syrischen Museen. Wie man im Mai hörte, war er absichtlich in der eroberten Stadt geblieben, während seine Familie sich absetzen konnte. Er wollte mit seiner Autorität das Ideal der syrischen Kulturgeschichte aufrechterhalten. Niemand hat ihm dabei helfen können, aber wir müssen der Ignoranz abhelfen, die ihn umgebracht hat.

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