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Max-Planck-Gesellschaft Minerva unter Jupiters Palmen

Wolkenlos im Licht der Wahrheit liegend: Die Max-Planck-Gesellschaft eröffnet in Florida ihr erstes amerikanisches Institut, um Forschern, die sie nicht nach Deutschland locken kann, entgegenzukommen.

© New York Focus Vergrößern Kennst du das Land, wo die Neuronen blühen? Das neue Max-Planck-Institut in Jupiter, Florida.

Es hat schon seine Richtigkeit damit, dass der Prophet, zu dem der Berg nicht kommen will, sich seinerseits zum Berg begeben muss. Soviel geschmeidiger Pragmatismus ist nötig, wenn die Welt funktionieren soll. Das schließt die Welt der Wissenschaft ein. Nehmen wir nur das Exzellenzflaggschiff der deutschen Forschung, die Max-Planck-Gesellschaft, die seit Jahren zum globalen Berg drängt, um, wie es offiziell heißt, die Internationalisierung der deutschen Wissenschaft voranzutreiben. Allerdings will sie dort nicht nur Prophet sein, sondern hat auch vor, vom Berg viel zu lernen.

Jordan Mejias Folgen:  

Darum war bei der feierlichen Eröffnung des neuesten Max-Planck-Instituts, des ersten außerhalb Europas, von keinem Berg die Rede, wohl aber von einem anderen, bei Forschern und Politikern beliebten Wunschbild: dem Leuchtturm. Ein solcher will das Max Planck Florida Institute for Neuroscience (MPFI), so ein Segensspruch dieses korrekt sonnigen floridianischen Morgens, für die deutsch-amerikanische wissenschaftliche Zusammenarbeit werden.

Warum der gerade in Südflorida zu stehen hat, ist eine Geschichte, in der nicht nur Jupiter und Minerva eine Rolle spielen. Trotzdem ist bemerkenswert, dass die Weisheitsgöttin, die einst der Stirn des Göttervaters entsprang und etwas später der Max-Planck-Gesellschaft als Emblem diente, nun auch im Profil über dem Eingang des palmenumkränzten Gebäudes prangt, das ausgerechnet in der Ortschaft Jupiter steht. Als wirke hier ihre Stirngeburt fort, beschäftigt sich jeder Forscher in jedem Labor des Instituts ausschließlich mit dem Gehirn.

Ideale Voraussetzungen und Aussichten

Neun Forschungsteams haben sich bisher formiert, um Neues über neuronale Schaltkreise, die Botenstoffe des Gehirns, die Plastizität des Nervensystems oder auch digitale anatomische Verfahren und damit neue Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten herauszufinden, sei es bei Alzheimer oder Parkinson, Autismus oder Schizophrenie.

Dopaminergic neurons derived from human iPS cell are shown in this undated handout photo released by Center for iPS Cell Research and Application, Kyoto University © REUTERS Vergrößern Solche Neuronen sollen in Jupiter erforscht werden: Dopaminsensible Rezeptoren, die an der Kyoto Universität aus menschlichen Stammzellen gewonnen wurden.

Dafür kommen nur die Besten in Frage. Beim Kampf um sie hat die Max-Planck-Gesellschaft noch nie nach dem Geburtsort gefragt. Peter Gruss, ihr Präsident, strahlt wie die Floridasonne, wenn er aufzählt, was in Jupiter alles an idealen Voraussetzungen und Aussichten aufeinandertrifft: Viele ausländische Forscher hätte er nicht nach Deutschland locken können, zugleich haben viele deutsche Forscher jetzt die Chance, nach Florida zu gehen. Das unabhängig geführte MPFI ist, wie es die Gesellschaft der Dynamik und Effektivität halber vorzieht, als mittelgroßes Institut angelegt, eingebettet aber in einen großen Kontext. Wie dieser entstand und weiter vergrößert wird, hält auch für Deutschland einige Lehren und Anregungen parat. Tatkraft und Wagemut, idealtypische Amerikanismen, wie sie in Jupiter aufgeblüht sind, scheinen auf einmal alle Berichte und Klagegesänge über den Niedergang des Landes Lügen zu strafen.

Was funktioniert hier warum? Das neue Forschungsparadies ist durchaus gewöhnungsbedürftig, zumal für den europäischen Gast: Wie aus einem subtropischen Landschaftsbaukasten zusammengebastelt, folgt die Umgebung einem Mammutmasterplan, der die Länge jedes Grashalms bestimmt, jeder Palme ihren Platz zuweist, jeder Lagune ihre Windung beibringt und das alles mit einem Straßenraster umschnürt, das nach wie vor den Menschen als zwischen Wohnung, Arbeitsplatz und Shopping Mall pendelnden Autofahrer begreift.

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Veröffentlicht: 13.12.2012, 22:12 Uhr

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