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Kritik an der DFG : Die freie Wissenschaft ist bedroht

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Während Anträge sorgsam evaluiert werden, findet eine vergleichbare Bewertung der Forschungsergebnisse nicht statt. Hat die Forschungssubvention den erhofften Ertrag gebracht? Sind Ergebnisse er-zielt worden, und wenn ja, haben sich diese angesichts des Geldeinsatzes „gelohnt“? Lassen magere Ergebnisse Folgerungen für die künftige Vergabe zu?

Die DFG hat den Mangel erkannt und DFG-typisch scheinbehoben: Seit 2006 „erforscht“ das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) die Förderpraxis der DFG. Dabei gibt es nur ein kleines Problem: Das iFQ wird vollständig von der DFG finanziert, also von derjenigen Institution, die sie untersuchen soll. Dem Aufsichtsgremium des Trägervereins steht die DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek vor; seinem wissenschaftlichen Beirat Peter Weingart, ein selbst vielfach DFG-Geförderter.

3. Selbstbedienung möglich

Da in den Gremien der DFG nur die allerbesten Wissenschaftler versammelt sind, wundert es nicht, dass auch diese selbst Forschungsförderung erfahren. Der ehrenhafte Einsatz für die Wissenschaft darf nicht zur Fördersperre missraten. Sonst gewönne man nicht die Besten oder verlangte ihnen ein mönchisches Sonderopfer ab. Über die Förderung der Gutachter erfährt man nichts - weil Gutachter und Gutachten geheim sind. Allerdings kann jedermann über die Gepris-Datenbank recherchieren, welche Amtsträger ihrerseits in den Genuss einer Förderung kommen. So finden sich bei Matthias Kleiner, seit 2005 DFG-Vizepräsident und seit 2007 deren Präsident, zahlreiche und auch noch laufende Förderungen. Elisabeth Knust, Vizepräsidentin seit 2009, wird neben anderem ebenfalls seit 2009 mit einem Projekt zu den Fotorezeptorzellen des Zebrafisches gefördert.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Nun soll man keine Selbstbedienung unterstellen. Das Problem liegt aber darin, dass man Selbstbedienung zumindest strukturell für möglich halten muss, weil Gutachter und Fachkollegien um die prominente Stellung wissen - der Antragsteller ist nicht anonym. Und weil es zweitens keine Transparenz in den Entscheidungsverfahren gibt. Überdies ist zu fragen, mit welchem Zeitbudget ein schon durch sein Amt stark belasteter DFG-Präsident gesegnet sein muss, der als Wissenschaftler für derart viele DFG-Projekte Forschungsverantwortung tragen kann.

Das geht einher mit punktuellen konkreten Missgriffen, die Indiz für Fehlsteuerung sind. Das schlimmste Szenario ist der Ideenklau: Der Gutachter votiert gegen den Antrag, um dessen Kernidee als eigene Initiative einzureichen, mitunter auch in wortwörtlicher Übernahme. Hinzu kommen plagiatorische und betrügerische Anträge, die wahlweise bereits publizierte fremde Forschungsergebnisse als eigene Projektidee ausgeben oder eigenes Erforschtes als künftiges Projekt darstellen, um eine zukunftsbezogene Förderung für vergangene Leistung einzustreichen.

Das ist Subventionsbetrug und ein Fall für den Staatsanwalt. Was macht die DFG: Sie spricht eine Rüge aus, in sehr seltenen Fällen auch einmal eine Antragssperre - achtet aber ansonsten sehr darauf, dass solche Kriminalität die edle Sphäre der Wissenschaft nicht verlässt. Täter werden durch Anonymität geschützt.

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