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Lehre an Hochschulen : Lebenslang Feedback

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Das Feedback ist besonders in den Geisteswissenschaften wichtiger als der Lernerfolg. Bild: dpa

Während die Lehre in den Geisteswissenschaften seit Einführung des Bachelor immer stärker vernachlässigt wird, ist die Pädagogik zur Leitdisziplin geworden. Ein Widerspruch ist das leider nicht.

          Geisteswissenschaftler klagen in Deutschland oft, dass sie seit der Bologna-Reform kaum Zeit für ihre eigentliche Arbeit hätten, weil sie von Verwaltungsaufgaben aufgezehrt würden. Das liegt allerdings nicht nur am Drittmittelbetrieb, der Doktoranden, akademische Mitarbeiter und Professoren zwingt, einen Großteil ihrer Arbeitskraft für die Sicherung des Selbsterhalts aufzuwenden. Es hängt auch mit der Inflation des Evaluationswesens zusammen, das als unabdingbar für die sogenannte Qualitätssicherung angesehen wird. Für sie ist an vielen Universitäten mittlerweile ein eigener Mitarbeiterstab verantwortlich. Für ihre Bewertungs-Bedürfnisse müssen die Forscher und Lehrer sich einrichten.

          Evaluation ist etwas anderes als die Leistungsbeurteilung, die den in Forschung und Lehre Tätigen in ihrer Funktion als Gutachter und Prüfer obliegt. Leistungsprüfungen beziehen sich, wenngleich sie verallgemeinerbar sind und statistisch erfasst werden, auf konkrete Gegenstände und Individuen. Evaluiert dagegen werden nicht individuelle Leistungen, sondern Prozesse.

          Evaluationen finden nie einfach nur zwischen Prüfer und Geprüften statt, sondern beziehen ein Netzwerk von Personen und Institutionen ein, die angehalten sind, sich permanent selbst und gegenseitig zu bewerten. Die Evaluationen, die mit darüber entscheiden, welchen Platz im neuesten Ranking eine Hochschule einnimmt, sind nur die allgemeinste Form eines Mechanismus, der den universitären Alltag bestimmt. Die eindeutige und dadurch meist kalkulierbare Hierarchie, die zwischen Prüfer und Prüfling besteht, wird durch das System der Evaluationen aufgeweicht und zugleich totalisiert.

          Kein Urteil, sondern Feedback

          Im Hinblick auf die Aufgabe der Qualitätssicherung sind nicht nur die Studenten ihrem Lehrer, sondern alle einander und dem Ganzen verantwortlich: Nicht nur die Universitäten werden evaluiert, auch Studenten evaluieren ihre Fächer, sich selbst und ihre Lehrkräfte, die ihrerseits ihre Studenten, ihr Fach und einander evaluieren. Wer als Dozent oder Vertreter eines anderen Berufszweigs an einem Mentoring-Programm teilnimmt, in dessen Rahmen er einem Einzelnen oder einer Gruppe von Studenten als professioneller Ansprechpartner zur Verfügung steht, schreibt am Ende kein Zeugnis, sondern erhält von der Hochschulverwaltung Evaluationsbögen, auf denen er die Entwicklung der Mentorierten ebenso einschätzen soll wie den eigenen Lernprozess während der Kooperation. Erst aus dem Zusammenklang von beidem entsteht die Evaluation. Als Träger des Lernens erscheinen dabei weniger die einzelnen Beteiligten als die Institutionen selbst. An die Stelle des Urteils, das die Prüfungsnote fällt, tritt das Feedback, das sich alle ständig voneinander wünschen.

          Mag das Urteil, das sich in der Prüfungsnote zusammenfasst, durch spätere Urteile revidiert werden, so fungiert es doch als Momentaufnahme einer individuellen Bildungsgeschichte. Das Feedback hingegen fällt kein Urteil, sondern schätzt im Hinblick auf künftige Möglichkeiten einen Entwicklungsstand ab.

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