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Kritik an der DFG : Die freie Wissenschaft ist bedroht

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4. Ein Monopol ohne Kontrolle

Schließlich gelangt man zu zentralen Strukturproblemen der Wissenschaft, in die die DFG eingewoben ist: Wäre die DFG-Förderung nur das Sahnehäubchen auf der Melange einer staatlichen Grundfinanzierung der Forschung an Universitäten, so hätte sie nicht die forschungslenkende Wirkung, die sie hat. Indes fahren die Länder die Grundfinanzierung zurück und setzen gezielt auf Drittmittelzufluss. Der Forscher verbringt einen Gutteil seiner Zeit damit, Drittmittel einzuwerben, Anträge zu schreiben und auf einen Erfolg zu hoffen.

Eine variable Beamtenbesoldung sorgt dafür, dass das Professorengehalt auch vom persönlichen Drittmittelerfolg abhängt. Damit wird der Hochschullehrer überall dort, wo Forschung aufwendig ist, wo man Großgeräte braucht, empirische Sozialforschung betreibt, wo er komplexe Editionen herausgeben will, von Drittmittelgebern abhängig. Der zentrale Drittmittelmonopolist aber ist - die DFG. Das kann eine ins Persönliche reichende Abhängigkeit erzeugen; allein die innere Unabhängigkeit bewahrt den Wissenschaftler davor, ein typisches Subventionsempfängerverhalten zu entwickeln und seine Forscherehre womöglich durch Verzicht zu festigen.

Freilich kann man dies nicht von jedem erwarten. Ein nicht zu quantifizierender Teil der Wissenschaftler folgt dem Sog der Förderung und passt sein Verhalten an, wird also Drittmittel- oder DFG-kompatibel. Dementsprechend gewinnt die im Hauptausschuss festgelegte wissenschaftspolitische Ausrichtung der DFG eine klare Lenkungsfunktion. Werden dort interdisziplinäre Projekte, industriell verwertbare oder solche der Lebenswissenschaften bevorzugt, so werden die Antragsteller folgen.

Das müsste im Rahmen einer offenen Diskussion geschehen; doch ist der Hauptausschuss ein kleiner Lenkungskreis, der nichtöffentlich tagt und entscheidet und seine Entscheidungen auch nicht begründet. Weil dort die geldgebende Politik mit 32 Mitgliedern präsent ist, ist Staatseinfluss nicht ausgeschlossen. Auch dagegen wäre im Prinzip nichts einzuwenden, doch fehlt jede parlamentarisch-demokratische Kontrolle. Die Ministerialagenten können nach eigenem Gutdünken Forschungskonzeptionen für die gesamte Bundesrepublik entwickeln - innerhalb eines privatrechtlichen Vereines, der niemandem verantwortlich ist.

In der Wissenschaft werden vielfach „Interesseleitungen“ durch gewerbliche Drittmittelgeber diskutiert. Diese durch und durch berechtigte Diskussion nimmt die DFG bislang aus. Und das zu Unrecht. Jede begünstigende Einwirkung auf Wissenschaft bedarf der Transparenz. Dass die DFG keine konkreten Ergebnisse im Auge hat, ändert hieran nichts: Sie steuert Themen und Methodenwahl, neuerdings sogar die Sprache, und übt hierdurch strukturellen Einfluss aus.

Hinzu kommt eine Ausweitung der DFG-Kompetenzen, teils auf politischen Wunsch, teils im Wege der Selbstermächtigung: Die DFG steuert gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat die Exzellenzinitiative und damit die Hochschulstruktur in der Bundesrepublik durch eine Zweiteilung in Sonderuniversitäten und gewöhnliche. Sie fördert und schafft Graduiertenkollegs und wirkt damit in die autonome Promotionsgestaltung an Universitäten und Fakultäten. Die DFG schreibt die Gestaltung der Förderanträge bis in die Sprachgebung hinein vor und reglementiert dadurch Argumentationsstrukturen und Denkmuster in der Wissenschaft. Einzelne DFG-Mitarbeiter bieten bereits gewerbliche Seminare für erfolgreiche Antragstellung an. Und schließlich will die DFG im Rahmen ihrer Open-Access-Initiative die Vergabe von Fördermitteln an die elektronische Publikation binden - und sucht so, die wissenschaftliche Veröffentlichungskultur zu prägen. Von der Wissenschaftswiege bis zur -bahre befindet die DFG, was gute Wissenschaft sei. Das bedroht die individuelle Wissenschaftsfreiheit und das Fundament von Forschung und Lehre.

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