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Veröffentlicht: 28.08.2013, 14:34 Uhr

Mangelnde Gleichstellung an der Uni Madame, Sie haben den Job! Oder wartet noch irgendwo ein Mann?

Frauen sind in der Kunstgeschichte gar nicht so selten, zumindest als Objekt auf der Leinwand. Wenn es hingegen um Stellenbesetzungen geht, werden sie außen vor gelassen. Ein Fallbeispiel.

von Christiane Kruse
© picture alliance / dpa Der Mann, die Frau, die Kunst: Ein Ausstellungsbesucher betrachtet ein Gemälde von Susanna Hesselberg in der Ausstellung „Alice im Wunderland der Kunst“ in Hamburg

Im folgenden Bericht geht es darum, ein System aufzuzeigen. Das, was mir passiert ist, ist kein Einzelfall. Es ereignet sich für bestqualifizierte Frauen ständig an deutschen Hochschulen. Ich schreibe also ausdrücklich nicht aus persönlichen Gründen, sondern um Frauen, denen gerade Ähnliches widerfährt, zu ermutigen, auf einen Zustand aufmerksam zu machen, der ins vorletzte Jahrhundert weist.

Als ich 1994 an einer süddeutschen Universität promoviert wurde, war mein Berufswunsch klar: Ich wollte Professorin in meinem Fach werden, einem Fach, dessen Erstsemester zu achtzig Prozent Frauen sind, die von Professoren unterrichtet werden, die zu achtzig Prozent Männer sind. Trotz dieses eklatanten Missverhältnisses war es meine Überzeugung, dass die Universität ein geschlechtsneutraler Ort ist, an dem Frauen wie Männer nach ihrem Intellekt und Einsatz für die Wissenschaft gefördert werden.

„Es haben sich auch eine Reihe Danielas beworben“

Zwei Jahre nach meiner Promotion gelang es mir, ein Drittmittelprojekt an einem Sonderforschungsbereich zu plazieren. An meiner Hochschule waren in anderen Fächern viele Professorinnen berufen worden, die wiederum Assistentinnen zur Habilitation begleiteten. Das Geschlechterverhältnis war zwar nicht pari, aber doch so ermutigend, dass auch für mein eigenes Fach eine „Frauenberufungswelle“ zu erwarten war. Mein Chef war ein Mann und hatte einen Assistenten, dem er schon mal auf die Schulter klopfte. Als die Assistentenstelle wiederbesetzt werden wollte, sagte er zu mir: „Es haben sich auch eine Reihe Danielas beworben.“

Nach meiner Habilitation im Jahr 2002 war ich 41 Jahre alt, verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter. Ich begann mich auf Professorenstellen zu bewerben, anfangs auch noch unter Angabe meines Familienstands, da mir von verschiedenen Seiten gesagt wurde, dass dies die Chancen erhöht. Ich habe bald darauf davon Abstand genommen, weil ich mir nicht mehr sicher war, dass Kind und Unikarriere die Kollegen beeindruckt. Meine Habilitationsschrift habe ich zügig veröffentlicht, ein wichtiges Kriterium für eine Berufung.

Männliche Mitbewerber würden einfach besser auftreten

Eine erste Vertretungsprofessur führte mich 2003 an eine Universität, an der ich mich auch auf die frei werdende Stelle bewarb. Im Juli 2004 wurde zu den Vorstellungsvorträgen eingeladen. Aus der Berufungskommission vernahm ich von der Juniorprofessorin, dass der Mitbewerber einfach besser aufgetreten sei, mit großer Geste seine Themen souverän verbreitet hätte. Ich bekam meinen ersten Listenplatz, Platz 2, hinter einem männlichen Kollegen. Dieser „Erfolg“ sollte sich bis zu meiner Berufung neun Jahre nach der Habilitation noch viele Male wiederholen.

Wenig später gab es ein zweites „Vorsingen“. Dort ebenfalls Platz 2 hinter einem Kollegen, der aber absagte, weil er nach Harvard berufen wurde. Statt mich, wie es üblich ist, nachrücken zu lassen, wurden neue Gutachter bestellt und ein Mitbewerber, der anfangs gar nicht auf der Liste erschienen war, auf Platz 1 gesetzt.

Auf die Gleichstellungsbeauftragte ist nicht zu hoffen

Als Nächstes bewarb ich mich nach Österreich, wo ich ein insofern faires Verfahren erwartete, als man eine externe Kommission, bestehend aus Emeriti ganz unterschiedlicher Fachbereiche, zur Findung eingesetzt hatte. Ich kam 2005 erstmals auf Platz 1. Diese Plazierung wurde mir vom Präsidenten der Universität nach vier Wochen mit der Begründung entzogen, dass sich die Denomination der Professur geändert habe. Auf Platz 1 wurde der männliche Mitbewerber gesetzt.

Eine nächste Bewerbung zog sich über Gebühr hin. Auf meine Nachfrage wurde ich von dem Vorsitzenden der Berufungskommission belehrt, dass ich mich bloß nicht an die Gleichstellungsbeauftragte wenden solle, das führe sowieso nicht zum gewünschten Ergebnis. Berufen wurde ein Kollege, der nicht einmal habilitiert war. Meine Bewerbung landete auf dem Serienplatz 2. An einer weiteren Hochschule erging es mir ähnlich. Platz 1, wie gehabt, ein Mann.

Das gleiche Bild in der Schweiz

Es ergab sich bei meinen bisherigen Bewerbungen, dass die meisten ausgeschriebenen Professuren die besser besoldeten W3-Professuren waren. Sie wurden allesamt männlich besetzt. An einer Schweizer Universität errang ich Platz 1 auf eine Stiftungsprofessur, die Stifter entschieden sich erwartungsgemäß für einen männlichen Schweizer, der allerdings nicht habilitiert war. In der Schweiz erlebte ich überhaupt so einiges: An einer anderen Universität polemisierte ein deutscher Kollege heftig gegen meinen Vortrag und hieß mich Grüße an meinen Doktorvater auszurichten. Eine Kollegin aus der Kommission gab mir später am Telefon den Rat, man müsse sich wie ein „Solitär“ geben. Sie hatte die einzige weiblich besetzte Professur im Institut inne und war wohl sehr daran interessiert, diesen Solitär-Status zu halten.

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