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Motive der Forschung : Ist der Kandidat denn auch gut vernetzt?

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Die Welt ständiger Gegengeschäfte

An ihre Stelle tritt eine pragmatische oder strategische Ausrichtung an wissenschaftlichen Zielen, die als karriererelevant eingestuft werden. Die Befassung mit solchen Zielen ersetzt nicht selten die intrinsische Motivation. Der akademische Nachwuchs wird zunehmend auf die Instrumente der Kommunikation, Vermarktung und Vernetzung orientiert. Die Werbung für die eigene Person steht im Vordergrund und beeinflusst das öffentliche Auftreten. Publikationen und Forschungsvorhaben unterliegen in diesem Zusammenhang externen Zwecksetzungen, weil sie zu Elementen individueller Werbekampagnen degradiert werden.

Netzwerke sind, wie Jürgen Osterhammel in seiner großen Studie "Die Entdeckung der Welt" erläutert, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Entstanden durch die Systeme technischer Versorgungseinrichtungen, die Haushalte an zentrale Energiequellen anschlossen, entwickelte sich das Netzwerk in der Moderne zunehmend zu einem Modell der Kommunikation.

In diesem Sinne sind Begriff und Konzept des Netzwerks heute Zeichen für den Anspruch des handelnden und denkenden Individuums, sich auf der Höhe des technisch Möglichen in globale Prozesse der Kommunikation einzuschalten. Allerdings sollte damit kein purer Selbstzweck-Charakter im Sinne persönlicher Imagepflege verbunden sein. Wer sich vernetzt, nutzt sein Wissen über Menschen und Sachen, indem er Informationen in der Erwartung streut, auf diese Weise "Gegenleistungen" zu erhalten, die seinen Kenntnishorizont erweitern. Das ist kein Widerspruch zu wissenschaftlicher Forschung, sondern begünstigt sie erheblich.

Vernetzungsgrad als Qualifikationsausweis

Ein Missverhältnis entsteht erst, wenn Vernetzung schon als Wert betrachtet wird, ohne Ansehung ihrer Resultate. Die reine Kommunikation kann allein strategischer Natur sein, wenn sie Vorteile bei Bewerbungen, eine bessere Plazierung des eigenen Namens oder der aktuellen Projekte anstrebt. Im akademischen Betrieb spielen solche Ziele zunehmend eine wichtigere Rolle. In Berufungskommissionen wird, gerade von Jüngeren, "gute Vernetzung" als Ausweis wissenschaftlicher Qualifikation gewertet. Was eine solche Vernetzung genau bedeutet, hinterfragt man nur selten.

Entscheidend ist die Tatsache, dass die betreffenden Bewerber über vielfältige Kontakte verfügen, die bei der Beantragung künftiger Drittmittelprojekte und bei der Sicherung strategischer Perspektiven eine wesentliche Rolle spielen. Individuelle und institutionelle Karriereplanung ist an diesem Punkt in einem Missverständnis befangen. An den Platz sachbezogener Neugierde tritt das Selbst-Marketing, das von externen Zwecken beherrscht wird. Die Verständigung über Forschungsresultate, die heutzutage in Netzwerken geschehen muss, findet sich ersetzt durch die Bildung von Agenturen zur Beförderung von Karrieren oder Antragserfolgen.

Coaching, Mentoring, Networking

Netzwerke sind als Formen der Forschungskooperation unabdingbar für die Wissenschaftsorganisation. Aber Vernetzung ist nur ein Werkzeug zur logistischen Entwicklung, ohne aber schon Erfolgsgarant zu sein. Wissenschaftler, die individuelle Vernetzung bereits für gleichbedeutend mit Steigerung ihrer Forscherqualifikation halten, verwechseln Strategie mit Taktik. Nicht zuletzt verraten sie das Prinzip der intrinsischen Motivation an ein externalisiertes Anreizmodell. "Ich bin so gut, wie meine Reputation", lautet hier das Credo. Das akademische System sollte an dieser Stelle umsteuern und Sorge dafür tragen, dass solche Tendenzen nicht unterstützt, sondern unterbunden werden.

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