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Nach dem Wirbelsturm Sandy überm Efeuturm

Die Hurrikane werden wiederkommen. Selbstversorgung in der Exzellenzzone und Gelehrte beim Generatorenkauf - ein Bericht aus der amerikanischen Universitätsstadt Princeton.

© ASSOCIATED PRESS So sah sie vor dem Wirbelstumr aus - die efeubewachsene Nassau Hall der Universität Princeton (hier auf einem Bild aus dem Jahr 2001).

Mein Vater hat den Zweiten Weltkrieg als Kind in Thüringen erlebt. Als junger Mann ist er aus der Ostzone nach Westdeutschland geflohen. Seitdem war er darauf gefasst, dass die Russen kommen. Wir hatten immer Vorräte im Haus.

Ich selbst bin vor sechs Jahren mit Mann und Kindern nach Princeton, New Jersey, ausgewandert, der dortigen Universität wegen. Anfang November tobte „Sandy“ über uns hinweg. Seitdem sind wir darauf gefasst, dass die Hurrikane kommen. Wir werden immer Vorräte im Haus haben.

Draußen ist es gefährlich

Dass es mit Sandy schlimm kommen würde, hatten die Meteorologen vorausgesagt. Bis abends um sieben gab es an jenem Sonntag noch Strom. Das war länger, als wir bei dem zwölfstündigen Inferno draußen zu hoffen gewagt hatten. Eine riesige Fichte im Nachbargarten stürzte um, nur knapp am Hausdach vorbei. Ab und zu flackerte es grünlich am Horizont. Kein Wetterleuchten: Da gingen Umspannwerke und Transformatoren in die Luft. Nur die angekündigten Rekordregenmengen warf „Sandy“ woanders nieder; von Überschwemmungen blieb Princeton, anders als bei „Irene“ im vergangenen Jahr, diesmal verschont.

Am Abend nach dem Hurrikan sind die trutzigen Gebäude der Universität eine hell erleuchtete Arche im Meer der Dunkelheit. In der Firestone-Zentralbibliothek ist fast jeder Arbeitsplatz besetzt. Es herrscht konzentrierte Ruhe, Tastaturen klicken. Nur die Eingangshalle ist voller als gewöhnlich. An jeder Steckdose hängt ein Laptop oder Smartphone zum Aufladen. Wer keine elektronischen Botschaften schickt oder Skype-Telefonate führt, liest die aktuellsten Meldungen über „Sandy“. Auf den Bildschirmen leuchten Bilder vom „Jersey Shore“, der Atlantikküste, die der Hurrikan verwüstet hat, oder von der überfluteten New Yorker U-Bahn. So gewinnt man wieder etwas Distanz zum Geschehenen. Licht, Wärme, Kommunikation - all das gibt es hier, gibt ein Gefühl von Normalität, das rund um die Universität zu diesem Zeitpunkt keiner mehr hat.

Wenige Meter hinter dem Campus ist der Gehsteig im Stockfinsteren kaum zu erkennen. Doch es sind ohnehin kaum Fußgänger unterwegs. Noch am Vorabend, kurz bevor auch das Festnetz zusammenbrach, hatten die städtischen Behörden per Telefonansage dringend davon abgeraten, die Häuser zu verlassen: Die abgerissenen Kabel seien lebensgefährlich. Viele Straßen waren durch umgestürzte Bäume und Strommasten bereits unpassierbar.

Studium trotz Sturm

Auch die Princeton University hat rund fünfzig große Bäume verloren. Aber hier gibt es keine abgeknickten Strommasten, kein Kabelgewirr. Wie alles an dieser Institution ist auch die - privat finanzierte - Infrastruktur auf Dauer angelegt. Die Kabel sind unterirdisch verlegt. Neue Gebäude werden nach strengen Energieeffizienzkriterien gebaut. Auch verlässt sich die Universität nicht allein auf den regionalen Versorger, Public Service Enterprise Group (PSE&G). Seit 1996 hat sie ihr eigenes, erdgasbetriebenes Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerk, das im Notfall ihren gesamten Energiebedarf deckt. Deshalb haben alle Studenten, die während der Herbstferien in ihren Wohnheimen geblieben sind, trotz des Hurrikans Strom und heißes Wasser.

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