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Moralverfall durch Säkularisierung? Die Glaubensdividende

 ·  In säkularen Gesellschaften werden religiöse Werte oft über ihren moralischen Nutzen verteidigt. Der Soziologe Hans Joas widerspricht der These, dass der Atheismus zwangsläufig zum Moralverfall führt.

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 02.11.2012 19:26 Uhr

Fortsetzung:

M.a.W.: Was Menschen aus religiösen Gründen tun oder unterlassen, ist NIE JEMALS moralisch - ganz gleich, worin es besteht! Außerdem ist es irrational, weil es auf unprüfbare oder falsche Behauptungen bis hin zu wahnhaften Überzeugungen zurückgeht. Ethik kann es also nur in Abwesenheit von Religion geben (und umgekehrt). Jedenfalls wäre die Erde ein bedeutend weniger leiderfüllter Ort, wenn sich die Menschen "einfach" moralisch verhalten würden, statt ihren Irrationalismen zu folgen und das auch noch als ihr "gutes" Recht zu betrachten.

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 02.11.2012 19:25 Uhr

Es GIBT keine "religiöse Moral"!

Eine Handlung oder Unterlassung kann nur ENTWEDER religiös ODER ethisch motiviert sein, und nur ETHISCH motivierte Handlungen oder Unterlassungen sind (mehr oder weniger erfolgreicherweise) moralisch! Vor dem Hintergrund der Annahme, daß alle empfindungsfähigen Wesen ein möglichst leidfreies Leben führen möchten, ist eine Handlung oder Unterlassung dann und nur dann ethisch motiviert, wenn sie darauf abzielt, Leid vorzubeugen, zu lindern oder zu beseitigen, während die Bedürfnisse und Interessen der von ihr betroffenen empfindungsfähigen Wesen nach dem Gleichheitsprinzip berücksichtigt werden.

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Antworten (13) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 06.11.2012 04:58 Uhr
Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 06.11.2012 04:58 Uhr

Fortsetzung:

"Ich kann nur sagen, dass Ihre Ansprüche an die Philosophie nicht erfüllt werden werden."

Von Luhmann ganz sicher nicht, aber mit Singer und vor allem Mario Bunge und seinem geistigen Erben Martin Mahner bin ich mehr als zufrieden. Gute, d.h. sprachlich klare, konsistente und wirklichkeitsbezogene Philosophie IST möglich! Man muß sich mit dem unter Philosophen leider noch immer weit verbreiteten Hang zum Geschwurbel also keineswegs abfinden.

"Es gibt nicht "Die Erkenntnis""

Bunge ist anderer Ansicht: Die Erkenntnis oder das Wissen eines Tieres zu einer bestimmten Zeit ist die Menge aller (I) sensomotorischen Fähigkeiten oder (II) perzeptiven Fähigkeiten und Wahrnehmungen oder (III) Begriffe und Aussagen, die es bis dahin gelernt und behalten hat.

"und auch nicht "Das Geheimnis""

Warum behaupten Sie sowas, wenn schon der Besuch bei Wikipedia eines Besseren belehrt?

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 06.11.2012 04:56 Uhr

@ Thorsten Krach

"Da fällt mir noch ein "Heilmittel" ein -(Philosophie kann auch heilend wirken): Die Konstruktivisten."

Im Rahmen einer Übersetzungs- und Lektorentätigkeit mußte ich mich im Jahre 2006 eingehender mit dem radikalen/ontologischen Konstruktivismus (Maturana und Consorten) befassen, und es hat mich buchstäblich KRANK gemacht. Mit einem derartig brutalen Overkill an wirrem Schwachsinn war ich noch nie konfrontiert gewesen! Nach einigen Wochen konnte ich das nicht mehr ertragen, so daß ich aus psychogesundheitlichen Gründen gezwungen war, die Arbeit abzubrechen. Seitdem lese ich Texte nicht mehr weiter, wenn die Menge an sprachlich-geistigen Nebelbomben meine Schmerzgrenze überschreitet.

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Thorsten  Krach

@Thomas Rakow

Da fällt mir noch ein "Heilmittel" ein -(Philosophie kann auch heilend wirken): Die Konstruktivisten. Luhmann war kein Philosoph, aber es ist ein Vergnügen seine Schriften zu lesen, und das hat auch viel wert. Brauchbares habe ich bei ihm überall und ständig gefunden. Ich kann nur sagen, dass Ihre Ansprüche an die Philosophie nicht erfüllt werden werden. Abschliessend kann ich nur sagen, dass moderne Philosophen seit Jahrzehnten nicht mehr probieren, allgemeingültige Denkgebäude zu entwerfen. Man könnte auch sagen, die Philosophie hat sich die letzten hundert Jahre im Leben gesuhlt. Es gibt nicht "Die Erkenntnis" und auch nicht "Das Geheimnis", wohl aber eine grammatikalische Möglichkeit und einen Drang, solcherlei anzunehmen. Ein sehr "weises" Buch wären die "Minima Moralia" von Adorno. Eines der besten lebendigsten Bücher, das ich je gelesen habe: Louis Ferdinand Celine: "Die Reise ans Ende der Nacht" in der neueseten Übersetzung von Hinrich Schmidt Henkel.
Ihre Empfehlungen?

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 04.11.2012 21:55 Uhr

@ Thorsten Krach

"Ich verspreche Ihnen,Singers Buch wieder mal zur Hand zu nehmen, wenn Sie mir versprechen, mal Luhmann zu probieren (z.B. "Soziale Systeme"+"GLU")."

Meinen Sie, daß ein Emergentistischer Materialist von Luhmanns Ausführungen profitieren kann? Meine Ansprüche an begriffliche und philosophische Genauigkeit sind extrem hoch, und wenn ich schon lese, daß Luhmann Dinge mit Prozessen verwechselt, weil er nicht präzise zwischen realen und fiktiven Objekten oder auch "nur" zwischen Erkenntnis und Erkanntem unterscheidet, muß ich bei ihm von einem verheerenden Mangel an philosphischer Orientiertheit ausgehen. Dennoch werde ich sehen, ob ich irgendetwas Brauchbares in seinen Ideen entdecken kann.

"Ihre Verwendung von "Ethik" ist schwer nachvollziehbar."

Gibt es noch Fragen zu dem, was ich hier am 2.11. um 19:25 dargestellt habe? Ich werde sie gern beantworten.

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Thorsten  Krach

@Thomas Rakow

Ich verspreche Ihnen,Singers Buch wieder mal zur Hand zu nehmen, wenn Sie mir versprechen, mal Luhmann zu probieren (z.B. "Soziale Systeme"+"GLU").
Sie sagen "Seine Ethik ist die konkreteste ...",dann fragen Sie "Was IST Ethik".Ihre Verwendung von "Ethik" ist schwer nachvollziehbar.
Ich kann Ihnen sagen, dass die Probleme,denen Sie gegenüberstehen, von einer gewissen Haltung und Erwartung herrühren, die die Sprache nicht erfüllen kann.
Sie fragen nach "Bezugsobjekten", bedenken Sie, dass Bezugsobjekte durch Bezugnahme temporär definiert und konstruiert werden.Eine Suche nach Letztem oder Ewigem in der Philosophie operiert auf derselben Ebene wie Religionen.Wittgenstein hat mit der Erfindung seiner "Sprachspiele" hier sehr interessante Perspektiven eröffnet.
Erlebt man im Leben Verachtung,dann ist man Zeuge eines moralischen Aktes Geworden.Das systematische Zusammenfassen der Strukturen von moralischen Akten kann man Ethik nennen.Ethik ist immer nur ein Versuch,nie privat,nie absolut.

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 04.11.2012 18:47 Uhr

@ Thorsten Krach

"Peter Singers Buch habe ich vor ca. 20 Jahren gelesen und ich meine mich erinnern zu können, dass sein Buch eher ein technisches, exerzierendes war - er hat es vermieden Positionen zu beziehen, weil er wusste, dass jede Positionierung bei seinen Themen zu emotionalen Reaktionen führen wird (Abtreibungsgeg.)."

Aber keineswegs! Seine Ethik ist die konkreteste und stringenteste, die mir bekannt ist. Singer bemüht sich wohl, seine sprachlichen Mittel so zu wählen, daß sie die eventuelle geistige Überforderung seiner Leser nicht unnötig steigern, aber an Klarheit lassen seine Ideen nur wenig zu wünschen übrig. Möglicherweise sollten Sie die Praktische Ethik noch einmal lesen, zumal sie im Jahre 1994 eine erweiterte Neuauflage erfahren hat.

"Ethik wird von Luhmann als Versuch zur Zusammenfassung von Moral gesehen."

Dieser Satz sagt absolut nichts aus. Was IST "Ethik"? Was IST "Moral"? Wer oder was sind (demzufolge!) ihre Bezugsobjekte?

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Thorsten  Krach

@Thomas Rakow

Peter Singers Buch habe ich vor ca. 20 Jahren gelesen und ich meine mich erinnern zu können, dass sein Buch eher ein technisches, exerzierendes war - er hat es vermieden Positionen zu beziehen, weil er wusste, dass jede Positionierung bei seinen Themen zu emotionalen Reaktionen führen wird (Abtreibungsgeg.).Ethik wird von Luhmann als Versuch zur Zusammenfassung von Moral gesehen.Das Verharren im Ungefähren ist eine sehr kluge Entscheidung, weil es viel Platz lässt, dem Leben in ALL seinen Facetten gerecht zu werden.Wir reden von interagierenden Menschen, was eine sehr dynamische und hochkomplexe Angelegenheit ist, die sich tatsächlich nicht mit Worten,Sätzen oder Theorien zusammenfassen lässt.Die Möglichkeiten der Sprache -also des Denkens- sind begrenzt, allerdings kenn man sprachlich behaupten, dass die Möglichkeiten der Sprache unbegrenzt seien.Sie sehen an dieser Stelle, dass "das Leben" sich in Sprache und Denken nicht völlig fassen lässt.Das Leben lässt sich paradox beschreiben.

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 03.11.2012 21:33 Uhr

@ Thorsten Krach

Nachdem man sich über den logisch und empirisch geprüften Zweck der Ethik geeinigt hat, wird jede Wertediskussion schlichtweg überflüssig. Leider scheint kaum jemand bereit zu sein, sich dieser Mühe zu unterziehen, denn das Verharren im Ungefähren ermöglicht es, Festlegungen und ihre mindestens teilweise unangenehmen Konsequenzen zu vermeiden. Ein wenig unterstelle ich das sogar dem großen Peter Singer, denn die Struktur seiner Ethik impliziert deutlich mehr, als er zu fordern und persönlich umzusetzen bereit ist.

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Thorsten  Krach

@Thomas Rakow Letztbegründungen und Werte

Da sind wir uns wohl weitestgehend einig."Letztbegründungen" sind was für Denkfaule, Neurotiker, Esoteriker und andere Religiöse, die sich und andere gerne unterwerfen.
Diskussionen über "Werte" sind tatsächlich oft fruchtlos,da die Vertreter dieser "Werte" sich oft mit jenen identifizieren, also nicht unvoreingenommen über diese echt gespürten Teile ihres Lebens diskutieren können. Eine Diskussion über Werte ist also oft eine Zumutung an die Lebenseinstellung vieler Gesprächspartner.Allerdings kann eine Wertumstellung oder Reflektion über Werte das Leben von Menschen grundlegend verändern, also sollte man bei sehr wichtigen Themen eine Werte-Diskussion nicht von vorherein abschreiben. Allerdings ist das Enttäuschungspotential sehr hoch,da Menschen nicht gerne zugeben, dass sie "falschen" Werten gefolgt sind - sie können aggressiv reagieren.
Der ideale Gesprächspartner in Bezug auf "Werte" identifiziert sich nicht mit Gedanken und ist bereit, Überzeugungen als vorläufig zu betrachten,

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 03.11.2012 16:37 Uhr

@ Thorsten Krach

Selbstverständlich ist mir vollauf bewußt, daß sich aus einem "Ist" kein "Soll" ableiten läßt, aber eine zwischen ihnen HERGESTELLTE Verbindung, die für alle Menschen jenseits einer bestimmten geistigen Entwicklungsstufe nachvollziehbar ist, halte ich jeder mehr oder weniger beliebigen "Letztbegründung" für weit überlegen. Daher beteilige ich mich auch nicht an fruchtlosen Kontroversen über "Werte". Jeder einzelne von ihnen ist gewissermaßen eine Letztbegründung für sich, die man in einem quasi-Glaubensakt annimmt oder auch nicht. Auf ihrer Grundlage läßt sich keine systematische und funktionale Ethik entwickeln.

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Thorsten  Krach

@Thomas Rakow

Da hat mich mein psycho-philosophisches Gespür also nicht getäuscht, Singer war ein Treffer - oder wäre es gewesen.
Singers Buch ist ein technisches.
Ich sehe, dass Sie viel auf Kausalität geben. Da fällt mir ein bemerkenswerter Spruch von Wittgenstein ein, der da sinngemäß lautet: Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube.
"Zwingende Implikationen" gibt es (meistens) nur in bestimmten Theorien. Im Leben gibt es Zwang und es gibt Implikationen (im Denken und auch Handeln), aber mit den Implikationen, die, je nach System sich ändern, beginnen schon die Unwägbarkeiten komplexer Betrachtungen und Konstruktionen.
Natürlich gibt es "zwingende Implikationen" in der physischen Welt: Wenn ich x tue, folgt (allermeistens) y.

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Thomas Rakow
Thomas Rakow (tlmr) - 02.11.2012 20:32 Uhr

@ Thorsten Krach

Tatsächlich ist Peter Singer "schuld" an meinem Denken. Allerdings gehe ich in einigen Punkten über seine Ideen hinaus. Vor allem "postuliere" ich nichts und beziehe mich lieber auf die beobachtbare Tatsache, daß empfindungsfähige Wesen möglichst leidfrei leben wollen. Nur Menschen, die dieses Bedürfnis teilen und sich dessen bewußt sind, besitzen überhaupt Moralfähigkeit, denn wer sich nicht für sein eigenes Wohlergehen interessiert, hat auch keinen (inneren) Grund, die Leidensfähigkeit Anderer zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt es kein rationales Argument, mit dem jemand die Rücksichtnahme auf seine Leidensfähigkeit einfordern könnte, ohne Anderen gegenüber dasselbe zu leisten. Nicht leiden zu wollen, hat für vernünftig denkende Menschen durchaus zwingende Implikationen.

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Thorsten  Krach

@Thomas Barkow

Ein Buchtipp für Sie : Peter Singer: "Praktische Ethik". Dieses Buch spielt viele Variationen des von Ihnen vertretenen Postulates durch, wird aber gerne fehlinterpretiert, da es manchem voreingenommenen Leser als Rechtfertigung von z.B. Euthanasie erscheint.

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Volker Kraft

Moralverfall durch Säkularisierung?

Ein Artikel, der nur auf das Trommeln der Theologie reagiert, die uns solche Thesen wie Religion = Moral weismachen will. Da werden von religionsbeflissenen Wissenschaftlern Studien verfasst, um vermutete, dem eigenen Glauben passende statistische Korrelationen zu belegen. Über die Kausalitäten macht man sich natürlich keine grossen Gedanken, denn es geht doch nur um das erhoffte "wissenschaftliche" Ergebnis.
Erstaunlich aber ist, dass hier nur noch 6 von 44 Foristen kirchenfromm Partei ergreifen.

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Severin Milenn

Fortsetzung

Es gibt in der Wissenschaft einen Grundsatz namens "Vetraue niemanden, der aus Statistiken zitiert, die er nicht mitbringt, vorlegt oder deren wissenschaftlicher Wert zweifelhafter Natur ist." oder die er im eigenen Sinn fern jeder wissenschaftlichen Neutralität auslegt.

Moral ist, wie schon geschrieben wurde, etwas beliebiges, ich erinnere mich da etwa an das römische Badewesen, wo praktisch jedes Jahr der moralische Kompass wackelte, ob man nun Männer und Frauen zur gleichen Zeit baden ließ.

Bohlen ist nicht wegen der Säkularisation im Fernsehen und schon gar nicht schlimmste Ausgeburt des Fernsehens. Man schaue in die USA, was da im Namen der christlichen Moral für Haß- und Hetztiraden ein Millionenpublikum begeistern.
Von denen ist jedes einzelne Exemplar schlimmer als 100 Bohlen.

Ich denke Püttmann stört die Ehrlichkeit unserer Zeit, er meint, daß man gewisse Makel des Menschen nur lösen kann, wenn man sie verschweigt und nicht angeht.

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Wolfgang Kolberg

Kann dem nicht zustimmen

Es mag unserem hippen Zeitgeist nicht passen; aber die menschliche Natur der Mehrheit ist eben so, dass sie ohne Furcht vor der Hölle und Gottes Gericht nicht "gut" ist. Moral braucht irgend eine Verankerung in etwas Höherem, Religion oder auch Spiritualität. Das muss nicht Kirche sein, aber eine materialistische & atheistische Gesellschaft wird immer moralisch nihilistisch sein, weil es eben keine wirklich logischen Grund gibt, gut zu sein. Die atheistische Gesellschaft wird daher scheitern, auch wenn das die liberalen-hippen modernen Leute ungern hören wollen.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 15:23 Uhr
Volker Kraft

Ein "liberal-hipper" moderner Atheist

Seit Beginn der Aufklärung und der franz. Revolution hetzt die Kirche gegen den ach so bösen Zeitgeist.
Sie setzen jetzt ein schickes "hipp" dazu, und wiederholen diesen Unfug ohne jede Begründung. Was soll eine "Verankerung in etwas Höherem" eigentlich sein? Würden Sie das bitte einmal ganz konkret benennen, erklären, und nicht wie die Theologie an solchen Punkten einfach aussteigen und darauf verweisen, dass "der Glaube" nun mal ein Geschenk Gottes sei!
Und was das Scheitern angeht, geht erkennbar zumindest in Westeuropa wohl nicht der Atheismus, sondern die Christenvereine den Bach runter.

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Thorsten  Krach

2000 Jahre Gehirnwäsche haben gewirkt

"Ignorance is bliss"

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Jan Meyer

Ich kann Ihnen nicht zustimmen

Auch wenn das in Ihrem Weltbild scheinbar nicht möglich ist ... Ich bin bestimmt kein agnostiker weil es dem "hippen Zeitgeist" entspricht oder modern wäre. Ich versuche lediglich meinen gesunden Menschenverstand zu benutzen und der hat bei mir zu eben dieser tiefen Überzeugung geführt. Wenn sie ein wenig liberaler wären könnten sie vielleicht ohne die pauschale Herabsetzung andersdenkender auskommen.

Das die meisten nur gut sein können wenn sie etwas fürchten (z.B. die Hölle) halte ich nicht für sehr wahrscheinlich, gute Menschen sind gut, schlechte Menschen sind schlecht, daran ändert ein eventuell vorhandener Glauben/Nichtglauben nichts. Es wird höchstens ein Vorwand für das eigene Verhalten geliefert.

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Herbert Sax
Herbert Sax (H.Sax) - 31.10.2012 23:07 Uhr

Den Modernen Menschen gibt es jetzt seit etwa 200000 Jahren

Das Christentum erst seit 2000 Jahren. Wir sind also 99% der Zeit unserer Existenz ohne die heutige Kirche im klassischen Sinne ausgekommen und haben uns auch ohne Religion trotzdem nicht gegenseitig zerstört. Die Evolution hat uns die natürliche Moral als Überlebensvorteil mitgegeben. Die Kirche hat einiges davon gekapert und will uns dies nun als ihre eigene Erfindung verkaufen. Wir sollten nicht darauf hereinfallen. Ja, es geht auch mit der Religion, aber ohne Religion geht es noch viel besser. Die Geschichte hat uns dies längst bewiesen und die zerstörerischen Kräfte der Intolleranz des Islam beweisen es uns gerade heute.

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Hans-Jürgen  Steffens

Die herrschende Lehre suggeriert, dass die Moral vom Himmel gefallen sei - buchstäblich.

Ist diese Vorstellung zwingend?

Bereits die Säugetiere zeigen moralanaloges Verhalten und strafen ungezogenen Nachwuchs nach allen Regeln der Kunst. Moral benötigt unter diesem Aspekt weder einen freien Willen noch einen lieben Gott.

Ethisches Empfinden ist das Resultat langdauernder Justierungen im Laufe der Evolution - vergleichbar unserem Geschmacksempfinden.

(Und wonach richtete sich die Justierung aus? Was für eine Frage! Es ist nach wie vor der alte Imperativ: Wachset und mehret Euch.)

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Severin Milenn

Christliche Hybris und eingeschränkter Blickwinkel

Seit wann sind depressive Menschen bitte minderwertig oder gar amoralisch? Ich bin selbst Atheist, Phobiker und depressiv, meine psychischen Probleme verdanke ich meinem ADHS und das hatte ich noch in meiner evangelischen Kindheit.

Die Länder hinter dem eisernen Vorhang kann man nicht als atheistisch ansehen, denn dort regierte die Ersatzreligion Kommunismus in verschiedenen Varianten.

Den Dualismus Gut und Böse haben nicht alle Religionen. Einen Psychopathen wird auch der religiöse Glaube nicht in einen Menschen verwandeln.

Es gibt kein universelles Menschenbild der Religion, denn jede sieht ihn anders, zudem darf man bemerken, daß der Atheismus dem Theismus entgegengesetzt ist, die Religion kann auch ohne den Theismus leben, der Theismus hingegen geht ohne Religion ein. Buddhisten, ob nun Mönch oder Laie, bezeichnen ihre Religion auch in den Ursprungsländern häufig als atheistisch.

Zudem ist Moral etwas beliebiges, was jeder anders sieht.

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Peter Meier

bedingte und unbedingte Moral

Stellt man sich auf den Standpunkt eines Gläubigen, so ist die Moral gottgegeben und damit unbedingt.
Stellt man sich auf den Standpunkt eines Atheisten, so ist die Moral eine bedingte. Sie ist vielleicht abhängig von stammesgeschichtlichen Vorgaben und einer historischen Entwicklung. Letztendlich mündet diese Position in einen Rechtspositivismus, in dem die Normen von denen bestimmt werden können, die über die Macht und geeignete Propagandastrukturen verfügt.
Was wären also vor diesem Hintergrund in unserer Weltregion die Normen, hätten die Nazis gesiegt?

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Peter Schwarz

'Ohne Gott ist alles erlaubt.' Falsch ... mit einem 'Gott' wird jede Unmenschlichkeit begründbar!

Wer eine Liste erstellt, was schon alles im Namen religiöser Moral angerichtet wurde, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass diese Moral zutiefst menschenverachtend ist! Unzählige Kriege wurden in ihrem Namen geführt, ganze Völker abgeschlachtet, Kulturen zerstört. Menschen wurden gequält & verbrannt. Moral ist der Überbegriff für menschliche Handlungsmuster. Mord & Totschlag im Namen von Religionen sind alles andere als erstrebenswerte Handlungsmuster! Der säkulare Humanismus braucht keinen 'Gott' und ist wahrhaftig an den Werten und der Würde des Einzelnen orientiert. Güte, Freundlichkeit & Mitgefühl im Diesseits sind humanistische Werte. Ebenso Toleranz & Gewaltfreiheit. Bildung ist u.a. eine wichtige Stütze & Voraussetzung des Humanismus. Nicht umsonst haben Religionsgemeinschaften über Jahrhunderte Bildung zu verhindern versucht. Und tun es heute noch! Wieviel dumpfe Gewalt hat religöse Moral schon hervorgebracht. Bzw. tut es heute noch! Göttliche Moral? Nein danke!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 10:54 Uhr
Peter Meier

Warum eigentlich?

Sie schreiben:
"Der säkulare Humanismus braucht keinen 'Gott' und ist wahrhaftig an den Werten und der Würde des Einzelnen orientiert. Güte, Freundlichkeit & Mitgefühl im Diesseits sind humanistische Werte. Ebenso Toleranz & Gewaltfreiheit."
Ich gebe Ihnen ja recht - aber wenn ich mich in die Rolle eines Skeptikers begebe, so ist die Frage: Warum sollte diese Ethik denn verbindlich sein? Warum sollte die Ethik für alle Menschen gelten und nicht nur , sagen wir, für die Mitglieder meiner Sippe oder für alle Europäer oder für die Mitglieder der so genannten entwickelten Welt, o.ä.?"

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Thorsten  Krach

Die Infantilität der Religionen

Die Ethik ist ein Zweig der Philosophie und nicht der Theologie, auch ist die Theologie keine Philosophie. Echte Philosophie verlangt echte Arbeit und gibt sich nicht mit Vorgekautem zufrieden, sie ist ein lebenslanger Habitus, der Aktivität verlangt und fördert. Infantil sind die Religionen im Verschließen des Denkens, im Warnen vor Überlegungen, im Setzen von Dogmen, im Vertrauen auf Undenkbares, im Behaupten des Wunders, im Erfinden der Sünde, im Anbeten des Gefühls, im Verachten der Ungläubigen und im Mitleid als Rache.
Es gibt nicht "die Moral", es gibt nicht "die Ethik". Modern wäre ein offener Diskurs um Problemstellungen, Sichtweisen und komplexe Versuche, handhabbare, temporäre Lösungen zu finden. Eine moderne Ethik betrachtet Religionen als grammatikalische Möglichkeiten, sie braucht den lebendigen, mündigen Menschen, der nicht Untertan ist, nicht gebeugt und resigniert, hämisch seine infantilen Phantasmen an eine überirdische Kraft inbrünstig übergibt.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 16:18 Uhr
Thorsten  Krach

@Volker Kraft

Für Ihre Komplimente und Ihre Hinweise möchte danken. Ich möchte Ihnen und anderen geneigten Ungläubigen noch eine praktische Idee von Niklas Luhmann eingeben, die da sagt, dass es bei Moral um Achtung und Verachtung geht. Diese Reduktion des komplexen Begriffes der Moral in all seinen Wortspielen, kann eine sehr handhabbare Perspektive darstellen. Man kann sich also Fragen: Wer verachtet wen unter welchen Bedingungen usw. Das unergiebige Verschieben des Wortes "Moral" hin zu "Wert", "Ethik" und "Religion" usw. wird dadurch "greifbarer", "anwendbarer".
(Die Antwort auf die Frage nach der akut angewendeten Moral lautet: "Ich achte/verachte, weil ...")

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Volker Kraft

Infantile Phantasmen an eine überirdische Kraft

Kompliment, Her Krach, eine unglaublich kompakte, in meinen Augen voll zutreffende Religionskritik. Insbesondere für das Christentum und den Islam.
Auffällig bleibt, dass die christliche, alles überragende Moral erst seit der Aufklärung herausgekramt wird. Die 1000 Jahre davor wurde zwar verbal auch mit der Moral hantiert, aber im wirklichen Leben der römischen Kirche spielte die Moral, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, praktisch keine Rolle. Dennoch lässt sich diese Kirche auch heute noch nicht auf eine wirklich offene, ehrliche Diskussion über die tatsächliche Rolle dieses Vereins in der Geschichte ein. Es gab nach Paul II nur "einige fehlgeleitete Söhne und Töchter der Kirche". Die Kirche selbst war, ist und bleibt für alle Ewigkeit heilig.

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Uwe Bussenius
Uwe Bussenius (uwebus) - 31.10.2012 21:47 Uhr

Moral versus Ethik

Moral beruht auf Bauchgefühlen, Ethik auf Verstandesurteilen.
Der kategorische Imperativ ist ein Verstandesurteil, nur darauf sollte sich eine Gesellschaft stützen und nicht auf Gefühle tiefer liegender Körperregionen, die nicht zum Denken vorgesehen sind. Die Moral der Einen wirkt meist zu Lasten Anderer, sie dient der Unterdrückung, denn sie ist mit Dogmatismus unterfüttert. Die postulierte Existenz eines Gottes z.B. ist solch ein Dogmatimus, der Gottgläubige zu der Anmaßung verführt, sich das Recht zu nehmen, Andersgläubigen ihre Lebensweise vorschreiben zu können.
Götter haben ausgedient als Rechtsgrundlage einer sekularen Gesellschaft, das hat sich leider in der BRD noch nicht rumgesprochen.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 16:28 Uhr
Thorsten  Krach

Der kategorische Imperativ

Der "Kategorische Imperativ" wird gerne von Menschen zitiert, die Kant - verständlicherweise - nie wirklich gelesen haben, weil sie nach spätestens einem Absatz gemerkt haben, dass hier kein Goethe am Werk ist.
Spielt man die möglichen Anwendungen des "Kategorischen Imperativs" durch, wird man feststellen, dass er eine unmöglich zu erfüllende und auch paradoxe Forderung ist. Er ist höchstens als Grenzsatz einer in Gott endenden und beginnenden Ethik zu gebrauchen, ähnlich der Behauptung, dass zwei parallele Linien sich in der Unendlichkeit berühren.
Kant und Hegel kranken an derselben Krankheit wie so viele exzellente Denker anderer Zeiten: an Religion.

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Uwe Bussenius
Uwe Bussenius (uwebus) - 01.11.2012 12:59 Uhr

@ Peter Meier

"Mit Ihrem Hinweis, Gott habe ausgedient, begeben Sie sich wohl eher auf ein Minenfeld, das die Väter/Mütter des Grundgesetzes in der Präambel durch die Formulierung
"Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,..."
sehr bewußt vermieden haben."

Deshalb gibt es ja auch die ständigen Schwierigkeiten in unsrer BRD-Gesellschaft. Erinnern Sie sich noch an den § 175 StGB? An die Verfolgung von Frauen, die abtrieben? An die Vergewaltigten, die nicht abtreiben durften und für das Verbrechen Anderer ein Leben lang ausgestoßen wurden? An das Verbot für Ehefrauen, ohne Einwilligung des Ehepartners eine Arbeit aufnehmen zu dürfen? Das waren alles Auswüchse einer "gottgewollten" Moral, die zig Tausende ins Unglück trieben und zum Teil auch heute noch treiben. Denn es gibt ja neben dem christlichen Gott noch genügend andere Götter, die eher menschenverachtend als menschenliebend ihr Unwesen im Hirn ihrer Anhänger treiben

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Peter Meier

Sitte/ Moral und Ethik sind kein Gegensatz

Sie schreiben:
"Moral beruht auf Bauchgefühlen, Ethik auf Verstandesurteilen."
Diese Gegenüberstellung suggeriert einen Gegensatz mit einer geringschätzigen Konotation von Moral und Sitte.
Ist es jedoch nicht so, dass Moral und Sitte die Basis für jede rationale Reflektion ist? Der kategorische Imperativ entstand nicht im moralfreien Raum. In einer Stammesgesellschaft wäre ein Analogon zum Kat.Imp. in vollem Einklang mit der Vernunft - evident - ganz anders formuliert worden.
Mit Ihrem Hinweis, Gott habe ausgedient, begeben Sie sich wohl eher auf ein Minenfeld, das die Väter/Mütter des Grundgesetzes in der Präambel durch die Formulierung
"Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,..."
sehr bewußt vermieden haben.

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Henk Wilbert

Einen Haufen Fragen

Die Studie scheint zu kurz zu greifen.
Der Religionsbegriff ist viel zu schwammig.
So kann man kaum zu verwertbaren Resultaten kommen.
Was ist denn Religion?
Der Glaube an „“? Oder kulturelle Praxis der Vertiefung?
Welche Religion?
Ist praktizierte Naziideologie ebenfalls eine Religion?
Ist der Agnostiker religiös, wenn er Weihnachten feiert?
Ist ein leicht abergläubischer Atheist, der im Dienst der Caritas aktiv ist, religiös?
Welcher Gottesbegriff wird angesetzt?
Ist das völlig unerheblich?
Sind nicht komplexere moralische Maximen per se auch schon Glaubensprodukte?
Und kann man hier überhaupt eine neutrale Schiedsrichterperspektive einnehmen?

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Sebastian Holzer
Sebastian Holzer (gerus) - 31.10.2012 21:17 Uhr

Glaube braucht keine Religion

„Moralverfall durch Säkularisierung?“ - „Brauchen Werte Gott?“

Wie eigentlich immer bei diesem Thema liegt der Denkfehler schon in der Grundprämisse und dem (gewollten?) Falschgebrauch von Begriffen:
Das Gegenteil eines religiösen Menschen ist NICHT der Atheist.
Man kann durchaus an die Existenz eines Gottes glauben und trotzdem davon überzeugt sein, dass alle Religion dieser Welt lediglich parasitäre Einrichtungen sind, die sich nur durch den Grad der Absurdität ihrer „Lehren“ unterscheiden.
Wenn man die Frage „Brauchen Werte Gott?“ gleichsetzt mit der Frage „Brauchen Werte Religionen?“, unterstellt man, dass ein Glaube an Gott außerhalb einer Religionsgemeinschaft nicht möglich ist.
Und das ist natürlich schlichtweg falsch.
Selbst wenn man also zu der Ansicht gelangt, moralisches Verhalten brauche eine „spirituelle“ Wurzel – Religiosität wird dadurch nicht sinnvoller.

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Wolfgang Graf von Ballestrem

Eine säkulare Gesellschaft ist eine Gesellschaft des Egoismus - nicht der Moral!

Hans Joas liegt ziemlich daneben, wenn er den Moralverfall durch Säkularisierung leugnet. Deutliches Beispiel: Abtreibung. In einer säkularen Gesellschaft wird dessen "Lebenseignung" daran gemessen, ob der werdende Mensch mehr Aufwand als Nutzen oder Freude verursacht. Die selbständige Persönlichkeit des werdenden Menschen wird geleugnet.
Im Christentum ist jeder Mensch per se ein von Gott geliebtes Geschöpf und ein von Gott gewolltes Geschöpf. Aus dieser Sicht verbietet es sich, das Lebensrecht des ungeborenen Menschen in Frage zu stellen. Darauf baute bislang unsere Moral.
Joas hat nur dann Recht, wenn man die Moral um etliche Stufen senkt, also von einer Hochkultur (die immer in der Menschheit mit Religion verbunden ist) zurückkehrt zum Primitiven, in dem am Ende der persönliche Vorteil mit allen Mitteln durchgesetzt wird.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 06:09 Uhr
Viktor Mueller

Religion ist Unmoral, Gewalt und Unterdrückung

Religion ist Unmoral. Beispiel: Inquisition oder "Hexenverbrennung". Religion ist Gewalt. Beispiel: von den religiösen Institutionen geduldeter Kindesmißbrauch (auch heute noch). Religion ist Unterdrückung. Beispiel: Das Kastensystem des Hinduismus - der Wohlstand der Brahmanen basiert auf der Ausbeutung der Massen.

Ihr Verständnis von Religion ist pervers und hat nichts mit Moral zu tun. Sie mögen als religöser Mensch vielleicht die Rechnung aufmachen, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Das würde auch die Kreuzüge erklären und den heutigen Kampf radikaler Moslems gegen "Ungläubige". Ich als Atheist mache diese Rechnung nicht auf. Ich weiß aber, daß es Situationen gibt, in denen Abtreibung nie das Ziel sein kann, es aber zu akzeptierende Gründe gibt.

Mangels Gott kann kein Mensch ein "von Gott geliebtes Geschöpf" sein. Das blutrünstige Christentum hat es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder bewiesen. Zuletzt unter den Nazis im großen Stil. Ich könnte kotzen!

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Severin Milenn

Der Hauch vom christlichen Feudalismus und Gottesgnadentum

Die Moral ist ein beliebiges Konstrukt, das man dazu benutzt anderen einen Mangel daran vorzuwerfen. Wäre etwas an der Moral, würde kaum ein katholischer Kleriker heute gegen die Gottlosen wettern, pädophile Glaubensbrüder nach Afrika verschiffen, sonderbare Aufrufe Frauen, die abgetrieben haben, zu vergewaltigen verbreiten und nicht auch weiterhin im Namen des guten Rufs der Kirchen Menschen und Gesetz verraten.

Wenn sie dem Opfer einer Vergewaltigung die Abtreibung verbieten wollen oder einer Frau, die ein nicht lebensfähiges Kind gebähren müßte, dem Lunge oder Gehirn fehlen oder eine Frau zu Tod, Krankheit oder Gebärunfähigkeit verurteilen, dann bleiben sie ruhig bei ihrer aus meiner Sicht fragwürdigen Moral.

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Stephan Sandhaeger

sachliche Korrektur

"Die selbständige Persönlichkeit des werdenden Menschen ..." - wird nicht "geleugnet", sondern existiert beim Embryo einfach de facto nicht. Eine Persönlichkeit kann sich erst in einem funktionierenden Cortex ausbilden, eine selbständige noch später.

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Stephan Sandhaeger

je nachdem was man unter "Moral versteht ...

"Vor allem in fundamentalen Lebensaspekten wie Abtreibung, Sterbehilfe und Embryonenforschung sei die religiöse Moral stärker." Na danke. Auch die Durchhaltemoral von Gotteskriegern soll überdurchschnittlich sein.

Was ich damit sagen will: Wenn man Moral definiert als das Eintreten für tradierte, teilweise religiös tradierte Werte, dann sind Gläubige natürlich besonders moralisch!

Kooperation, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Verläßlichkeit, Zivilcourage ... wie sieht es da aus?

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Gerhart Manteuffel
Gerhart Manteuffel (cem_m) - 31.10.2012 20:20 Uhr

Natürlich würde der Kategorische Imperativ nach Kant für ein Wertesystem ausreichen, nur...

...sieht die Realität anders aus. In Deutschland ist man stolz auf sein Grundgesetzauf das Wertesystem der Toleranz.Aber wir sind Zeugen, wie es im Konflikt mit dem Islam hilflos ist. Der Atheismus ist nicht wehrhaft gegenüber einem schleichenden Islamismus.Eigentlich war es schon das Problem der Weimarer Republik dass sie sich der religionsartigen Demagogie der Nazis nicht richt zu erwehren wusste.Ihre Verfassung war der Vorläufer unseres Grundgesetzes.Die Nazis hatten dort die meisten Wähler wo die meisten Agnostiker und Atheisten waren - und eben gerade nicht in den katholischen Gebieten.Wer selbst gläubig war, verfiel den Nazis nicht.Gläubige Menschen wie Bonhoeffer oder andere Theologen im Widerstand hatten mehr Kraft, sie hatten mehr Identität.Auch Staufenberg war sehr katholisch. Der Islam hat es so leicht, weil wir keinen religiösen Kompass mehr haben, unsere eigenen Traditionen über Bord geworfen haben.Wir werden es sehen:Der Islam wird in Europa die Scharia einführen.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.11.2012 13:42 Uhr
Gerhart Manteuffel
Gerhart Manteuffel (cem_m) - 01.11.2012 13:42 Uhr

Es gibt dazu genaue Studien.

Die meisten Wähler hatten die Nazis in den protestantischen Gebieten - in Norddeutschland und in den Gebieten Brandenburg, Mecklenburg, Pommern usw. Dort spielte die Religion keine grosse Rolle mehr. Natürlich waren formal die meisten Deutschen Christen, aber vor allem die Proetestanten waren eigentlich nicht mehr religiös. Der Theologe Bonhoeffer hat das auch festgestellt und sehr bedauert. Die deutsche Gesellschaft war zu einem Grossteil atheistisch, so wie heute. In den wirklich gelebt christlichen Gebieten - und das waren nur die katholischen Gebiete in Bayern, im Münsterland, in Schlesien usw. - hatten die Nazis kaum Wählerstimmen bekommen. Und in den Großstädten Bremen, Hamburg, Berlin hatten sie es auch schwer, diese wählten traditionell SPD und die Kommunisten. Als Christen fühlten sich in Deutschland ungefähr 15% der Menschen, der Rest fühlte sich vor allem als deutsch, identifizierte sich über die Nation, so wie auch in England oder Russland die Nation das wichtigste war.

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Wolfgang Klosterhalfen

Wer selbst gläubig war, verfiel den Nazis nicht?

Die meisten Deutschen haben die Nazis gewählt, und das waren doch fast alles Christen. Und mit Unterstützung der meisten deutschen Bischöfe, auch durch Bischof von Galen, wurden Polen und viele andere Länder überfallen.

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Rupert K. Vosil

Also verfallen Atheisten jetzt großflächig dem Islam?

Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Der Islam hat es überhaupt nicht "leicht", wie viele Konvertiten kennen Sie denn so? Wovon Sie reden, ist die Einräumung von Rechten gegenüber religiösen Minderheiten, aber das sieht unser Grundgesetz nun mal so vor. Das GG kennt da übrigens auch Grenzen, nur mal so zur Info. Ansonsten ist Ihr Beitrag knapp vor "Panikmache" angesiedelt.

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Wolfgang Klosterhalfen

Auch "ohne Gott" ist nicht alles erlaubt.

Wenn ohne den Glauben an einen Gott alle Hemmungen wegfallen würden, wäre es in der DDR drüber und drunter gegangen. Überzeugende empirische Belege für mehr Altruismus und weniger Kriminalität auf Seiten der Gläubigen habe ich noch nicht gesehen. Eine Studie, die suggeriert, junge Katholiken würden sich überdurchschnittlich häufig ehrenamtlich engagieren (McKinsey 2005), habe ich mir näher angesehen. Die Unterschiede waren minimal. 27% der jungen Katholiken, aber nur 24% der gleichaltrigen Nicht-Katholiken hatten ein Ehrenamt inne. Bei Politik, Umwelt- und Tierschutz gab es keine Unterschiede. Fünf Prozent der Katholiken hatten Ehrenämter im Bereich „Kirche/Religion“ inne, bei der Gesamtgruppe der 16- bis 29-Jährigen waren es nur drei Prozent. Na toll. Es gibt anscheinend eine US-amerikanische Studie, in der Atheisten unter den Gefängnisinsassen stark unterrepräsentiert waren. Davon war mir bisher allerdings nur eine Tabelle im Internet zugänglich.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.11.2012 18:08 Uhr
Wolfgang Klosterhalfen

Das Gefährliche sind Heilslehren

Gefährlich wird es, wenn Ideologien so verführerisch und mächtig werden, dass es angemessen erscheint, sie mit allen Mitteln durchzusetzen. Das ist beim sog. Atheismus nicht der Fall. Wer nicht an einen Gott glaubt sehnt sich noch lange nicht nach einer politischen Ersatzreligion. Und umgekehrt hat sich nur eine Minderheit der Christen dem nationalsozialistischen Wahn widersetzt. Viele waren der Meinung, Hitler sei von Gott eingesetzt worden, und man müsse der gottgewollten Obrigkeit untertan sein.

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Rudolf Root

Nordkorea?

Kurioserweise verglich Christopher Hitchens das Regime in Nordkorea mit der christlichen Paradiesvorstellung:
hier wie dort regiere eine –im christlichen Sinne– "heilige" Dreifaltigkeit (der damalige "liebe Führer", Kim Jong-il, war nicht der Präsident des Landes, das war und blieb sein verstorbener Vater, Kim Il-sung, der "große Führer"; jetzt, nach dem Tode Kim Jong-il, wird die Dreifaltigkeit durch Kim Jong-un vervollständigt).

Zudem oblag (und obliegt) den Bürgern des Staates, diese Dreifaltigkeit konstant zu preisen.

Dennoch gäbe es einen gravierenden Unterschied zwischen dem christlichen Paradies und Nordkorea, so Hitchens — in Nordkorea könne man zumindest sterben, dann sei es vorbei.

Im christlichen Paradies gibt es diese Option nicht: "When you die, they’ve just started with you." (Hitchens)

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Marvin Parsons
Marvin Parsons (mapar) - 31.10.2012 23:13 Uhr

Gesunder Menschenverstand statt Internetstatistiken

Möchten Sie lieber in Irland leben oder in Nordkorea, dem atheistischsten Land der Welt? Im Sozialismus wurde und wird religiöse Moral durch Unterdrückung ersetzt, das war in der DDR so und ist in Nordkorea der Fall. Ein Beleg für die Überlegenheit des Atheismus ist es nicht gerade.

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Lothar Wölfel

Wie können wir über das Subjektive hinaus dem Moralischen gemeinsame Kraft geben?

Das geht gar nicht, wenn Gott nicht in Erscheinung tritt! (Kardinal Joseph Ratzinger, 31.07.08
in der WELT)

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Rupert K. Vosil

Man braucht für moralisches Verhalten keinen Gott

Ein intaktes Gewissen und gesunde Wertvorstellungen reichen m. E. völlig aus. Erhält man Ge-/und Verbote von einer übergeordneten "Instanz" vorgeschrieben, dürfte deren Einhaltung sich vielfach schlicht mit der Angst vor irgendeiner gearteten Strafe erklären lassen (oder einer Belohnung). Ich postuliere, dass ein aufgeklärter, nichtgläubiger Mensch korrektes, ethisches Verhalten um seiner selbst willen, gewissermaßen "aus Prinzip" praktiziert. Das ist mir persönlich irgendwie lieber als "göttlicher Druck", auch wenn es beim "Endprodukt" auf das dahinter stehende Motiv natürlich nicht wirklich ankommt.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.10.2012 23:05 Uhr
Marvin Parsons
Marvin Parsons (mapar) - 31.10.2012 23:05 Uhr

Intaktes Gewissen und gesunde Wertvorstellungen

Woher sollen die kommen? Wer bestimmt, was ein intaktes Gewissen und gesunde Wertvorstellungen sind? "Aus Prinzip" kann man jede Art von Verhalten zeigen. Die Auswirkungen atheistischer Weltanschauungen haben wir ausreichend kennenlernen dürfen. Ethisch alles einwandfrei, nach der gerade vorherrschenden völkischen oder Klassen-Ethik.

So "schlicht", wie Atheisten Religion erklären möchten, ist sie nicht. Daher sind die atheistischen Missionierungsversuche selten von Erfolg gekrönt.

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Albrecht Schmidt

Wennes keinen Gott gibt,

also keine übergeordnete, überirdische Macht, wird alles relativ. Wir erhalten eine Beliebigkeitsethik und Beliebigkeitsmoral! Das heißt also gut und Böse sind etwas sehr relatives und etwas persönliches. Letztendlich bedeutet das, dass jeder machen kann, was er will und es ist okay! Düstere Zeiten, die da auf uns zu kommen!

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Geklonter Murks

Von Joachim Müller-Jung

Die Studie des Gen-Forschers Shoukhrat Mitalipov zeugt von erheblichen Schlampereien. Aufgedeckt wurden sie auf einer Gutachterseite im Internet. Hatte Luzifer seine Hände im Spiel? Mehr 1